"Vans brauche ich wie die Luft zum Atmen!"
TAKASHI MURAKAMI
im Interview!

Takashi Murakami gilt als bekanntester japanischer Pop-Art-Künstler unserer Zeit. Wir trafen ihn in Paris beim Launchevent seiner Kollaboration mit Vans zum Interview und haben mit ihm über kalifornische Lässigkeit, Front Rows mit hübschen Frauen und das Kunstbusiness gesprochen.

Für die Vans Kollaboration entwarf Murakami klassische Slip Ons für Erwachsene und Kinder, T-Shirts und Skateboard Decks mit seinen ikonischen Blumen- und Totenkopfmotiven, die es ab sofort nur in ausgewählten Stores weltweit zu kaufen gibt. Schon jetzt ist klar: Diese Kollektion enthält einige Sammlerstücke! Murakami selbst ist für seine außergewöhnlichen Kollaborationen – sei es eine Taschenkollektion für Louis Vuitton oder das Cover zum Kanye West Album Graduation – bekannt, wird dafür allerdings in Künstlerkreisen auch gerne als Grenzgänger hinterfragt. Zeit für uns, beim Mann, der 60 Paar Vans Slipons besitzt und ständig zu lachen scheint, ebenfalls nachzufragen.

 

 

 

INTERVIEW: Können Sie uns etwas mehr über Ihre persönliche Beziehung zu Vans erzählen?

TAKASHI MURAKAMI: Ich trage Vans Slip Ons seit über 15 Jahren. Jeden Tag.

 

INTERVIEW: Jeden Tag?

MURAKAMI: Ja, jeden Tag. Ich habe einen Schrank mit ca 60 verschiedenen Paaren. (lacht)

 

INTERVIEW: Sie sind also ein wahrer Fan…

MURAKAMI: Fan kann man eigentlich gar nicht mehr sagen. Für mich ist das wie die Luft zum atmen, etwas das tagtäglich ganz automatisch dazu gehört.

 

INTERVIEW: Für die Zusammenarbeit mit Vans haben Sie nicht nur Schuhe, sondern auch Skateboards und Surfbretter designt. Wie kam es dazu?

MURAKAMI: Ich habe nie zuvor ein Surfbrett gemacht und ich kann selbst auch nicht surfen. Ich bin ein Nerd. Aber ich liebe es, mir Videos vom Surfen, Skateboarden oder anderen Extremsportarten anzuschauen. Nerdige Menschen finden so etwas sehr faszinierend. (lacht)

Wir arbeiten ja ohnehin viel mit unserer Imagination, insofern können wir uns stundenlang hinsetzen und einfach vorstellen, das wären wir. Somit ist es ein unheimlich schönes Gefühl, wenn ich mir überlege, dass da draußen irgendjemand auf meinem Surfbrett die Wellen abreitet. In gewissem Maße empfinde ich ein Gefühl von Freiheit. Es ist toll, das Steve (Steve Mills, Vans’ Director of Lifestyle Footwear) mir dies ermöglicht hat.

 

Takashi Murakami: “Ich bin ein Nerd. ”
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INTERVIEW: Wie kam es dazu, dass Sie unter anderem das Blumenmuster in Bunt- und Blautönen für den Schuh verwendet haben?

MURAKAMI: Die lachenden Blumen sind für mich ein ständiger Begleiter. Ich zeichne sie täglich und sie bedeuten ebenso die Luft zum atmen für mich, wie auch meine Vans Slipper. Daher dachte ich, Luft und Luft – das scheint doch eine gute Kombination zu sein.

 

INTERVIEW: Wie läuft das ab, wenn Sie eine Kollaboration mit so einem großen Label machen. Wie kommen Sie da zu ihrer Inspiration und wie findet man eine gemeinsame Entscheidung?

MURAKAMI: Da gibt es ein ganz gutes Beispiel, als ich mit Marc Jacobs für Louis Vuitton zusammengearbeitet habe. Marc jacobs ist jemand, der eine sehr starke Meinung hat und diese auch präzise umzusetzen will. Ich habe ihm im Vorfeld ungefähr 70 Bilder geschickt und keines wurde genommen. Mit Steve für Vans ist das anders. Hier habe ich als Künstler sehr viele Freiheiten und alle Beteiligten sind total entspannt. Ganz im typischen Westküsten Style, alles easy und relaxed. Das mag ich!

 

 

INTERVIEW: Wie haben Sie Steve Mills kennengelernt?

MURAKAMI: Steve kam eines Tages in mein Studio in Tokio und ist in seinem typischen easygoing Stil herumgelaufen. Hat aber nichts gesagt und ist einfach wieder gegangen. Einen Tag später kam er wieder und erzählte mir, dass er den Vibe in meinem Studio mag und wir etwas essen gehen sollten. Also habe ich ihn zu meinem Lieblingssushiladen mitgenommen. Und das war es dann auch, er hat mich nicht gefragt, ob wir zusammenarbeiten wollen. Dieses Spiel ging dann noch einige Male so weiter in Tokio und Los Angeles. Irgendwann habe ich ihn dann gefragt, ob wir nicht eine gemeinsame Kollektion entwickeln wollten.
INTERVIEW: Welche anderen Künstler würden Sie für eine Kollaboration noch empfehlen?

MURAKAMI: Es gibt sehr viele gute Manga-Künstler in Japan, wahrscheinlich würde ich jemanden von ihnen empfehlen. Außerdem wäre es grandios eine Pac-Man Kollaboration mit VANS zu haben, das würde doch super passen.

 

INTERVIEW: Der japanische Kunstmarkt hat strenge Regulierungen was Steuern betrifft, wodurch die Arbeit japanischer Künstler im Land erschwert wird. Sind Kollaborationen dieser Art eine Möglichkeit für Sie, ihre Kunst einem großen Publikum zugänglich zu machen?

MURAKAMI: Ja, auf jeden Fall. Ich bin Japaner und vergesse dadurch nie, dass die Barrieren zwischen Ost und West immer noch da sind und erstmal überwunden werden müssen. Hier muss noch viel getan werden. Wenn Kunst auf demokratische Weise den Leuten präsentiert wird – wie bei dieser Kollaboration -, ist das eine schöne Sache. Aber damit macht man nicht wirklich Geld. Deshalb sind Kollaborationen dieser Art nicht für jeden Künstler erstrebenswert und vorteilhaft. Als ich die Kollaboration mit Louis Vuitton gemacht habe, sind meine Auktionspreise in den Keller gefallen. Meine Galeristen waren sehr sauer auf mich. Es ist also nicht alles immer so rosig, wie es nach außen scheint.

 

INTERVIEW: Die Louis Vuitton Kollektion an sich war allerdings ein großer Hit.

MURAKAMI: In Modekreisen auf jeden Fall. Blöderweise hatte ich aber einen Vertrag, der mich nicht am Umsatz beteiligt hat (lacht). Aber immerhin durfte ich dann in der ersten Reihe bei den Fashion Shows neben den schönsten Frauen sitzen. Das ist doch auch schonmal etwas.

 

INTERVIEW: Kaum ein Künstler vermarketet sich selbst so gut wie Sie. Demnach wird oft der Begriff „Marketinggenie“ in einem Atemzug mit Ihnen verwendet. Haben Sie nicht manchmal Angst, Ihre Kunst würde in der Fachszene als weniger relevant eingestuft werden, als die anderer Künstler – ausschließlich aufgrund ihres breiten Marketings? Andy Warhol musste zu seiner Zeit ebenfalls mit diesen Vorurteilen kämpfen.

MURAKAMI: Manchmal hassen mich der jungen Künstler wegen meines offensichtlichen Marketings. Ich denke aber, wenn ich sterbe, werden mich die Leute verstehen. Dann wird Marketing dieser Art nämlich ganz normal sein. Andy Warhol hat mit dieser Schiene zwar angefangen, vergleicht man die Erlöse seiner Werke allerdings mit denen Damien Hirsts, muss man doch sagen, dass Damien ein Vollprofi auf diesem Gebiet ist und weitaus mehr verdient.

 

INTERVIEW: Sie verkaufen allerdings auch nicht schlecht.

MURAKAMI: Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Aber eigentlich habe ich auch einfach nur Glück und bin wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Takashi Murakami: “Wenn ich sterbe, werden mich die Leute verstehen.”
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Die Vans x Takashi Murakami Capsule Kollektion ist in ausgewählten Stores weltweit erhältlich. 

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