Das Licht in
einer dunklen Welt

American Honey – Star Sasha Lane hofft im Gespräch mit Riley Keough, im Himmel mit Bob Marley und Tupac abzuhängen.

Foto: Daria Kobayashi Ritch | Styling: Sean Knight | Look: 3.1 Phillip Lim

Vor zwei Jahren war sie noch eine Psychologiestudentin, die nicht so genau wusste, was sie wollte. Jetzt ist Sasha Lane, 21, der neue Darling des Independentkinos. Dazwischen liegt American Honey. Der sensationelle Film über eine Zeitungsdrückerkolonne, die durch den Mittleren Westen der USA tourt, ­bekam in Cannes verdientermaßen den Preis der Regie, und Lane gewann die Herzen der Zuschauer. Dass die britische Regisseurin ­Andrea Arnold ihre Hauptdarstellerin während des Spring Break am Strand von Miami entdeckte, beweist dabei nicht nur, dass es sich immer lohnt, an den Strand zu gehen. Es zeigt auch, dass das Leben voller Überraschungen steckt, die mitunter so existenzverändernd sein können, dass Lane ausreichend Anlass hatte, sie mit ihrer Kollegin und guten Freundin Riley Keough zu besprechen.

Foto: Daria Kobayashi Ritch | Styling: Sean Knight | Look: Givenchy - Adidas

Es war sehr vorausschauend von Regisseurin Andrea Arnold, dass sie Sasha Lane eine Figur namens Star spielen ließ, denn das ist Lane: der Star dieses Films. Nachdem Arnold sie am Strand von Miami entdeckt hatte, improvisierten beide eine Woche lang Szenen, dann hatte sie die Rolle. Knapp einen Monat später fingen die Dreharbeiten an. Mit dem Kleinbus, in dem auch weite Teile der Handlung spielen, fuhr das Team in einer achtwöchigen Tour von ­Muskogee, Okla­homa, rund 2 000 Kilometer Richtung North Dakota, um am Beispiel einer Zeitungsdrückerkolonne das klügste, vielschichtigste und schönste Amerikaporträt zu drehen, das man seit Langem im Kino gesehen hat. Wie viele andere Filmemacher vor ihr nutzt Arnold die Landschaft als Versprechen von Freiheit, denn wo der Blick weit reicht, sind die Möglichkeiten wohl unbegrenzt. Doch Amerika hat eben auch seine unerbittlich kapitalistische Seite, die zu viel Träumerei zuweilen mit aller Härte in die Schranken weist. Im Film hat diese Seite das Gesicht von Riley Keough. Als Krystal spielt sie die Managerin der Drückerkolonne, eine moralisch herausragend degenerierte Person, die eine Neigung zu viel zu knappen Bikinis mit aufdringlicher Südstaatenmotivik pflegt. Und mittendrin der großartige Shia LaBeouf als Jake, der sich ein Augenbrauen-Piercing und eine behämmerte Rattenschwanz-Frisur hat wachsen lassen, die er mit Stolz und voller Überzeugung trägt. Lane trifft ihn in einer Walmart-Filiale, während ein Rihanna-Song im Radio läuft: „We found love in a ­hopeless place …“ Kann man sich eigentlich etwas Hoffnungsloseres als eine Walmart-Filiale vorstellen?

Foto: Daria Kobayashi Ritch | Styling: Sean Knight | Look: Rodarte

Riley Keough Also, ich interviewe dich heute. Wie sieht dein Leben gerade aus?

Sasha Lane Mein Leben ist zurzeit ziemlich abgefahren und wirklich bizarr, weil es ganz anders ist als das, was ich bis vor Kurzem kannte. Sehr verrückt.

Keough Es ist schon eine extreme Veränderung, gerade warst du noch ein College-Mädchen und jetzt lief dein Film in Cannes. Gefällt dir dein altes Leben besser oder dein neues?

Lane Ich wünsche mir mein altes Leben definitiv nicht ­zurück, ich bin total euphorisch und dankbar für alles. Aber es macht mir auch ein bisschen Angst. Das bedeutet nicht, dass ich das alles nicht zu schätzen weiß. Aber mein Leben steht gerade komplett auf dem Kopf, was schon recht viel zu verkraften ist.

Keough Wenn du das Beste aus beiden Welten haben könntest, was wäre deine ideale Mischung?

Lane Auf manche Dinge könnte ich zwar verzichten, aber ich finde es gerade schön, in dieser neuen Welt das Mädchen aus Texas zu sein, das für ­einen Mindestlohn gearbeitet hat. Bei mir ist nicht immer alles perfekt. Ich bin zu unordentlich, ich habe Ängste. Ich fühle mich manchmal überfordert.

Keough Genau, ich glaube, das ist etwas, worüber Künstler nicht genug sprechen: emotionale Probleme.

Lane Finde ich auch.

Keough Es hört sich so dumm an, wenn man sich beschwert, obwohl man um die Welt reisen und in schönen Hotels wohnen darf. Und für jemanden, der aus dem Nichts in all das hineingeworfen wird, stelle ich es mir besonders schwierig vor.

Lane Ja, es ist ja schon so schwer genug, in diesem Geschäft zu sein, und ich wurde tatsächlich ins kalte Wasser geworfen. Darum bin ich so gern mit dir zusammen, Riley, du verstehst das (lacht).

Keough Der Film, den wir zusammen gedreht haben, war aber auch besonders verrückt, um es mal vereinfacht auszudrücken. Ich denke, nach jedem Film braucht man erst mal eine Erholungsphase, aber bei diesem … Für mich ist American Honey ein bisschen wie Las Vegas: Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas (lacht).

Lane Einverstanden.

Keough Darum will ich das auch nicht so ausbreiten. Aber wie war es für dich, von einem ganz normalen Job an ein Filmset zu kommen?

Lane Ich sage es jetzt einfach mal rundheraus: Ich war starr vor Angst. Aber du kennst ja Andrea (Arnold), sie gibt einem ein sehr gutes Gefühl und war ganz natürlich, was toll war, weil ich einfach ich selbst sein konnte. Wir haben uns alle als Menschen kennengelernt und einfach abgehangen. Es hat sich nicht angefühlt, als würden wir einen Film drehen.

Keough Überhaupt nicht (lacht).

Lane Genau! Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass ich etwas gemacht habe, das ­total nah an mir selbst ist und das jetzt viele Menschen sehen werden. Das ist nicht nur ein Film, das bin ich. Deswegen drehe ich gerade ein bisschen durch.

Keough Es ist eine bizarre Erfahrung. Während eines Drehs wird man ja oft zu einer Art Familie, und dann ist plötzlich alles vorbei. Aber bei American Honey war es besonders extrem. Ich habe vorher einige Filme gedreht, und ja, man steckt viel von sich rein, aber ich habe nirgendwo ein solches Gemeinschaftsgefühl erlebt wie bei American Honey.

Sasha Lane: “Ich habe mich nie als verarmt empfunden. Egal wie viel Geld uns fehlte, meine Mutter hat sich den Arsch abgearbeitet und ich habe mir den Arsch abgearbeitet”
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Lane Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ihr meine Familie seid und dass Andrea meine Regisseurin ist. Jetzt fühle ich mich wie eine Verräterin, wenn ich andere Filme drehe. Da muss ich mir sagen: „Es war zwar real, aber nicht die Realität. Sasha, entspann dich mal!“ (lacht) Ganz schön anstrengend, wenn man da jedes Mal durchmuss.

Keough Ja, es bringt einen völlig aus dem Konzept. Du möchtest aber schon weiter schauspielern, oder? Du bist nicht nach Hause gegangen und dachtest, ach, das war nett, aber das war’s?

Lane Nein, es hat mir richtig gut gefallen. Andrea sagte einmal zu mir, ich stünde für all diese Jugendlichen, die da herkommen, wo ich herkomme. Und wenn Menschen mir dann sagen, dass sie sich durch den Film inspiriert oder beachtet oder akzeptiert fühlen, macht das alles für mich sehr viel Sinn.

Keough Du machst ja auch andere Kunst, du dichtest. Aber ist die Schauspielerei etwas, was du dir für die Zukunft vorstellen kannst? In dem Moment, als ich das erste Mal geschauspielert habe, war mir klar: Ich werde nie wieder etwas anderes tun.

Lane Ich glaube, ich kann mit der Schauspielerei meine Bestimmung erfüllen. Und mit ihr öffnen sich neue Möglichkeiten. Ich kann trotzdem meine eigene Kunst machen, ich schreibe immer noch. Für mich ist es eine weitere Stimulanz, ein weiteres kreatives Ventil, das ich definitiv nicht aufgeben möchte. Denn ich war nie der Typ, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und an Aufsätzen arbeitet. Und ich will definitiv nicht zurück nach Texas.

Keough Wie hat es sich für dich angefühlt, American Honey das erste Mal zu sehen?

Lane Oh Gott, ich war wie in Trance. Es war toll. Die ganze Zeit dachte ich, oh, ich erinnere mich, wie ich mich an dem Tag fühlte, ich weiß noch, was passiert ist und wer dabei war, ich erinnere mich, dass ich gefroren habe, ich erinnere mich, dass das total Spaß gemacht hat. Oder ich dachte einfach, wow, das hat Robbie so gut mit der Kamera eingefangen. Und du bist angsteinflößend, Riley! Wir haben uns ja während des Filmens die ganze Zeit totgelacht, und dich dann so auf der Leinwand zu sehen ist unglaublich. Ich dachte nur: Dieses Mädchen ist fantastisch!

Keough Oh, Baby. Es war so seltsam, den Film zu sehen, ich hatte eine ausgewachsene Panikattacke. Du lebst jetzt in Los Angeles, oder?

Lane Ja, aber gerade mache ich Couch-Hopping, ich suche mir eine Wohnung, wenn ich von unserer Promotour zurück bin.

Keough Ich habe gerade ein Haus gekauft, du kannst bei mir schlafen!

Lane Oh, du Süße, ich freue mich so für dich!

Keough Wovon handelt der Kurzfilm, den du gerade gedreht hast?

Lane Es ist ein Film von Mer­yam Joobeur, und er handelt von einer schwarzen Mutter und ihrer Tochter, die durch eine Vergewaltigung gezeugt wurde. Die beiden schaffen sich eine surreale Welt, in der es nur Frauen und Kinder gibt. Es geht um die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, da sind Hass und Liebe. Die ganze Stadt denkt, meine Figur sei eine Schande, und hält sie außerdem für eine Schlampe, bloß weil sie was mit einem Typen hatte. Es ist also sehr emotional und heftig. Aber es war eine tolle Erfahrung, weil ich nach American Honey Angst hatte, dass ich vielleicht gar nicht schauspielern kann, weil dort alles so natürlich ablief. Es war schön, in diese ganz andere Rolle zu schlüpfen. Anschließend habe ich mich großartig gefühlt.

Keough Das ist wunderbar. Diese unterschiedlichen Rollen sind alle wahrhaftig und einfach nur unterschiedliche Seiten von dir.

Lane Genau.

Keough Wie hast du die Situation für Afroamerikaner in der Filmindustrie erlebt?

Lane Das kann ich gar nicht so genau sagen, da ich ja nicht mal richtig in der Filmbranche drin bin.

Keough Aber das Thema erfährt ja gerade viel Aufmerksamkeit, es scheint, als gebe es da eine ganz gute und längst überfällige Diskussion.

Lane Das denke ich auch, aber gleichzeitig bekommt das Ganze einen gewissen Beigeschmack. Ich habe zum Beispiel Drehbücher bekommen, bei denen man sich offenbar dachte, es wäre cool, ein gemischtrassiges Mädchen dabei zu haben. Das soll dann für Diversität sorgen, obwohl das Skript völlig weiß ist und von einer weißen Familie und weißen Werten handelt. Nur weil ich hellere Haut habe und als weiß durchgehen kann, heißt das nicht, dass ich mich damit identifiziere und dass man mich da einfach einordnen kann. Das passt nicht dazu, wer ich als Mensch bin.

Keough Das ist ziemlich irre.

Lane Ja. Ich glaube, es gibt viele gemischte Gefühle zu dem Thema. Der Weg ist noch etwas steinig. Aber ich bin glücklich, schwarze Männer und Frauen zu sehen, die es nach oben schaffen.

Keough Was macht dich glücklich?

Lane Wenn ich weiß, dass ich jemanden dazu gebracht habe, sich gut zu fühlen, macht mich das glücklich. Wenn ich schreibe. Wenn es meiner Familie gut geht. Wenn ich meinen Bruder um mich habe. Es ist natürlich etwas schwierig, wenn ich mein Glücklichsein davon abhängig mache, dass es meinen Leuten gut geht.

Keough Das kann gefährlich sein.

Lane Ja, aber ich habe auch meine Momente allein, zum Beispiel wenn ich in meinem Zimmer herumtanze.

Keough Was übrigens alle wissen, die Sasha Lane auf Snapchat folgen. Aber was ich wirklich von dir wissen will: Worüber zum Teufel willst du eigentlich reden? (lacht)

Lane Ach, über die Sachen, die wir bereits erwähnt haben: dass wir im Grunde ganz normale Leute sind. Manchmal drehe ich durch, manchmal freue ich mich über bestimmte Sachen, und manchmal bin ich verwirrt, weil ich das Filmgeschäft, in das ich da reingeraten bin, noch nicht verstehe. Aber ich arbeite daran und versuche klarzukommen. Ich versuche, das Leben an sich zu begreifen, so wie jeder andere es auch tut, nur dass ich dabei etwas mehr im Licht der Öffentlichkeit stehe.

Keough Ich weiß noch, wie du dich neulich darüber beklagt hast, dass man dir ständig irgendwelche Haarpflegeprodukte in deine Dreads schmiert, die du gar nicht haben willst. Aber in dem Moment, in dem du dich darüber beschweren willst, kommst du dir vor wie eine Diva. Aber wenn du dich nicht beschwerst, stellen die Leute alle möglichen Dinge mit dir an.

Lane Ich glaube, dass alle diesen verrückten Druck spüren, perfekt zu sein.

Keough „Ich bin eine Schauspielerin, und wenn ich abends zum Essen ausgehe, dann trage ich meine Sonnenbrille und ein schönes Kleid. Mein Leben ist einfach fabelhaft. Meine Beziehung ist perfekt und mein Haus groß“ – obwohl ich sagen muss, dass es genau so nicht ist.

Lane Ja, es hat so viele Vorteile, aber beinhaltet auch jede Menge üblen Scheiß. Manchmal ist es eben anstrengend und komplett verrückt und beängstigend. Wie bei allen anderen Sachen gibt es auch hier immer eine zweite Seite. Die Leute müssen sich einfach nur mal in Erinnerung rufen, dass es Situationen gibt, in denen sie auch mal austicken, nur ist dann eben selten eine Kamera in der Nähe. Wir sind alle nur Menschen, die versuchen, aus ihrem Leben das Beste zu machen.

Foto: Daria Kobayashi Ritch | Styling: Sean Knight | Look: Off-White

Keough Ich bin da ganz deiner Meinung. Du hast mit dem Film Hunting Lila zu tun, oder?

Lane Ja, allerdings steckt der Film gerade noch in der Finanzierungsphase. Aber ich finde es toll, dass man mir eine Rolle angeboten hat und dass es auch noch andere ­Filmemacher gibt, die an mir interessiert sind.

Keough Wie reagiert eigentlich deine Familie auf den plötzlichen Rummel?

Lane Voll süß! Ich meine, ich habe meiner Familie so oft erzählt, dass alles gut werden wird und sie sich keine Sorgen machen müssen, egal wie ich rumlaufe oder was ich gerade mache. Eltern fällt es natürlich oft schwer, das zu glauben. Aber jetzt dürfen sie erleben, dass ich recht hatte, dass ich die Person sein kann, die ich sein möchte, was wirklich toll ist. Ebenso ist es mit meinen Freunden.

Keough Ich erinnere mich, dass es direkt nach dem Dreh einen Artikel über dich gab, in dem man dich als Cinderella beschrieben hat.

Lane Ja, und als verarmt, wie auch immer die darauf kommen.

Keough Was denkst du über solche Geschichten?

Lane Ich habe mich jedenfalls nie als verarmt empfunden. Ich habe mich als jemanden gesehen, der zwei Jobs hat und Mindestlohn bekommt – so bin ich aufgewachsen, das kenne ich gar nicht anders. Egal wie viel Geld uns fehlte, meine Mutter hat sich den Arsch abgearbeitet und ich habe mir den Arsch abgearbeitet. Und wir hatten uns ja gegenseitig und haben uns gestützt. Wenn man mich also als verarmt beschreibt, versucht man mich nur kleiner zu machen. Und was Cinderella angeht, nun, es hat mich ja keiner gerettet. Klar hat mir Andrea dadurch, dass sie mich entdeckt hat, ein anderes Leben beschert, aber es war ja nicht so, dass ich ohne sie verloren gewesen wäre. Ich war zwar ein Mädchen aus Texas, das für 7,52 Dollar die Stunde gearbeitet hat, aber das ist es, was wir in Texas machen: Wir arbeiten! Wir kümmern uns um unsere Angelegenheiten, wir haben unser Leben im Griff. Wenn man daraus eine Cinderella-Geschichte macht, klingt es so negativ und hoffnungslos.

Keough Du willst damit sagen, dass es keine Schande ist, zwei Jobs mit Mindestlohn zu haben, es ist nur wahnsinnig anstrengend.

Lane Ja! Dadurch wurde ich, was ich bin, und ich würde nichts daran ändern wollen. Es ist ein Teil von mir.

Keough Wo bist du eigentlich gerade?

Lane Bei einer Freundin. Ich sitze am Fenster und trinke Kaffee.

Keough In L. A.?

Lane Ja, im Unterschied zu dir.

Keough Vermisst du Texas?

Lane Es war gut, dort aufzuwachsen, aber ich bin froh, dass ich dort nicht mehr lebe. Eine Zeit lang habe ich Texas mit negativen Dingen assoziiert, aber mittlerweile macht es mir wieder Spaß, dort zu sein. Ich bin glücklich, dass ich hier eine zweite Heimat habe.

Sasha Lane: “Wenn ich tot bin, werde ich im Himmel mit Tupac und Bob Marley Musik hören und Wolken rauchen”
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Keough Was gibt’s noch, worüber wir reden könnten?

Lane Ich will ein neues Tattoo, aber das gehört hier wahrscheinlich nicht her.

Keough Doch, erzähl. Das interessiert mich. Was willst du dir stechen lassen?

Lane Nun, ich bin mir nicht 100-prozentig sicher, aber ich mag Symbole. Ich dachte, dass ich mir vielleicht eine spiralförmige Sonne hole, das Symbol für Heilung. Ich denke, dass das meine Bestimmung ist: Leute zu inspirieren, jemanden zum Lachen zu bringen, jemanden dazu zu bringen, dass er sich verstanden fühlt.

Keough Das finde ich cool! Was passiert, wenn du stirbst?

Lane Wow! Ich glaube, dass es einen Himmel gibt. Aber ich habe mir mein eigenes Glaubenssystem gebaut, in dem Gott ein Homie ist und der Himmel ein Ort, wo all die anderen Homies abhängen. Und wenn ich tot bin, werde ich dort mit Tupac und Bob Marley Musik hören und ein paar Wolken rauchen. Das ist ein toller Ort, all die Schmerzen, die man im Leben hatte, sind verschwunden, und man hat einfach eine gute Zeit. Keine Ahnung, was die anderen Leute machen, aber ich werde da oben auf jeden Fall viel tanzen.

Keough Woran erkennst du, ob etwas gut oder schlecht ist, richtig oder falsch?

Lane Du meinst moralisch betrachtet? Man erkennt es an dem Gefühl, das man dabei hat. Ich meine, man kann Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten und dabei jeweils zu unterschiedlichen Schlüssen kommen, aber solange das Bauchgefühl sagt, dass man nichts Böses, nichts Falsches tut, ist man eigentlich auf der richtigen Seite. Aber man muss dabei für das Leben und unterschiedliche Perspektiven offen sein.

Keough Warum, glaubst du, ist Kunst wichtig?

Lane Weil man durch und über Kunst Verbindungen zu anderen Menschen eingeht. Man setzt sich mit Dingen auseinander, die jeder kennt und spürt, und trägt durch seine Interpretation zum Verständnis der Welt bei. Man bereichert die Sichtweisen und bringt Licht in die dunkle Welt.

Keough Du glaubst, dass die Welt ein dunkler Ort ist?

Lane Ja! Es gibt natürlich auch viel Liebe und Schönheit auf der Welt, aber abgesehen davon: Schau dir die Welt doch an!

Keough Was genau meinst du damit?

Lane Es gib so viel Schmerz, so viele Dinge, die Menschen runterziehen. Das Missverhältnis zwischen dem, was Amerika sein möchte und tatsächlich ist, all die Leute, die abgeschrieben und zurückgelassen werden, all die Grausamkeiten, die Wut und der Hass. Vielleicht ist es auch meine Unzufriedenheit, die meinen Blick auf die Welt trübt, keine Ahnung. Aber es passiert doch so viel Mist! Ich versuche, mich immer auf das Schöne im Leben zu konzentrieren.

American Honey läuft bereits im Kino. Sasha Lane ist außerdem bald im erwähnten Kurzfilm Born in the Maelstrom von Meryam Joobeur zu sehen.

von Riley Keough | Redaktion: Frauke Fentloh & Harald Peters

 

Credits

Fotos: DARIA KOBAYASHI RITCH
Styling: Sean Knight
Haare: Ryan Taniguchi/TMG-LA
Make-Up: Amber Dreadon
Produktion: Richie Davies

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