The Party

Sally Potters Berlinale-Beitrag The Party ist nicht nur mit einem hochkarätigen Ensemble besetzt, sondern eine äußerst komische, kluge und scharfsinnige Gesellschaftssatire.

FOTO: ADVENTURE PICTURES LIMITED

Die britische Regisseurin Sally Potter (The Man Who, Rage) schickt ihren achten Film The Party in die Wettbewerbs-Sektion der diesjährigen Berlinale. In den Mittelpunkt der nur knapp 60- minütigen Handlung stellt Potter das Ehepaar Janet und Bill, gespielt von der großartigen Kristin Scott Thomas (Das Haus am Meer) und dem in die Jahre gekommenen Timothy Spall (Harry Potter). Aber das tut der Sache keinen Abbruch. Die Gastgeberin, Janet, wurde gerade zur Gesundheitsministerin ins Schattenkabinett gewählt. Das Handy klingelt ohne Unterlass, alle Welt möchte sie beglückwünschen. Den Höhepunkt ihrer politischen Karriere möchte sie in privater Runde feiern und hat daher zum Get Together eingeladen.

Nach und nach kehren die Gäste in das Londoner Haus des Ehepaares ein: die selbstbewusste, aber äußerst scharfzüngige Freundin April (Patricia Clarkson) samt ihrem tiefen entspannten Partner Gottfried (Bruno Ganz). Die lesbische Gender-Professorin Martha (Cherry Jones) und ihre Freundin Jinny (Emily Mortimer) sowie der Investment-Banker Tom (Cilian Murphy), der zunächst ohne seine Frau Marianne erscheint und dessen erster Gang auf die Toilette führt, um eine Nase Koks zu ziehen, folgen.

Während die Dinner-Vorbereitungen laufen, offenbart der schon sichtlich betrunkene Musikliebhaber Bill (von Jazz bis Reggae findet sich alles in seiner Sammlung), der seiner Frau zu Liebe seine Karriere hinten angestellt hatte, den Anwesenden zwei, nun ja, explosive Neuigkeiten, die den Verlauf des Abends, bevor er richtig beginnt, in unvorhergesehene Richtungen lenken. Die Protagonisten geraten in einen Sog  aus wilden Diskussionen um Liebe, Freundschaften, politische Überzeugungen und gehen dabei nicht gerade zimperlich miteinander um.

Ideale und Überzeugungen, die alle von sich zu meinen haben, werden auf den Prüfstand gestellt. Mehr noch – die Situation entwickelt sich zu einer echten Krise, die alle Beteiligten gleichermaßen herausfordert und am Ende nicht nur Affären, tödliche Krankheiten und ungeborene Drillinge zum Vorschein bringt, sondern in Gewalt umschlägt. Potter lässt trotz des enormen Tempos, den der Film an Tag legt, wirklich nichts aus und wirft mit messerscharfen Pointen um sich, die es in sich haben.

Die von klugen und spitzen Dialogen lebende Tragikomödie (übrigens durchgängig in Schwarz-Weiß-Ästhetik gehalten) ist absolut sehenswert. Mit The Party ist Potter eine herausragende Gesellschaftssatire gelungen, die auf humorvolle Weise die lodernden Feuer hinter der Oberfläche unserer gesellschaftlichen Ideale entfacht und bis zur Eskalation vorantreibt. Man will fast sagen: The Party hat eine kathartische Wirkung. Großes Kino ist der Film in jedem Fall!

Von: Insa Grüning