CHANEL CATWALK
zeigt Karl Lagerfelds komplettes
Laufsteg-Archiv

1983 übernahm Karl Lagerfeld die Leitung von Chanel – und machte das Modehaus wieder modern. Ein Bildband versammelt nun erstmals alle seine Schauen.

Spring/Summer 1992 Haute Couture © firstVIEW

Es gab eine Zeit, da galt Chanel nicht unbedingt als die heißeste Modemarke der Stadt. Anfang der Achtziger – Jahrzehnte nachdem Coco Chanel die Frauenmode revolutioniert hatte – schien das Pariser Modehaus irgendwo zwischen Tweedkostüm und Hahnentrittmuster steckengeblieben: ein wenig altmodisch, ein wenig langweilig. Dann kam Karl Lagerfeld.

Er kam, sah, der Rest ist Geschichte. Lagerfeld, geboren in Hamburg und bis dato Chefdesigner bei Chloé, übernahm 1983 die kreative Leitung von Chanel. Er brauchte nur wenige Saisons, um das Images des Couturehauses zu entstauben, indem er dessen etablierte Codes – schwarz-weißes Kostüm und Boucléjacke, Doppel-C, Stepptaschen, Goldknöpfe und Perlenketten – auf die Spitze trieb. Da durften die eher konservativen Ketten auch mal über dem transparenten Netz-Einteiler baumeln. Oder das Chanel-Emblem auf einem Surfbrett prangen, das Linda Evangelista über den Laufsteg balancierte.

Überhaupt die Schauen: Unter Lagerfeld wurden sie zum Spektakel. Er buchte sämtliche Supermodels der Achtziger und Neunziger, ließ Claudia Schiffer, Naomi Campbell und Christy Turlington, Kate Moss, Laetitia Casta und Stella Tennant gemeinsam über den Laufsteg schreiten. Seitdem haben sich die Chanel-Shows zu immer aufwendigeren Inszenierungen entwickelt, für die Lagerfeld Eiswelten und ganze Supermarktkulissen in das Pariser Grand Palais pflanzte. Der Bildband Chanel Catwalk, der im Herbst bei Prestel erscheint, zollt dem Tribut. Er versammelt erstmals sämtliche Schauen, die Lagerfeld für Chanel entwarf und hat dafür seltenes Bildmaterial aus Vor-Internet-Zeiten aus den Archiven geholt.

Lagerfeld ist unterdessen der mit Abstand am längsten amtierende Kreativchef eines Modehauses. Und wird das bestimmt so bald nicht ändern.

Chanel Catwalk von Patrick Mauriès erscheint im September bei Prestel. 632 Seiten mit 1.200 farbigen Abbildungen. Gebunden mit Schutzumschlag

Fotografie / Weitere Artikel