PEOPLE OF INTERVIEW
mit Gillmeier/Rech

Sie sind kreativ, sie inspirieren, sie haben den Clou:
In dieser Folge unserer Serie stellen die Galeristinnen Verena Gillmeier und Claudia Rech ihre Gang vor.



Verena Gillmeier & Claudia Rech

Wir lernten uns 2013 kennen, als Claudia für eine von ihr kuratierte Ausstellung auf der Suche nach Künstlern war. Jemand gab ihr den Tipp, sich mal die Arbeiten dieser Verena anzuschauen. Wir trafen uns in ihrem Studio, und besonders eine Kurzgeschichte über Alexander-Wang-Schuhe hinterließ einen bleibenden Eindruck. Wir konnten uns auf Anhieb über alles Mögliche unterhalten. Die Übergänge zwischen Gesprächen über Kunst, das Business und die Nachtwelt, in der wir uns bewegten, waren fließend. Drei Monate später saßen wir zusammen bei einer von Claudia gekochten Pasta und unterhielten uns über unsere Arbeit in der Kunstwelt. Mit unseren Jobs in einer Galerie beziehungsweise im Kunsthandel waren wir beide ein wenig unglücklich und dachten: Dann machen wir halt unsere eigene Galerie! Wir beschlossen, besser noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Aber auf der Ausstellungseröffnung, auf die wir noch am selben Abend gingen, erzählten wir schon mal allen davon. Das müde Lächeln derjenigen, die uns nicht ernst nahmen, war uns ein Ansporn, es erst recht zu wagen.



Lindsay Lawson

Lindsay war unsere erste Künstlerin und einer der Gründe, dass wir Gillmeier Rech überhaupt ins Leben gerufen haben. Claudia lernte sie vor neun Jahren in einer Neuköllner Kneipe kennen. Sie war gerade frisch in der Stadt und traf einen Kumpel. Am Tresen auf seine neue Begleitung angesprochen, meinte der nur: „Es ist die ganz Große da drüben.“ Dazu muss man wissen: Lindsay ist 1,80 Meter groß. Wir haben dann stundenlang über Los Angeles gesprochen. Ein gemeinsamer Freund nannte sie „Renaissance Woman“ – und es stimmt! Lindsay besitzt die Fähigkeit, in mehreren Medien unterwegs zu sein. Wir könnten uns die letzten Jahre ohne sie gar nicht vorstellen.





Sigurd Larsen

Verena: Als mir mein Freund Herbert Hofmann vor mittlerweile acht Jahren von seiner neuen Liebe erzählte, einem dänischen Architekten, den er noch dazu im Berghain kennengelernt hatte, brannte ich vor Neugier. Mein erster Kommentar nach der Begrüßung galt Sigurds wirklich fantastischem Haar – woraufhin dieser mir sofort sein Geheimnis verriet: „Ich wasche nur mit Eigelb!“ Von den Möbeln, die Sigurd als Designer gestaltet und seit Kurzem in seinem Shop Formel A verkauft, ist mein Lieblingsstück der Sofatisch der „Melbourne“-Serie. Die Tischoberfläche besteht aus einer unbehandelten Kupferplatte, die jetzt schon lange mit mir lebt und sich im Laufe der Zeit verändert.





Graziano Capitta

Graziano lernte Claudia vor acht Jahren kennen, zu Zeiten, als wir noch richtige Babys waren, in Clubs wie Picknick und Scala gingen und in miesen Jobs hustlen mussten. Graziano ist Künstler, DJ und betreibt ein Label. Als Claudia noch Kuratorin war, stellte sie seine Arbeiten aus. Durch ihn wurde sie auf die Frankfurter Städelschule aufmerksam – bis heute ein Ort, den wir gerne besuchen. Claudia und Graziano verbindet, dass sie halb Italiener, halb Slawen sind. Er Pole, sie Kroatin. Seit er wieder aus Frankfurt nach Berlin gezogen ist, können wir mit ihm darüber in Erinnerungen schwelgen, wie entspannt es hier mal war, als sich noch niemand nach Neukölln traute und Club Mate keinem schmeckte.





Lena Zimmermann

Verena: Lena und ich kennen uns seit unseren Teenager-Jahren, uns verbindet die gemeinsame niederbayerische Heimat. Sie war meine erste Style-Ikone! Nach dem Abitur sind wir erst mal unabhängig voneinander in der Weltgeschichte herumgegurkt, bis wir dann beide in Berlin landeten. Seitdem teilen wir uns wieder einen Freundeskreis. Sie arbeitet in der Künstlerbetreuung von Wolfgang Tillmans für die Berliner Galerie Buchholz, und von daher laufen wir uns beruflich sowieso schon oft über den Weg. Vor zwei Jahren bin ich dann in ihr Haus gezogen, direkt in die Wohnung über ihrer. Niemals hätte ich gedacht, dass es so guttun könnte, ein Stück Heimat in meiner Nähe zu wissen.



Max Schmidtlein

Verena: Max kommt wie ich aus Niederbayern, und ich kenne ihn noch aus der Zeit, bevor er sich an der Akademie der Bildenden Künste in München beworben hat. Seitdem habe ich seinen künstlerischen Werdegang mitverfolgt. Als ich ihn Claudia vorstellte, erzählte er eine halbe Stunde von dem NSU- Prozess, der damals in der Stadt stattfand und den er regelmäßig besuchte. Spätestens da war klar, dass er einer unserer Künstler werden würde. Max’ Kunstwerke sind Reflexionen theoretischer Diskurse. Er ist eigentlich Konzeptkünstler und malt erst seit Kurzem. Im Moment arbeitet er dabei mit Produkten aus dem Drogeriemarkt, wie Anti- Pickel-Cremes oder Magentabletten.



Herbert Hofmann

Verena: Dass ich Herbert kenne, habe ich der Frühzeit sozialer Medien zu verdanken. Vor zehn Jahren traf ich ihn auf StudiVZ, in einer Gruppe, deren Name ein Herzsymbol war. Gegründet wurde sie von Herbert für „all die, die nie jemanden finden werden“. Ich studierte damals Grafikdesign in Wien, Herbert Geografie in Innsbruck. Er ist einer meiner treuesten und ältesten Freunde, mit dem trockensten Humor. Ein richtiger Bergmensch, aber so charmant wie ein Hundebaby. Herbert ist Einkäufer und Creative Director des Voo Store in Kreuzberg, der bestgekleidete Mann und, wenn er nicht gerade in Paris oder Mailand auf der Fashion Week unterwegs ist, der, mit dem ich gerne eine Suppe oder ein Eis löffle.





Davide Zucco

Claudia: Davide kenne ich aus meiner Teenie-Zeit in Italien. Ich traf ihn auf einem Festival. Er hatte lange Dreadlocks, und ich fand seine Band megacool. Richtig gut freundeten wir uns an, als wir zur gleichen Zeit in Venedig waren: ich wegen meines Studiums, er wegen einer Residency. Sein Studio war das erste, das ich je besucht habe. Er hat lange in New York gelebt, ist jetzt aber mit seiner wundervollen Freundin nach Berlin gezogen. Um ehrlich zu sein, habe ich ihn auch ein bisschen überredet und ihm auf die Sprünge geholfen, eine Wohnung und ein Studio zu finden. Natürlich habe ich ihn in die Berliner Künstlerkreise eingeführt. Ich wollte einfach meinen ältesten Kumpel in meiner Nähe haben.



V & C

„Als wir uns trafen, konnten wir uns auf Anhieb über alles unterhalten“

V & C

„Wir waren beide unglücklich in unseren Jobs und sagten: ‚Dann machen wir halt unsere eigene Galerie!‘“





Fotos: Hugo Comte

Styling: Theophile Hermand

Haare: Anja Fichtenmayer/Bigoudi

Make-up: Melanie Schoene/Nina Klein

Produktion: Claude Gerber

Set Design: Chloé Guerbois

Foto-Assistenz: Alex Mader

Styling-Assistenz: Catherine Edwardina Hammick

Haare-Assistenz: Julia Steiner

Make-up-Assistenz: Klara Stark

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