FASSBINDER – JETZT
Eine Ausstellung für den Kinorebell

Er quälte seine Schauspieler und erneute den deutschen Film: Eine Ausstellung erinnert an den Regisseur Rainer Werner Fassbinder.

Rainer Werner Fassbinder und Michael Ballhaus am Set von "Warnung vor einer heiligen Nutte", 1970/71 © DIF Frankfurt

„Ich möchte für das Kino sein, was Shakespeare fürs Theater, Marx für die Politik und Freud für die Psychologie war: Jemand, nach dem nichts mehr ist wie zuvor.“ Bescheiden war Rainer Werner Fassbinder nicht. Er hatte auch keinen Grund dazu: Der Regisseur war eine Ausnahmeerscheinung, ein klassisch gebildeter Schulabbrecher, der das westdeutsche Kino mit Filmen wie Die Ehe der Maria Braun, Berlin Alexanderplatz oder Angst essen Seele auf revolutionierte.

Schauspielerinnen wie Hanna Schygulla machte er zu Stars. Doch mit ihm zu drehen muss für seine Akteure ein mindestens zweischneidiges Schwert gewesen sein: Fassbinder war bekannt dafür, seine Schauspieler mehr oder weniger gnadenlos fertigzumachen. Leben und Film bedeuteten für ihn Exzess: In 13 Jahren drehte er 44 Filme, und als er 1982 an Herzversagen starb, lag das wohl an Überarbeitung, Drogen und Alkohol.

Lili Marleen, 1980 Arbeitsfoto Hanna Schygulla © Barbara Baum

Weil Fassbinder dieses Jahr 70 geworden wäre, widmet ihm der Martin-Gropius-Bau die Ausstellung Fassbinder – JETZT (ausgerichtet vom Deutschen Filmmuseum Frankfurt). Sie nähert sich dem Regisseur auf verschiedenen Ebenen. Ausschnitte aus seinen Filmen und Fernsehinterviews zeigen Fassbinders Werk, aber auch, wie er sich selbst inszenierte und in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Dem nach außen getragenen Image wird mit Notizen, Briefe, Skripte und Gegenstände aus Fassbinders Nachlasse in persönlicheres Bild gegenübergestellt. Weiterer Schwerpunkte sind die Kostüme seiner Filme (gezeigt wird etwa das Silberlamé-Kleid, das Hanna Schygulla in Lili Marleen (1980) trägt, oder die Matrosen-Uniformen aus Querelle (1982), entworfen von der Kostümbildnerin Barbara Baum), sowie Fassbinders Einfluss auf die zeitgenössische Kunst.

Zeitgleich legt auch das Theater Treffen einen Fokus auf Fassbinders Werk (wie schon 2014). An vier Berliner Bühnen werden seine Stücke inszeniert, Hanna Schygulla präsentiert eine musikalische Hommage an den Regisseur, der Delphi Filmpalast zeigt eine Fassbinder-Filmnacht, außerdem läuft Volker Schlöndorffs Baal-Verfilmung mit Fassbinder in der Titelrolle.

 

Fassbinder – JETZT

Martin Gropius Bau

6. Mai bis 23. August 2015

Infos zum Fassbinder-Fokus des Theater Treffens gibt es hier.