ATSUKO KUDO
"Latex hat gerade einen echten Mode-Moment"

Die japanische Designerin Atsuko Kudo schneidert Couture aus Latex und half Natasha Poly zur Fashion Week in den Gummianzug.

Atsuko Kudo

INTERVIEW: Ob bei Dior oder Alexander Wang: Wo man in der Mode hinschaut, sieht man gerade Latex. Frau Akudo, hat Ihr Lieblingsmaterial einen Fashion-Moment?

ATSUKO KUDO: Unbedingt! Lange wurde Latex vor allem mit der BDSM-Szene in Verbindung gebracht, aber ich glaube, das ändert sich gerade. Immer mehr Designer benutzen es, man sieht Latex überall: auf den Laufstegen, in Musikvideos, auf den Roten Teppichen. Und auch an ganz normalen Leuten. Das muss nichts mit Fetisch zu tun haben.

INTERVIEW: Ihre berühmteste Kundin ist wahrscheinlich Lady Gaga – die eines Ihrer Kleider bei einer Audienz im Buckingham Palace trug.

KUDO: Als ich gehört habe, dass sie eine Latex-Robe tragen will, um die Queen zu treffen, dachte ich erst, das sei ein Scherz. (lacht) Wir haben dann gemeinsam mit Gaga und ihrem damaligen Stylisten Nicholas Formechetti nach einem Look gesucht und heraus kam ein knallrotes Ballkleid. Ich glaube, das hat wirklich sehr verändert, wie viele Menschen Latex wahrnehmen: Die Queen empfängt Lady Gaga wird in einer Latex-Robe – und sieht sichtlich erfreut aus. Die Königin würde ich übrigens gern als nächstes ausstatten. Vielleicht mit einem bunten Latex-Kostüm mit Hut.

INTERVIEW: Woher stammt ihr Interesse für das Material?

KUDO: Ich habe Latex als Modestudentin in Tokio entdeckt. Wir sollten damals Materialrecherche betreiben. Alle anderen sind zu den großen Designhäusern gegangen – und ich in einen Fetischladen. Diese Szene hat mich interessiert, seit ich ein Teenager war. Als ich das erste Mal Latex getragen haben, habe ich mich wie Superwoman gefühlt. Das wollte ich für andere Frauen auch. Ich möchte Frauen durch Latex stark machen. Wenn es richtig an den Körper angepasst ist, gibt es einem ein ganz besondere Gefühl.

INTERVIEW: Wie ging es weiter?

KUDO: Weil in Japan sonst niemand mit Latex gearbeitet hat, bin ich nach London gegangen. Dort haben mich natürlich auch die Clubs interessiert. Und die historischen europäischen Kostüme. Ich mag das Zusammenspiel von Altem und Neuen, deswegen sind viele meiner Entwürfe auch inspiriert vom Hollywood-Glamour der Vierziger-Jahre. Das mit dem eher futuristisch aussehenden Latex zu mischen, fühlt sich für mich sehr neu an.

INTERVIEW: Vernäht man Latex eigentlich wie Stoff?

KUDO: Nun, manche machen das, aber ich klebe ihn. Dann bekommt man die Nahtstelle richtig glatt hin.

Natasha Poly in Atsuko Kudo für die Kampagne der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

INTERVIEW: Wie lange dauert es, in eines Ihrer Modelle zu schlüpfen?

KUDO: Das kommt natürlich ganz auf das Kleidungsstück an. Für die Kampagne zur Mercedes-Benz Fashion Week haben wir Natasha Poly sehr langsam in Ihren Cat-Suit reingeholfen, zu zweit oder zu dritt. Das hat vielleicht zehn oder fünfzehn Minuten gedauert. Ein Latex-Outfit erfordert immer ein bisschen mehr Zeit, vor allem, wenn man es alleine anzieht.

INTERVIEW: Ihr Tipp?

KUDO: Es hilft Talkumpuder zu benutzen oder ein spezielles Gel, mit dem man in das Kleidungsstück hineingleiten kann. Es ist definitiv etwas anders, als normale Kleidung anzuziehen. Was es in meinen Augen auch interessanter macht.

INTERVIEW: Für die Kampagne haben Sie sogar einen Mercedes in Latex verpackt…

KUDO: Ja, wir haben riesige Latexstücke benutzt, 130 Quadratmeter groß. Die haben wir über das Auto gelegt, und die Luft dazwischen abgesaugt, so dass ein Vakuum entstand. Das Latex hat sich exakt an das Auto angepasst hat. Wir konnten das vorher nur in Miniatur ausprobieren, deswegen war ich total nervös!

INTERVIEW: In der Vergangenheit haben Sie mit Designern und Modehäusern wie Hussein Chalayan, Vivienne Westwood, Thierry Mugler und Fendi zusammengearbeitet. Planen Sie neue Ausflüge in die Modewelt?

KUDO: Nun, in letzter Zeit habe ich mich eher in Richtung Film orientiert und die Kostüme für diverse Produktionen entworfen, was ziemlich aufregend war. Es waren einige interessante Hollywoodfilme dabei, die bald ins Kino kommen. Ich darf aber noch nicht verraten, welche!

 

Von: Frauke Fentloh

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