UNTER VIER AUGEN
Diane interviewt Norman

In der Serie The Walking Dead kämpft Norman Reedus gegen Zombies, in dem Roadmovie Sky ist er als schwermütiges Objekt der Begierde zu sehen. Dabei ist er im wirklichen Leben recht vergnüglich und auch sonst ganz anders, als man denkt. Seine Filmpartnerin Diane Kruger hat ihn für uns befragt und etwas über seine Qualitäten als Hausmann erfahren.

© Jamie Burke

DIANE KRUGER: Norman, es heißt, du seist ein ziemlich guter Koch. Stimmt das?

NORMAN REEDUS: Seit ein paar Jahren versuche ich mein Spektrum zu erweitern, damit es nicht nur pochierte Eier gibt. Ich bemühe mich redlich, lese alle möglichen Blogs, wie man dies und das zubereitet

KRUGER: Wirklich?

REEDUS: Ja, absolut. Neuerdings habe ich mir das Entsaften angeeignet.

KRUGER: Verrückt! Du entsaftest selber?

REEDUS: Diane, ich entsafte, als würde mein Leben davon abhängen! Aber zurück zum Kochen: Ich habe herausgefunden, dass gute Töpfe und Pfannen der Schlüssel zum besseren Kochen sind. Das mag sich zwar blöd anhören, aber wenn man sich gutes Geschirr kauft, kocht man häufiger und strengt sich deshalb mehr an.

KRUGER: Du sollst auch ziemlich ordentlich sein, was ich so nicht erwartet habe.

REEDUS: Das denken zuerst alle. Aber weil ich an ziemlich schmutzigen Orten aufgewachsen bin, weigere ich mich, mein eigenes Haus schmutzig werden zu lassen.

KRUGER: Was ist die größte Fehleinschätzung, die über dich in Umlauf ist?

REEDUS: Wahrscheinlich denkt man, dass ich ständig wütend bin und Leute anschnauze, was wohl daran liegt, dass ich kleine Augen habe und wie jemand aussehe, der Leute anschnauzt. Dabei bin ich fast immer gut gelaunt.

KRUGER: Würdest du dich als unkompliziert bezeichnen?

REEDUS: Ja, total! Außer du vergisst, dir die Schuhe auszuziehen, bevor du mein Haus betrittst. Darf ich dich was fragen: Wie war die Zusammenarbeit mit mir? War ich schlimm?

KRUGER: Nein, gar nicht. Aber immer wenn ich Interviews zu unserem Film gebe, werde ich nach dir gefragt: „Wie war Norman Reedus? Ist er wirklich so launisch, wie man denkt?“ Deswegen habe ich dich auch nach der größten Fehleinschätzung gefragt. Und mir ging es nicht anders: Bevor ich dich kennenlernte, dachte ich, dass du ein tätowierter Typ wärst, der Motorrad fährt und nur alle zwei Monate duscht. Und dann warst du exakt das Gegenteil. Ich meine, du bist ein tätowierter Kerl mit einem Motorrad, aber was mich überrascht hat, war, wie locker du warst. Es war ja kein luxuriöser Dreh, aber du hast alles klaglos mitgemacht.

REEDUS: Das fiel mir überhaupt nicht schwer.

KRUGER: Mir fiel es hingegen schwer, dir hinterher dabei zuzusehen, wie du Zombies verprügelst. Du kochst, bist sehr ordentlich… Machst du auch Gartenarbeit? Erzähl mir bitte nicht, dass du auch noch gärtnerst!

Norman Reedus: “Diane, ich entsafte, als würde mein Leben davon abhängen!

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REEDUS: Weißt du, womit ich gerade beschäftigt bin? Ich stehe auf meiner Terrasse, auf der ich kürzlich Büsche und Bäume gepflanzt habe. Mein Kumpel Rich ist hier und hilft mir, eine Bewässerungsanlage zu installieren. Und bevor du angerufen hast, habe ich die Pflanzen von Hand mit Tupperschüsseln gegossen.

KRUGER: So was! Wie bist du eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

REEDUS: Das war so: Ich bin einem Menschen nach Los Angeles gefolgt, der dort aber etwas mit jemand anderem anfing, mich also allein zurückließ, weswegen ich einen Job in einem Motorradladen angenommen habe. Als ich eines Tages zur Arbeit ging, hatte ich Ärger mit einem der beiden Pitbull-Terrier, die zum Laden gehörten. Es kam zu einem Kampf, und anschließend wurde ich gefeuert. Am Abend bin ich mit einem Freund zu einer Party in die Hollywood Hills gegangen, wo ich mich bis zur Besinnungslosigkeit betrunken habe (Kruger lacht). Offenbar habe ich auch eine Menge Leute angeschrien, woraufhin mich jemand fragte, ob ich nicht in seinem Theaterstück mitmachen wolle.

KRUGER: Im Ernst?

REEDUS: Ja, aber eigentlich sollte ich nur die Zweitbesetzung sein, weshalb ich dachte, dass ich gar nicht auf die Bühne müsste, aber die Erstbesetzung tauchte nicht auf.

KRUGER: Welches Stück war das?

REEDUS: Es hieß Maps for Drowners, und wir haben es im Tiffany Theatre am Sunset Boulevard gespielt, das es aber, glaube ich, nicht mehr gibt. Das war mein erstes und wohl auch mein letztes Mal auf der Bühne. Es nimmt mich nervlich einfach zu sehr mit.

KRUGER: Wie oft habt ihr gespielt?

REEDUS: Wir hatten zwei Vorstellungen.

KRUGER: Hat es danach lange gedauert, bis du den nächsten Job hattest?

REEDUS: Nein, das ging relativ schnell. Ich habe Guillermo del Toro getroffen, der mich für Mimic (1997) besetzt hat. Danach habe ich kontinuierlich gearbeitet.

Kruger: Wie alt warst du, als du anfingst?

REEDUS: Schon 26 oder 25, ein Spätzünder.

KRUGER: Hattest du je das Gefühl, dass es mit dem Schauspielen nicht funktionieren könnte?

REEDUS: Nun, ich habe ja nie alles auf eine Karte gesetzt, sondern mich immer auch mit anderen Dingen beschäftigt. Wenn ich nicht gedreht habe, habe ich Ausstellungen vorbereitet oder eine Galerie eröffnet. Ich war nie gut darin, mich auf eine Sache zu beschränken.

KRUGER: Ich weiß, dass du fotografierst, weil ich eine Ausstellung von dir in L.A. gesehen habe, aber du malst auch, oder?

REEDUS: Ja, seit langer Zeit. Damit habe ich schon vor der Schauspielerei angefangen. Heute male ich nur selten, weil ich ja wegen des Jobs oft unterwegs bin. Es ist ein wenig mühsam, all die Malsachen mit sich herumzuschleppen. Deswegen fotografiere ich heute. Fotos sind platzsparender als Gemälde.

KRUGER: Es gibt einen Kurzfilm und ein Musikvideo von dir. Möchtest du die Arbeit als Regisseur in Zukunft ausbauen?

REEDUS: Später einmal, gerade fehlt mir die Zeit. Aber seit einer Weile arbeite ich mit einem Freund an einem Drehbuch, das von einer Transsexuellen im New York der Achtziger handelt, die von dem Mafioso Nicky Barnes mittels Drogen als Sexsklavin gefangen gehalten wurde, aber sich aus der Situation befreien konnte.

KRUGER: Ah, eine Komödie (Reedus lacht). Der Dreh einer Staffel The Walking Dead dauert neun Monate. Du musstest deswegen von New York nach Georgia umziehen. Fiel dir das schwer?

REEDUS: Nun, Georgia ist eine komplett andere Welt, schon der Temperaturen wegen. Aber ich muss sagen, dass ich mich während der ersten Staffel in den Süden verliebt habe. Ich kann mit dem Motorrad zur Arbeit fahren, die Landschaft ist wunderschön, überall stehen Bäume.

© Jamie Burke

KRUGER: Hat deine Walking Dead-Figur es dir zu verdanken, dass sie Motorrad fährt?

REEDUS: Es gab in der ersten Staffel eine Szene, in der ich reiten sollte, aber ich habe wahnsinnige Angst vor Pferden. Also habe ich die Produzenten davon überzeugt, dass ein Motorrad für mich besser wäre.

KRUGER: Klingt so, als sei das dein Traumjob.

REEDUS: Klar, ich bin stets blutverschmiert, kann Motorrad fahren, darf Leute anschreien …

KRUGER: Und du musst dir nicht die Haare schneiden.

REEDUS: Ich darf sie mir nicht schneiden.

KRUGER: Erst waren die Haare kurz und blond, mittlerweile sind sie lang und schwarz. Wie ist das passiert?

REEDUS: Beim Färben. Gegen das Ausbleichen durch die Sonne wird regelmäßig gefärbt. Um die Farbe anzugleichen, nimmt man Fotos, die kurz nach der vorherigen Färbung entstanden sind. Ich habe also wieder einen Termin bei den Haarleuten, die machen sich ans Werk, und als die Farbe ausgewaschen wird, sehe ich, dass sie plötzlich schwarz sind. Ich sage: „Hey, das passt doch gar nicht!“ Die sagen: „Natürlich passt das, schau mal hier.“ Und dann sehe ich, dass sie ein Foto von mir hatten, auf dem mein Haar nass und voller Blut ist. Weil ich zehn Minuten später wieder vor die Kamera musste, ließ sich das nicht mehr korrigieren.

KRUGER: Beim Dreh von Sky war dein Haar ständig Thema.

REEDUS: Ich weiß. Fabienne hat irgendwas auf Französisch zu dir gesagt, und dann habt ihr auf meine Haare gestarrt.

KRUGER: Tut mir leid.

REEDUS: Ich fand’s süß!

KRUGER: Wie wählst du deine Projekte aus?

REEDUS: Nach den üblichen Kategorien: Story, Drehbuch, Regisseur. Bei Triple 9 hatte ich Glück, weil der Film wie The Walking Dead in Atlanta gedreht wurde. Das war praktisch, weil ich von Set zu Set springen konnte. Und für den Regisseur John Hillcoat würde ich sogar Hundefutterwerbung drehen. Und bei unserem Film war es so, dass ich das Drehbuch mochte. Außerdem bin ich ein Fan von dir, und die Regisseurin Fabienne Berthaud war beim Skypen so nett, dass ich nach 20 Minuten sagte: „Ich bin dabei!“