"Wo wir herkommen, gibt es jede Menge Geld."

 

Interview: Bevor ihr nach Berlin gekommen seid, habt ihr schon zehn Jahre in Kanada zusammen fotografiert. Gibt es Unterschiede, was das Arbeiten betrifft?

Jeff: In Kanada haben wir eher kommerziell gearbeitet. Das musstest du, um überleben zu können. Das ist hier in Berlin nicht unbedingt so. Wir können uns hier auf die Arbeiten konzentrieren, die wir wirklich machen wollen. Das war auch der Grund dafür, hierher zu ziehen.

Marta: Zuerst wollten wir nur für ein Jahr kommen und sehen, wie es läuft. In Alberta hatten wir so ziemlich alles getan, was wir tun konnten. Wir hatten unsere Kunden und regelmäßig Jobs, aber es gab nicht genug kreative Projekte und Leute, mit denen wir gerne zusammen gearbeitet hätten. Es ist ein recht kommerzieller Markt und es gibt kaum Möglichkeiten, um kreativere Arbeiten zu veröffentlichen. Inzwischen sind wir fast zwei Jahre hier.

Interview: Ihr mögt Berlin, wie es scheint.

Jeff: Ja, der Lifestyle hier ist unglaublich. Berlin ist eine große Stadt, aber man hat trotzdem viel Platz. Es ist eine schöne Mischung aus dem Ort, aus dem wir kommen und, sagen wir mal, London. Berlin ist eine große Stadt, aber alles ist entspannter.

Interview: Was ist denn der größte Unterschied zwischen Alberta und Berlin?

Jeff: Wo wir herkommen gibt es jede Menge Geld.

Marta: Dort gibt es große Ölreserven. Alles dreht sich um Öl. Wir haben Industrielle oder deren Bohrplattformen fotografiert. Damit verdienst du am meisten Geld.

Jeff: Dafür haben wir die Rezession dort nicht gespürt.

Marta: Stimmt, um Aufträge mussten wir uns keine Sorgen machen. Aber es war recht eintönig.

Interview: Seid ihr eigentlich ein Paar?

Marta: Nein. Auch, wenn das immer wieder geschrieben wird, was uns aber gar nichts aus macht. Auch meinem Freund nicht.

Interview: Hast du deinen Freund in Berlin kennengelernt?

Marta: Nein, wir sind alle hierher gezogen. Jeff und ich, meine Schwester und mein Freund. Als Jeff und ich die Idee hatten, hierher zu ziehen, hab ich das meinem Freund erzählt, der aber noch nie hier war. Für ihn war der Umzug also ein ganz schönes Abenteuer.

 

 

Interview: Habt ihr denn hier sofort Anschluss und Arbeit gefunden?

Marta: Man könnte sagen, dass wir einen etwas holprigen Start hier hatten. Die ersten drei Monate hatten wir frei und alles war toll. Aber dann kam der erste Winter und jeder weiß, dass der in Berlin sehr deprimierend sein kann. Man sollte denken, wir sind das aus Kanada gewöhnt. Bei uns ist es zwar kalt, aber es scheint meistens die Sonne. Zudem konnten wir kaum Arbeit finden. Ich wollte schnell wieder zurück. Aber dann haben mein Freund und ich die Rollen getauscht. Inzwischen will er hier nicht mehr weg. Ohne ihn wären wir wohl alle schon wieder in Kanada.

Jeff: Es hat lange gedauert, bis wir Leute in der Mode gefunden haben, mit denen wir zusammen arbeiten können. Für viele scheint Berlin nur eine Station in ihrem Leben zu sein. Ich habe das Gefühl, dass die Leute, die hier leben und arbeiten erst einmal sicher gehen wollen, dass du es ernst meinst und bleiben willst, und dass du nicht nur zum Feiern und für ein Shooting durchreist.

Interview: Ich hätte nicht gedacht, dass das in Berlin jemanden interessiert.

Marta: Die Leute, mit denen wir zusammen arbeiten, die es mit ihrer Karriere auch ernst meinen, denen scheint das wichtig zu sein. Man scheint hier nur dann Zeit in Beziehungen zu investieren, wenn sicher ist, dass du nicht nach sechs Monaten wieder abhaust.

Interview: Habt ihr in Kanada auch Mode fotografiert?

Marta: Ja, aber dort geht es wirklich äußerst kommerziell zu. Wir haben auch immer versucht, für internationale Magazine zu arbeiten, aber das war von dort, wo wir wohnten schwierig. In einer Stadt wie Berlin zu leben hilft da schon.

Interview: Ich war nämlich überrascht, als ich mir eure Arbeiten angeschaut habe. Ich fand sie recht reif, aber sie sind oft in Publikationen zu finden, die eher von Newcomern gemacht werden. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass ein 25-jähriger diese Fotos geschossen hat. Aber jetzt weiß ich, dass ihr in Kanada schon zehn Jahre zusammen gearbeitet habt.

Jeff: Wir streben immer danach, technisch gut zu sein. Viele unserer Arbeiten sind technisch recht ausgreift, ohne dass man das als Betrachter unbedingt merken muss. Vor allem das Licht muss stimmen.

Marta: Ich denke schon, dass man das merkt. Aber für uns ist das inzwischen Intuition. Wir haben mit analoger Fotografie angefangen, hatten auch eine Dunkelkammer und haben sogar lange noch unsere Farbbilder selbst entwickelt, was selbst damals schon niemand mehr gemacht hatte. Jüngere Fotografen müssen mit dem Licht vielleicht mehr experimentieren, das müssen wir nicht mehr.

Jeff: Ich denke, wir haben beides gut mitbekommen. In der Ausbildung haben wir noch alles über analoge Fotografie beigebracht bekommen, aber die digitale war gerade im Kommen und so wussten wir von Anfang an auch, wie man Photoshop benutzt. Das schafft eine ziemlich gute Basis.

Interview: Bedeutet das, dass ihr mehr Zeit in die Vorbereitung steckt, als einfach nur drauf loszuknipsen, um dann das beste Bild auszusuchen?

Jeff: Ja, wir komponieren quasi das Bild. 

Marta: Es gab auf jeden Fall das Element der Überraschung. Wir versuchen auch immer noch nicht, alles in der Post-Production zu erledigen. Es spart Zeit, wenn man im voraus darüber nachdenkt, was man fotografiert.

Jeff: Man hört heute bei Shoots oft, "Das nehmen wir in der Post-Production raus." Wir fotografieren erst gar nicht, was nicht auf das Bild gehört.

Interview: Wie arbeitet ihr zusammen? Es kann ja nur einer hinter der Kamera stehen.

Marta: Das variiert, wobei Jeff in letzter Zeit öfter dahinter stand als ich. Er ist sehr viel besser bei allem, das gestochen scharf sein muss. Meine Augen sind nicht so gut wie seine. Und er hat eine ruhigere Hand, wenn ohne Stativ gearbeitet werden muss. Es kommt aber auch darauf an, wen wir schießen. Wir wissen immer gleich, wer mit der Person, die wir fotografieren, besser klar kommt.

Jeff: Wenn du dir unsere Bilder aber anschaust, dann kannst du hinterher aber nicht mehr sagen, wer schlussendlich auf den Auslöser gedrückt hat.

Marta: Selbst ich weiß das dann manchmal nicht mehr.

 

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- Björn Lüdtke

06.02.2014 | Kategorien Fashion, Newcomer | Tags , , , ,