"Damsel"
Orientierungslos im Wilden Westen

Robert Pattinson und Mia Wasikowska haben ein Kommunikationsproblem, aber auch ein süßes Pony.

© Strophic Productions Limited

„Damsel“ heißt auf deutsch in etwa „Jungfer“ und selbst im Wilden Westen bedeutet das wohl ungefähr: bescheiden, genügsam, lieblich. All das ist die Jungfer Mia Wasikowska nicht. Vielmehr ist sie eine ausgesprochen überlebensfähige Frau, bei der das Gewehr locker sitzt. Man weiß es bloß recht lange nicht. Die erste Hälfte des Films kennt man sie nämlich nur vom Hörensagen, und, nun ja, man hat anderes erwartet.

Mit „Damsel“ haben David und Nathan Zellner zwei Versuche unternommen: 1. Das bierernste Genre Western lustig zu machen und 2. das megamännliche Genre Western feministisch. Gelungen ist ihnen eigentlich beides, nur leider leidet die Handlung darunter. Am Ende fragt man sich: Was ist eigentlich passiert? Und warum?

Neben Wasikowska spielen Robert Pattinson und ein kleinwüchsiges Pony tragende Rollen. Pattinson spielt einen Reisenden namens Samuel Alabaster, der in die Wildnis reitet, um dort seine Verlobte Penelope (Wasikowska) einzusammeln und zu ehelichen. Das Mini-Pony ist in Funktion eines Brautgeschenks dabei. Es ist so klein, dass man auf ihm nicht mehr transportieren kann als ein Huhn, weswegen das Pferd den ganzen Film hindurch wie ein Hund an der Leine durch die Natur stiefeln muss, es sei denn, es wird im Ruderboot verschifft.

Dritter im Bunde ist Parson Henry, der das Paar vermählen soll. Eigentlich ist er gar kein Pastor, was er verschweigt, was wiederum nicht so schlimm ist angesichts der Tatsache, dass Samuel ihm verschweigt, dass seine Angebetete nicht einfach auf die Abholung zur Trauung wartet, sondern erst aus der Hand eines Entführers befreit werden muss. Wie Henry im lustigen Filmprolog über das Leben im derangierten Westen lernt: „Things are going to be shitty in new and fascinating ways.“ Wie sich herausstellen wird, ist sogar alles noch viel, viel schlimmer. Dahinter steckt ein ernsthaftes Kommunikationsproblem, was aus Spoilergründen hier nicht näher erläutert werden kann.

Mia Wasikowska ist toll, Robert Pattinson gut, das Pferd niedlich. Fast alle anderen Charaktere tauchen wie Statisten in der Kulisse auf und verschwinden umgehend wieder (meistens tot). Das ist oft unterhaltsam, manchmal klamaukig. Aber irgendwie will dieser Film nicht recht zünden.



Alle Bilder: © Strophic Productions Limited