Hätten Sie’s gewusst?
Facts zum Deutschen Filmpreis

Berlin hat jüngst wieder den roten Teppich ausgerollt, denn in der Hauptstadt wurde zum 66. Mal der Deutsche Filmpreis verliehen. Schon seit 1951 schmeißt sich das Who-is-Who der Filmbranche zu diesem Anlass in Schale und seit einigen Jahren auch der Lola an den Hals. Grund genug, einmal zurückzublicken, auf Gewinner, Verlierer und das Filmerbe vergangener Jahrzehnte.

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Die großen Gewinner

Wahrscheinlich wird Robert Siodmaks Meisterwerk Nachts, wenn der Teufel kam nur wahren Cineasten ein Begriff sein. Der Film aus dem Jahre 1957 ist bis heute Spitzenreiter beim Deutschen Filmpreis. Im Jahr nach seiner Premiere erhielt der Schwarz-Weiß-Krimi insgesamt zehn Auszeichnungen. Ebenso viele Preise heimste bisher nur die deutsch-österreichische Co-Produktion Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte im Jahr 2010 ein.

Zu den erfolgreichsten Darstellerinnen aller Zeiten gehören Irm Hermann, Katja Riemann und Hanna Schygulla mit jeweils drei Trophäen. Bei den Herren der Schöpfung ist Götz George der große Abräumer. Bereits vier Mal wurde der Berliner ausgezeichnet.

Family Affairs

Der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm und so treten neben Mutter und Sohn auch Bruder und Schwester ab und an in dieselben Fußstapfen – auch in der Filmbranche. Die Österreicherin Monica Bleibtreu erhielt zum Beispiel 2007 die Lola in der Kategorie „Beste Schauspielerin“. Ihres Dankesrede konnte sich Monica bei ihrem Sohn Moritz abschauen: Der 44-Jährige war zuvor bereits zwei Mal geehrt worden (1997, 2001).

Lange vor den Bleibtreus sorgten bereits die Schell-Geschwister für Aufsehen. Zwischen 1974 und 1990 erhielt Maximilian sagenhafte sechs Auszeichnungen, seine Schwester Maria durfte 1977 einen Preis mit nach Hause nehmen.

Anna-Maria Mühe war im Gegensatz zu ihrem Vater zwar noch nie unter den Gewinnern des Deutschen Filmpreises, aber immerhin einmal nominiert. Ulrich Mühe erhielt 2006 die Lola für seine Darstellung in Das Leben der Anderen.

Youngstar

Schauspielerin Maria Dragus ist die jüngste Gewinnerin aller Zeiten. Mit gerade einmal 16 Jahren erhielt die Rumänin 2010 die Lola in der Kategorie „Beste darstellerische Leistung – weibliche Nebenrolle“. Mitgewirkt hatte Maria in dem Siegerfilm des Abends – Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte.

Maria Dragus

7 auf einen Streich

Manche Regisseure und Schauspieler tauchen immer wieder auf der Liste der Nominierten auf und reißen sich um einen Preis für den Trophäenschrank. Andere wiederum legen in Berlin einen einzigen glänzenden Auftritt hin und sahnen kräftig ab. One-Hit-Wonder sozusagen, bei denen der erste Schuss sitzt. Solch ein Kandidat ist Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck. Sie ahnen es bereits – erneut reden wir vom Meisterwerk Das Leben der Anderen. 2006 war der Graf zum ersten Mal Anwärter auf eine beziehungsweise mehrere Lolas. Henckel von Donnersmarck selbst heimste drei Statuetten ein. Er überzeugte in den Kategorien „Bester Spielfilm“, „Beste Regie“ und „Bestes Drehbuch“. Doch auch bei der Besetzung und Bildgestaltung des Films lag er buchstäblich goldrichtig, denn dafür erhielt Das Leben der Anderen noch einmal vier Lolas.

Florian Henckel von Donnersmarck

Es war einmal…

Lola war nicht immer Lola. Zwischen 1951 und 1953 wurde in Berlin der „Goldene Leuchter“ überreicht. Das Besondere: Die Trophäe war ein Wanderpreis. Noch bis 1979 mussten die Vorjahresgewinner ihren Preis wieder mit nach Berlin schleppen, ab 1954 jedoch in Form der „Goldenen Schale“. Diese wurde auch beibehalten bis Ende der 70er, allerdings ab 1961 durch die Vergabe des silbernen und goldenen Filmbandes ergänzt.
Die Goldene Schale erhielten einzig die Produzenten besonders zu würdigender Filme, das Filmband gab es in verschiedenen Kategorien. Die Lola in ihrer heutigen Form wurde erst 1999 eingeführt.
Doch wieso „Lola“? Der Name ist an Marlene Dietrichs Rolle der Lola in Der Blaue Engel, Rainer Werner Fassbinders gleichnamigen Film und Tom Tykwers Erfolg Lola rennt angelehnt.

Übrigens floß bereits ab 1956 Geld: Der Hauptpreisträger erhielt 200.000 D-Mark.

Die Fleißigen

Für manche Schauspieler scheint das Jahr mehr als 365 Tage zu haben. Da fällt nicht nur bei einem, sondern gleich mehreren Filmen die Klappe und trotz des Pensums ist die darstellerische Leistung so brillant, dass sie die Jury des Deutschen Filmpreises auf den Plan ruft.
So erhielt Daniel Brühl 2002 drei Lolas – für drei verschiedene Filme. In Nichts bereuen, Vaya con Dios und Das weisse Rauschen überzeugte Brühl als bester Hauptdarsteller. Doch damit nicht genug: Im Folgejahr nahm der damals 24-Jährige in der gleichen Kategorie wieder zwei Preise mit nach Hause (Good Bye, Lenin! und Elefantenherz).
Kollegin Martina Gedeck gelang Letzteres 1997. Damals wurde die Münchenerin für Rossini und Das Leben ist eine Baustelle geehrt. Als 1999 erstmals die Lola übergeben wurde, durfte Nina Petri als Nebendarstellerin doppelt abräumen.

Die ewigen Zweiten

Man könnte sie auch die „Leonardo DiCaprios des Deutschen Filmpreises“ nennen: Schauspielerin Nadja Uhl und Regisseur Christian Petzold. Bereits seit 1993 steht Uhl vor der Kamera, drei Mal schaffte sie es auf die Nominiertenliste für die Lola, jedoch ohne Erfolg. Petzold kam sogar schon sechs Mal in die Endauswahl, doch letztlich hat es nie ganz gereicht.

Übrigens: Deutschlands Vorzeige-Schauspielerin Iris Berben stellte ihr großartiges Talent bereits in rund 100 Filmen und Serien unter Beweis und erhielt für ihre Leistung dutzende Auszeichnungen – der Deutsche Filmpreis war jedoch nie dabei. Das wird sich auch so schnell nicht ändern, da Berben seit 2010 Präsidentin der Deutschen Filmakademie ist, welche die Anwärter auf die Lola auswählt.

Iris Berben

Alle Fotos © Getty Images

Text: Alexandra Bentz