"Silver Cloud"
COS x Michael Sailstorfer

Der deutsche Objektkünstler Michael Sailstorfer kooperiert in diesem Frühjahr mit COS. Für das Modelabel hat er die Installation Silver Cloud kreiert. Was hat es damit auf sich?

Michael Sailstorfer, Foto: Andreas Lux | Alle Looks: COS

Das schwedische Modelabel COS hat sich mit dem Objekt- und Installationskünstler Michael Sailstorfer zusammengetan. Zum Auftakt des diesjährigen Gallery Weekends fand auf dem Gelände von Sailstorfers Atelier in Berlin-Weißensee die Live-Performance Silver Cloud statt – die Installation hatte der Künstler zuvor speziell für COS entwickelt. Dafür ließ er ein 2 Tonnen schweres Wolkengebilde mithilfe eines Krans in freiem Fall auf den Asphalt krachen.

COS ist für seine jahrelange, engagierte Zusammenarbeit mit Künstlern bekannt. Für Sailstorfer hingegen war es das erste Mal, dass er mit einem Modelabel kollaboriert hat. Michael Sailstorfer und schwedischer Minimalismus: Wie passt das zusammen? „Der schwedische Minimalismus startet bei der Idee, beim Grundkonzept. Man sollte ihn nicht nur formal betrachten, sondern eher in der Herangehensweise. Es geht um die Suche nach dem Nötigsten, um ein reduziertes Resultat zu erzielen. Bei mir geht es im Prinzip auch um eine Reduktion, darum, was man tatsächlich braucht, damit eine Skulptur funktioniert.“

An modischen Trends orientiert sich Sailstorfer ansonsten eher selten, so war der Ausflug in die Modewelt eine interessante Erfahrung, bei der er vertraute Wege verlassen und etwas völlig Neues ausprobieren konnte.

Michael Sailstorfer, Foto: Andreas Lux | Alle Looks: COS

COS bewundert die Arbeit von Michael Sailstorfer und greift in seiner aktuellen Sommerkollektion Elemente wie Reduktion, Neuerfindung und Neubewertung in Form von markanten Details wie Faltenwürfen und kunstvollen Drapees auf. Diese spielen auch in der künstlerischen Arbeit Sailstorfers immer wieder eine Rolle.

Für die Silver Cloud spielte er dabei mit starken Gegensätzen: „Die Wolke sieht wie ein Ballon oder ein aufgepumptes Objekt aus, wiegt aber eigentlich 2 Tonnen. Interessanterweise erscheint sie aber durch ihre glänzenden Oberfläche viel leichter. Bei der Arbeit geht es um eine Balance zwischen Leichtigkeit und Fliegen sowie einem harten Aufkommen. Und es geht um Stimmungen und Gemütszustände, die von der Wolke ausgehen.“

Die Live-Performance wurde von einem Statiker beobachtet, der zuvor die Bodenschwingungen bemessen hat.„Es sieht leicht aus, war aber letztendlich doch mit einem großen Aufwand verbunden. Der Statiker musste auch Messgeräte an denkmalgeschützten Gebäuden anbringen“. Nicht zuletzt beinhaltet Sailstorfers Installation starke Referenzen zu popkulturellen Arbeiten von Künstlern wie Andy Warhol oder Michael Heise.

Letzterer setzte 1969 im Rahmen der Ausstellung When Attitude becomes Art in Bern die Installation Bern Depression um. Dafür wurde der Asphaltboden vor der Kunsthalle mit einer Abrissbirne bearbeitet, ähnlich wie es jetzt bei Sailstorfers Silver Cloud geschehen ist. „Ich habe die Aktion hier vor meinem Atelier allerdings in einen eher privaten Raum verlegt.“ Die Performance fand in Anwesenheit eines geladenen Publikums statt.

Michael Sailstorfer mit Karin Gustafsson, Creative Director von COS

INTERVIEW hat Michael Sailstorfer für die aktuelle Juni-Ausgabe (erscheint am 1. Juni 2016) in seinem Atelier besucht und sprach mit ihm über die Zusammenarbeit mit COS und darüber, was ihn eigentlich antreibt. Hier können Sie das Heft bestellen.