Nigo, der Streetwear-König aus Japan

In den Neunzigern revolutionierte ein Japaner die Streetwear und kleidete Pharrell Williams und Kanye West. Jetzt verpasst Nigo den T-Shirts von Uniqlo bunte Comic-Prints.

Hip-Hop und Streetwear sind bekanntlich ein uramerikanisches Phänomen, weswegen es schon einigermaßen beachtlich ist, dass einer der wichtigsten Vordenker der Streetwear nicht aus New York oder Los Angeles kommt. Sondern aus: Japan. Mit seinem Label Bape wurde Nigo in den Neunzigern zum einflussreichen Designer der Skatekultur. Er entwarf Kapuzenpullover mit Comic-Prints und Sneakers mit Camouflage-Muster. Weil Biggie Smalls und Puff Daddy, später Pharrell Williams und Kanye West seine Shirts trugen, wurde Nigo selbst zum Star der Szene. Als er mit seiner Hip-Hop-Gruppe Teriyaki Boyz sein erstes Album aufnahm, produzierten Williams und Daft Punk.

Heute ist Nigo Creative Director von UT, der T-Shirt-Linie von Uniqlo. Sein Faible für Comics und Popkultur ist geblieben, weswegen Ghostbusters- und Mickey-Mouse-Prints die Shirts des sonst eher minimalistischen japanischen Modehauses bevölkern.

Als Teenager in der Provinz Gunma entdeckte Nigo den Pop. „Damals trug ich Levis’s 501, weiße Hanes-T-Shirts, eine Haartolle und Old-School-Brillen. Es war das erste Mal, dass Mode mich begeisterte. 1984 sah ich dann Run DMC.“ Seitdem hat ihn die Hip-Hop-Kultur gepackt. Als er 1993 Bape (kurz für A Bathing Ape) gründete, ließ er bewusst nur eine kleine Anzahl von Kleidungsstücken herstellen. Die Verknappungsstrategie machte seine Hoodies mit Haifisch-Kapuze zu Sammlerstücken, kaum, dass sie auf den Markt kamen.

Heute tut Nigo genau das Gegenteil. Für Uniqlo will er Produkte entwickeln, die jeder kaufen kann. Dieser Tage erscheint die T-Shirt-Kollektion, für die der Pop-Art-Künstler KAWS, berühmt für seine stilisierten Comic-Figuren mit durchgestrichenen Augen, die Prints entwarf. Als Nigo sein eigenes Label verließ, verkündete er seinen Abschied, in dem er eine KAWS-Zeichnung postete, auf der er selbst in Spielzeugform zu Grabe getragen wird. „Die Kunst von KAWS ist teuer und fast unmöglich zu bekommen“, sagt er heute. Man mag sich vielleicht keine Zeichnung von ihm kaufen können, ein Uniqlo-Shirt dagegen schon. „Er macht für uns ein authentisches Produkt, das sich jeder leisten kann.“

KAWS für UT

Mit Pharell Williams holte Nigo einen seiner engsten Verbündeten für eine UT-Kollektion an Bord. Gerade hat der französische DJ und Grafitti-Künstler André Saraiva für ihn T-Shirts mit dem großzügig bezahnten Strichmännchen Mr A bedruckt, das er früher an Pariser Hauswände sprayte. „Das Geschäft von UT ist nicht, T-Shirts zu verkaufen“, sagt Nigo, „sondern eine Kultur.“ Das Prinzip der Straße und die Attitüde von Hip-Hop auf einem T-Shirt.

Während Nigo Anfang der Neunziger noch eine Nische bediente, ist die Streetwear heute im Mainstream angekommen. Riccardo Tisci machte Basketball-Shirts und Bomberjacken zum Markenzeichen von Givenchy. Und seit Vetements-Designer Demna Gvasalia die kreative Leitung des traditionsreichen Modehauses Balenciaga übernommen hat, sind übergroße Kapuzenpullover selbst auf den Laufstegen der Couture-Schauen zu sehen.

„Einige dieser Designer stammen aus der gleichen Generation wie ich und haben ähnliche Einflüsse. Aber mich interessiert es nicht, Kleidung zu entwerfen, weil sie gerade modern ist. Ich arbeite seit 25 Jahren nach dem gleichen Prinzip.“ Die Souvenirjacke, eine Seidenbomberjacke mit japanischen Stickmuster, wie man sie in den vergangenen Jahren bei Gucci und Louis Vuitton gesehen hat, gehöre schließlich schon seit zwei Jahrzehnten zu Nigos Repertoire. „Diesen Unterschied erkennt man vielleicht nicht auf den ersten Blick. Aber so lange ein paar Menschen es verstehen, soll es mir recht sein.“ Die Prognose dürfte optimistisch ausfallen.

Die KAWSxPeanuts-Kollektion für Uniqlo ist ab dem 28. April erhältlich

27.04.2017 | Kategorie Fashion | Tags , , , , , , , , ,