Premium 2017
Day 1

Parallel zur Fashion Week startete gestern die internationale Modemesse Premium in Berlin. Wir haben uns in den abgedunkelten Shuttle gesetzt, eine Flasche stilles Wasser geöffnet und unters Fachpublikum gemischt. Welche Marken es uns besonders angetan haben, zeigen wir ab heute in dieser Miniserie.

Birkenstock, oder besser auch: Funktionalität, Gesundheitsschuh, Murkudis

Auf einmal musterte sich der deutsche Gesundheitsschuh zum instagramreifen Trendteil. Das war bereits vor einigen Jahren, aber wie das eben so ist: einmal auf den Zug aufgesprungen will man nicht mehr runter. Nach sagenhaften 242 (!) Jahren im Business – mit Hauptsitz im mehr als beschaulichen Rahms – präsentierte die Kultmarke im vergangenen Monat dann zum allerersten Mal auf der Pariser Modewoche. Die Berliner Modewoche wollte man bewusst überspringen; das Interesse an Birkenstocks im modischen Kontext halte sich immer noch in Grenzen. In Paris dafür war der Eindruck bleibend. Gezeigt wurde die „Arizona“-Kollektion, basierend auf einem Klassikermodell der Marke. Dazu Models in schwarzen Oversize-Plastik-Einteilern, Palmen über Palmen und ein bisschen Naturlaufsteg. Nüchtern und cool, dachte man sich, und weit entfernt von Rehabilitation oder Rahms.

Das Verständnis, dass die Marke Hüften und Hipsters gleichermaßen helfen kann geht bravurös auf und so überrascht es kaum, dass Birkenstock anlässlich der Fashion Week in Berlin gemeinsame Sache mit dem fürs Konzeptionelle bekannten Andreas Murkudis macht. Die temporäre „Birkenstockbox“ ist ein neues mobiles Retail-Konzept in Form eines Containers. Übrigens gestaltet vom nicht minder gefeierten Architekturbüro Gonzalez Haase Aas, das weltweit gerade Balenciaga ein beachtliches Shop-Redesign verpasste.

Die Murkudis-Birkenstock-Box wird vom 6. bis zum 22. Juli im Hof des Andreas Murkudis Stores auf der Potsdamer Straße in Berlin installiert sein. Zu sehen und kaufen gibt es zwei einfarbige Modelle, kuratiert und ausgestellt neben ausgewählten Produkten aus dem Concept-Store.

Besonders sympathisch daran: Birkenstock kommuniziert das Projekt als ein reisendes „Experiment“. Ziemlich gesunde Einstellung, finden wir.



#aignerlove

Bleiben wir bei der Tradition. Dachten wir zumindest. Auf der Premium zeigt sich die Münchner Marke Aigner auf pinkem Asphalt und mit goldenen Ballons am Messestand. Cola-Kracher und saure Apfelringe stehen auf dem Tisch. Bunt ist’s , da bei den Bayern in Berlin.

Aigner, gegründet 1965, findet seine treue Kundschaft seit jeher in München, Düsseldorf und dazwischen. Doch wie holt man den Rest des Landes und die Grenzen darüber hinaus ab? Und vor allem: was ist mit der jüngeren Generation die vor Aigners Tür stehen könnte?

Die Marke scheint sich in der vergangenen Zeit tatsächlich so einige Gedanken darüber gemacht zu haben und so kommt es, dass wir uns plötzlich zwischen überraschend bunten und glitzernden Taschen-Designs wiederfinden.

Die Marshmallow-Erdbeere schmeckt gut. Schauen wir uns also genauer um.

Zu Aigners gewohntem Dunkelrot gesellt sich seit dieser Saison die Trendfarbe Pink und das Hashtag #aignerlove findet man ab jetzt nicht mehr nur als Bildunterschrift auf Social Media-Kanälen, sondern direkt gedruckt auf Aigners butterweiches Leder von Taschen und Portemonnaies.

Klassische Slipper zeigen ebenso den Claim und generell gibt es in Aigners Kollektion der kommenden Saison viel zu lesen: „Be You“, „Dream“, „Selfconfident“, „Stand Out“.
Ein mutiger Schritt für eine so klassische Marke und es bleibt festzuhalten: ob die plakative Candy-Shop Metapher bereits beim ersten Versuch schon funktioniert wird sich noch zeigen, ein Experiment wert ist’s auf jeden Fall auch. Oder um es gleich in Aigners neu gefundenen Wortschatz zu schreiben: „Hugs and Kisses“.

05.07.2017 | Kategorien Berlin, Fashion | Tags , , , , , ,