"Paris ist die schönste Stadt der Welt.
Das ist ein Fakt."

Die gebürtige Londonerin Georgia Pendlebury ist Fashion Director beim Magazin Novembre und wuchs südwestlich von Paris auf. Jetzt will sie die Hauptstadt um keinen Preis mehr missen.

georgia pendlebury I Foto: Claude Gerber, Styling: lu PhIlIPPe GuIlmeTTe

Was finden Sie gerade spannend an Paris?

Das Wetter! Der Regen und die riesigen Pfützen, in denen sich der Himmel spiegelt.

 

Haben Sie einen Lieblingsort?

Ich könnte das schicke „La maison européenne de la photographie“ nennen oder meinen Lieblingsbuchladen, „Le Comptoir des Images“, aber um ehrlich zu sein ist mein Lieblingsort hier gerade ein fettiges chinesisches Restaurant.

 

Hätten Sie gerne eine andere Zeit hier erlebt?

Nicht wirklich, ich glaube nicht an Nostalgie. Obwohl ich für Referenzen sehr oft zurückschaue.

 

Was sind Ihre Lieblingsmomente in Paris?

Der Coup du Monde ’98 und jedes Mal, das ich von einer Reise zurückkomme. Wenn ich an irgendeinen himmlischen Ort reise möchte ich eigentlich nie zurück hierher, aber wenn ich dann wieder angekommen bin, fahre ich mit meinem Fahrrad über eine Brücke und fühle mich etwas dumm bei dem romantischen Gedanken Paris sei die schönste Stadt der Welt. Das ist aber ein Fakt.

 

Wer repräsentiert Paris für Sie?

Gainsbourg kommt mir zuerst in den Sinn. Er ist der einzig wahre Pariser, den ich kenne.

 

Wie sehen Sie die Stadt im Verhältnis zu Ihrer Heimat?

Ich bin in London geboren und diese Stadt wird immer meine madeleine de Proust bleiben. Aber dann wuchs ich auf einer kleinen Insel außerhalb von Paris auf, der L’ile Saint Germain. Ich habe teure Handtaschen und Schuhe bis in meine Zwanziger gemieden, bin Zug gefahren und jeden Morgen eine Stunde zur Schule gelaufen: das ist schon mal ein guter Anfang. Wäre ich in Paris aufgewachsen wäre ich heute eine andere Person. Der Unterschied ist mir lieb und wichtig.

 

Gibt es eine Pariser Eigentümlichkeit, die Ihnen besonders gefällt?

Ich esse kein Baguette oder Schnecken oder trage Ballerinas. Mir gefällt jetzt, was ich zu Beginn an der Stadt nicht mochte: kritische Geister.

 

Beeinflussen diese auch Ihre Vision für Novembre?

Die Größe und der Rhythmus der Stadt zeigen mir ein weiteres Feld von Kunst und Mode. Hier wird man nicht so stark beeinflusst, man ertrinkt nicht in den vielen Einladungen und Angeboten, mit denen man woanders belagert wird. Es tut gut, mal zurücktreten zu können um zu verdauen, was die ganze Zeit passiert. Ein Großteil meiner Arbeit besteht darin neue Talente, Designer oder Kollaborationen zu entdecken, darum schätze ich diesen Raum. Paris fühlte sich eine Weile lang sehr verschlafen an, aber jetzt ist in der Mode, Restaurants, Musik und Kunst wieder Bewegung. Ich glaube und hoffe, dass Novembre seinen Teil dazu beiträgt!

10.01.2018 | Kategorie People of Interview | Tags , ,

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