Porn Filmfestival Berlin

Auf dem elften Porn Filmfestival in Berlin gibt es mehr zu sehen als Mainstream-Sexstreifen. Vorhang auf für den Independent-Porno!

Die Prinzessin auf der Eichel, Blowing for Columbine oder Andere Länder, andere Titten: Der Porno kommt unter den Filmgenres nicht gerade am besten weg, entweder wegen genau solcher Filmtitel, die schmuddelige Sexspielchen ohne jeglichen Handlungsstrang auf der Leinwand suggerieren, oder weil sie in Kategorien wie „frauenfeindlich“ eingeordnet werden. Für beide Zuschreibungen finden sie, nebenbei bemerkt, genügend Material in den Archiven.

Dass es aber abseits des Porno-Mainstreams noch viel mehr zu entdecken gibt, zeigt das Porn Filmfestival in Berlin, das bereits zum elften Mal stattfindet und dem Publikum eine Auswahl an hochwertigen Sexfilmen kredenzen will, die beweist, dass Porno auch anders erzählt und dargestellt werden kann.

Die Organisatoren des Festivals präsentieren noch bis Sonntag eine kuratierte Selektion von Filmen, die Sexualität aus anderen Blickwinkeln betrachtet, aus Feminismus- oder Queer-Perspektive zum Beispiel. Ziel ist es, eine neue Entwicklung der Branche aufzuzeigen und daher auch ganz neue Produktionen aus der internationale Szene vorzustellen. Die Sexfilm-Vergangenheit kommt ebenfalls nicht zu kurz: In einer Retro-Reihe werden deutsche Sexfilme der 1970er Jahre gezeigt.

Wir zeigen Ihnen fünf Filme, die auf dem Festival laufen und die sie auf keinen Fall verpassen sollten:

SEXarbeiterin

Die Dokumentation SEXarbeiterin von Sobo Swobodnik begleitet die Berlinerin Lena Morgenroth, die (wie eigentlich jede Berufstätige) zwei Leben führt. Beruflich geht sie ihrem Job als Sexarbeiterin nach, privat alltäglichen Aufgaben wie Einkaufen, Kochen und Haushalt. Der Film setzt dem weit verbreiteten Bild der „wehrlosen, fremdbestimmten Prostituierten“ ein vielseitiges, selbstbestimmtes und vor allem authentisches Porträt einer Sexarbeiterin entgegen.

The Love Witch

Als Abschlussfilm läuft am Sonntag The Love With von Regisseurin Anna Biller. Der knapp 120-minütige Film ist eine Hommage an den Technicolor-Film der 1960er Jahre, der ästhetisch an den Stil des alten Thrillers oder Horrorklassikers erinnert – irgendwo zwischen Hitchcock und Gothic-Vampirfilmen angesiedelt. Es geht um die Hexe Elaine, die ihren Hunger nach Liebe, Männern und Sex stillen will. Ihre Objekte der Begierde bezirzt sie deshalb mit Hexenkunst und Zaubertrank. Auf der Website heißt es: „Ein feministischer Augenschmaus und zugleich ein Ausstattungs- und Detail-Festmahl!“.

Andy Warhol to se vrati: Boyz

Ziemlich strange mutet zunächst das Porträt der schwedischen Künstlerin und Filmemacherin Malga Kubiak an, die bereits vielen Ikonen der sexuellen und gesellschaftlichen Subversion ganze Filme gewidmet hat. Nun ist Andy Warhol an der Reihe, der in ihrem Beitrag aus verschiedenen Perspektiven und von mehreren SchauspielerInnen verkörpert wird. Um ein normales Biopic handelt es sich hier ganz gewiss nicht, eher um ein Feuerwerk von Sinneseindrücken, das die bewegte Biografie Warhols gekonnt einfängt. Lassen Sie sich überraschen!

Hide and Seek

Immer wieder wurde auf den vergangenen Porn Filmfestivals die Thematik Polyamore Beziehung in den Mittelpunkt gerückt. Die britische Regisseurin Joanna Coates erzählt in Hide and Seek die Geschichte von vier Protagonisten, die das polyamore Beziehungsmodell ausprobieren wollen. Charlotte, Simon, Jack und Leah ziehen gemeinsam in ein Landhaus nach Wales, um einem nichtmonogamen Leben nachzugehen. Ob das funktioniert? Wunderschöne stille und eindringliche Bilder bekommen sie allemal zu Gesicht.

Zum vollständigen Programm und weiteren Veranstaltungen des Festivals gelangen Sie hier.

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