BERLINALE 2015 REVIEW
Eröffnungsfilm "Nobody Wants the Night"

Foto © Presse

Fifty Shades of Snow: Juliette Binoche reist im Eröffnungsfilm der Berlinale zum Nordpol.

Draußen ist es kalt, doch im Herzen ist’s heiß. Wir schreiben das Jahr 1908 und die New Yorker Gesellschaftsdame Josephine Peary sucht ihren Mann, der in den vergangenen 20 Jahren nur für 14 Monate zu Hause war. Robert E. Peary ist nämlich Entdecker von Beruf und fahndet nach dem Nordpol. Wie man hört, steht er kurz vor dem Ziel, und weil Josephine ihrem Gatten im Moment der Erfüllung nah sein will, hat sie ihre schönsten Kleider in sperrige Koffer verstaut, die bald von Schlittenhunden Richtung Norden gezogen werden: Fifty Shades of Snow! Da können die freundlichen Eskimos nur freundlich mit dem Kopf schütteln.

Was die spanische Regisseurin Isabel Coixet in dem Berlinale-Eröffnungsfilm „Nobody Wants The Night“ erzählt, ist eine Geschichte, die auf dem dehnbaren Begriff der wahren Begebenheit sich aus bekannten Zutaten des Schlechtwetterfilms zusammensetzt, was in diesem Fall bedeutet: Zivilisation trifft auf Natur, Zivilisation unterschätzt Natur, Essen wird knapp, Kohle wird knapp, Zivilisation friert – Problem! Dass dann noch eine junge Eskimo-Frau auftaucht, die ebenfalls auf den Nordpol-Entdecker wartet, macht die Sache für Josephine Peary natürlich nicht leichter und gibt für Juliette Binoche hinreichend Anlass ihr Nichteinverstandensein zum Ausdruck zu bringen. Doch selbst die größte Schauspielkunst vermag den Film nicht wirklich zu retten.

 

Von: HARALD PETERS

06.02.2015 | Kategorien Berlin, Film | Tags , , ,

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