Gut erhaltene Junkies

Tourist in der eigenen Jugend: In der Trainspotting-Fortsetzung T2 kehrt Ewan McGregor zurück in den Schoß seiner dysfunktionalen Clique.

© Sony Pictures Releasing GmbH

Irgendwann ist die Party immer zu Ende, und was dann kommt, sind die Kopfschmerzen. Gefeiert haben Renton (Ewan McGregor) und seine Clique bekanntlich nicht zu knapp: Mit Trainspotting lieferten sie 1996 den Film zu einem Lebensgefühl. Es war die Zeit von Cool Britannica, Britpop, Lederjacken und engen Jeans. Renton und die anderen waren einigermaßen hoffnungslos, aber gut drauf. Sie dröhnten sich mit Heroin voll, tanzten zu Iggy Pop, beklauten ihre Familien und sich auch mal gegenseitig. Sie hatten keinen Plan, aber ihre Jugend. Das ist zwanzig Jahre her. Mit T2 Trainspotting hat Regisseur Danny Boyle nun den Film zur Katerstimmung gedreht.

Seit 1996 ist viel passiert. Ewan McGregor, der mit Trainspotting den internationalen Durchbruch schaffte, hat Glamrocker und Lachsfischer gespielt und, natürlich, den Star Wars-Jedi Obi Wan Kenobi. Auch Boyle knackte Hollywood, besetze in seinem nächsten Film The Beach aber die Hauptrolle mit Leonardo DiCaprio, weswegen McGregor erst mal ein paar Jahre beleidigt war. Inzwischen mögen sich alle wieder.

Von den Trainspotting-Charakteren kann man das nicht behaupten, schließlich hatte Renton seine Freunde am Ende des ersten Films um 12.000 Pfund aus einem Drogendeal erleichtert. Seitdem hat er sich in Amsterdam ein nettes, bürgerliches Leben gemacht, das sich zerlegt, als seine Frau die Scheidung einreicht und Renton im Fitness-Studio mit einer Herzattacke vom Laufband gefegt wird. Wahrscheinlich besinnt man sich in solchen Situationen auf seine Wurzeln, weswegen sich der für einen Ex-Junkie erstaunlich gut erhaltene Renton in den Flieger nach Schottland setzt.

Allen Beteiligten war wohl klar, was für eine halsbrecherische Idee es ist, ihrem Kultfilm eine Fortsetzung nachzureichen. Deswegen, sagen Boyle und McGregor, habe man auch so lange gewartet. Das Drehbuch passte einfach nie. Altwerden und verpasste Chancen werden nun zu den zentralen Themen des Films erklärt. „Du bist aus Nostalgie hier“, sagt der noch immer wasserstoffblondierte Sick Boy zu seinem Freund Renton. „Ein Tourist in deiner eigenen Jugend.“

Zwanzig Jahre später ist Edinburgh immer noch nicht schön, aber anders. Die grauen Pubs und grauen Gesichter wurden von Großraumdiscos ersetzt, außerdem stehen nun an jeder Ecke leuchtschriftbeworbene Franchise-Ketten und Flachbildfernseher. Smartphones werden demonstrativ benutzt. Schon klar, dass Boyle sich nicht vorwerfen lassen wollte, er hänge bloß der Vergangenheit nach. Aber auf die Selfies und Snapchat-Filter, die über die Kamera-Perspektive gelegt werden, hätte man ganz gut verzichten können.

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Renton, Spud, Sick Boy und Begbie dagegen sind auf ihre Weise immer noch ganz ordentlich durch den Wind. Spud ist auf dem Heroin hängengeblieben, Begbie bleibt ein gewalttätiger Psychopath mit sporadischen menschlichen Momenten. Sick Boy will ein EU-subventioniertes Bordell aufziehen. Viel hat sich nicht verändert, auch wenn sich hier und da das Haar gelichtet und der Bauchansaatz gewölbt hat. Glücklicherweise.



Von: Frauke Fentloh