BERLINALE Tag 7

Das Schwerpunktthema des siebten Berlinale-Tages sind Hausgemeinschaften.

In dem Wettbewerbsfilm „Kollektivet/The Commune“ von Thomas Vinterberg erben Erik und Anna die Stadtvilla seines Vaters. Erik will sie verkaufen, weil er als Architekturprofessor repräsentatives Wohnen für unangemessen hält, Anna will sie behalten und träumt von einer Kommune. Anna setzt sich durch. Sie weiß auch schon, mit wem sie zusammenleben will: mit Ole. Und Ole will schlägt Ditte und Steffen vor, die irgendwie Mona kennen, und plötzlich stellt sich auch Allon für die Hausgemeinschaft vor, der immer weinen muss, wenn er unter Druck gerät.

Man beschließt sowohl Eigentum wie auch die entstehenden Kosten zu teilen. Dummerweise haben Ole, Ditte, Steffen, Mona und Allon kein Geld, doch das ist egal, wir befinden uns in den Siebzigern, da hatten die Menschen noch Ideale. Also sorgen Erik und Anna für ihre Mitbewohner, was Anna liebt und Erik irgendwie nervt. Erik wird unterdessen in der Uni von der schönen Studentin Emma verführt, die exakt so aussieht wie Anna vor zwanzig Jahren. Anna bekommt zunächst nichts davon mit und als Erik es ihr erzählt, trägt sie es mit Fassung – in den Siebzigern war die freie Liebe eine Herausforderung, der man sich mit Gelassenheit stellte.

Anna, die man als Königin der schlechten Entscheidungen bezeichnen könnte, schlägt sogar vor, dass Emma mit ins Haus zieht, was auch Erik für eine gute Idee hält. Also kommt es wie es kommen muss und alles geht den Bach herunter, was zu solch bedrückenden Szenen führt wie man sie seit Vinterbergs großen Durchbruch „Das Fest“ nur selten gesehen hat.

Auch nicht alle Tage bekommt man Dinge wie in dem Panoramafilm „Goat“ zu sehen. Wir befinden uns an einer amerikanischen UNI wo die Mitglieder einer seltsamen Studentenverbindung als die coolsten Typen gelten, die man sich vorstellen kann. Um zu ihnen ins Haus ziehen zu dürfen, müssen potenzielle Bewerber allerdings einen Initiationsritus überstehen, der aus einer Aneinanderreihung der stumpfsten, sexistischsten und unappetitlichsten Demütigungen besteht, den sich volltrunkene 18-Jährige mit dem Verstand eines Zwölfjährigen ausdenken können.

Kampfsaufen, durch Kotze waten, angepisst werden, Matschsuppe essen, Ziegen ficken. Mit dem tollen Hauptdarstellern Nick Jonas (of Jonas Brothers fame) und Ben Schnetzer wird das in angemesser Deutlichkeit gezeigt, was ebenso anstrengend wie ermüdend ist – und auch schockierend, weil auch diese Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht.

Von: Harald Peters