The Florida Project

 Disney World ist für die Bewohner direkt nebenan und trotzdem in weiter Ferne. Ein Film über die Schattenseiten des Lebens, im Sonnenstaat Florida. Ab heute in den Kinos.

Wo „Magic Castle“ draufsteht, ist nicht immer Magie drin, selbst wenn Disney World nur einen Steinwurf entfernt ist. Sean Bakers toller Film „The Florida Project“ spielt in einem gleichermaßen bunten wie deprimierenden Motel mit Comic-Namen, das eingekeilt zwischen Vergnügungsparks und Highways in Amerikas Sonnenstaat liegt. Von außen ist es ein Traum in Rosa. Das Leben der Bewohner ist es nicht. Wer in dieser Bettenburg lebt, hat kein Geld, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, steht auch mal kurz vor der Verhaftung oder meint, mit Jesus verheiratet zu sein.

Für all das ist Moonee zu jung, sie wohnt trotzdem hier. Moonee ist sechs, und weil ihre ebenfalls ziemlich junge Mutter oft mit wichtigen Dingen beschäftigt ist (Geld auftreiben, Touristen übers Ohr hauen, instagrammen), löst sie mit ihren Freunden im Magic Castle Motel eine Katastrophe nach der nächsten aus. Das scheint eine Art Automatismus zu sein.

Einmal zündet Moonee versehentlich eine leer stehende Wohnsiedlung an. Als eine Art Schutzengel und Ersatzvater fungiert Motelmanager Bobby, gespielt von Willem Dafoe, der dafür eine Oscar-Nominierung bekam. Bobby muss immer so tun, als sei er richtig sauer, ist in Wirklichkeit aber die wahrscheinlich netteste Figur, die Dafoe je gespielt hat. Auch eine der wenigen, in der er nicht Motorrad fährt oder Ledermantel trägt, sondern, passend zur Wandfarbe, pinkfarbene T- Shirts.

Viele der im Film auftauchenden Motelgäste wohnen übrigens wirklich im Magic Castle. Denn wie in seinem Debüt „Tangerine“, einem Film über transsexuelle Prostituierte in L. A., hat Regisseur Baker auch mit Amateuren gedreht. Schön und traurig und lustig auf einmal.

„The Florida Project“ läuft ab dem 15. März im Kino.