Flashback:
Twiggy

Als London anfing zu swingen, wurde Lesley Hornby zu Twiggy, zum ersten wirklichen Supermodel in der Geschichte der Mode. Später versuchte sich Twiggy als Schauspielerin und Designerin, blieb aber vor allem eins: eine Ikone. Für das amerikanische Interview Magazin sprach Twiggy 1983 mit Schauspieler Robert Hayes.

Twiggy (1983)

Robert Hayes: Du spielst auch Theater – hast du keine Angst davor?

Twiggy: Oh, doch. Am schlimmsten ist der Moment, bevor man die Bühne betritt. Diese wenigen Sekunden. Man steht da und fragt sich: Wieso stehst du hier? Wieso sitzt du nicht einfach bei Woolworth an der Kasse? Als ich das erste Mal in einem Stück spielen sollte, setzte mich der Regisseur auf die Bühne – bevor der Vorhang aufging. Er ahnte wohl, dass ich es nie geschafft hätte, auf eigenen Beinen hinaus­zulaufen.

Hayes: Welches Stück war das?

Twiggy: Cinderella.

Hayes: Woher kommt die Angst?

Twiggy: Es sind die Gesichter der Menschen. Du kannst zehn Millionen Kameras auf mich richten, das macht mir überhaupt nichts aus. Aber Menschen, Menschen fallen mir schwer

Hayes: … kann man die überhaupt von der Bühne aus sehen?

Twiggy: Nicht, wenn alle Lichter an sind. Allerdings genügen meiner Panik schon die ersten Reihen.

(…)

Hayes: Du reist ja sehr viel. Nimmst du dein Kind eigentlich immer mit?

Twiggy: Ja. Meine Tochter ist vier. Und wenn ich sie nicht mitbringen darf, lehne ich den Job ab. Ohne sie mache ich gar nichts mehr.

(…)

Hayes: Gehst du gerne shoppen?

Twiggy: Früher war ich das, ja. Heute, mit dem Kind, läuft das nicht mehr. Solche Dinge machen einfach keinen Spaß mit einem Kind auf dem Arm, das kann man sich abschminken. Auch was die eigene Garderobe angeht: Wenn ich mit Carly zu Hause bin, trage ich Jeans und T-Shirts, irgendetwas Bequemes. Zumal ich auch ein Problem mit meinen Beinen habe und ungern Kleider trage, vor allem lange Kleider stehen mir gar nicht. Kurze Kleider sind okay, dazu kann ich Stiefel tragen. Die liebe ich ohnehin. Aber zurück zur Frage: Shoppen nur im Spielzeugladen. Ein Kind verändert alles, die eigenen Werte, das Lebensmodell, Wünsche, Träume, Sehnsüchte. Das Kind ist das Erste, an das man nach dem Auf­wachen denkt, und das Letzte kurz vor dem Ein­schlafen. Seit Carly da ist, lebe ich auch zurück­gezogen wie ein Eremit. Ich gehe nie aus, koche am liebsten zu Hause – und finde all das wunderbar.     

Hayes: Wo wohnt ihr derzeit?

Twiggy: Wir sind gerade aus Los Angeles zurück nach England gezogen. Wegen meiner Tochter. Die englischen Schulen sind einfach besser. Und ich würde auch um keinen Preis der Welt ein Kind in Los Angeles großziehen. Die Schulen, die Drogen… All das ist furchtbar und bereitet mir große Sorgen. Zumal Werte wie Loya­lität, Ehrlichkeit und Integrität in Los Angeles keinerlei Bedeutung haben. Dort dreht sich alles nur um Geld, Aussehen und Jugendwahn – und das hat mit echtem Leben einfach nichts zu tun.

07.09.2016 | Kategorien Fashion, Interviews | Tags , ,