Charlize Theron
glänzt ungeschönt in
"Tully"

Die Tragikomödie „Tully“ zeigt einen schonungslosen Blick auf das Muttersein, der ehrlich und überraschend ist.

Charlize Theron in "Tully"

Wenn sich eine Frau gerade entschlossen hat Mutter zu werden oder sich bereits in der Schwangerschaft befindet, sollte sie sich diesen Film besser nicht anschauen, er könnte abschrecken. Allerdings könnte man auch behaupten, „Tully“ ist gerade in dieser besonderen Lebenssituation richtig, denn „Tully“ zeigt einen ehrlichen Blick auf das Muttersein, das kann Mut machen. Ungeschönt und hart werden auch die Schattenseiten thematisiert. Was es auch bedeuten kann eine frisch gebackene Mutter zu sein: Überforderung und viel Stress. Schwarzer Humor wird genutzt, um tabuisierte Themen und Situationen sichtbar zu machen. Da kann schon mal vor Übermüdung versehentlich das Smartphone auf das Baby fallen. Deutlich wird, dass es nicht immer perfekt läuft, also wie im echten Leben. Plötzlich ändert sich aber alles, bye-bye schlaflose Nächte, jetzt kommt das Nachtkindermädchen: Tully heißt sie. Die frisch gebackene Mutter (Charlize Theron) kann sich beruhigt ins Bett legen, das Baby wird fortan in der Nacht von Tully betreut. Sie ist keine gewöhnliche Babysitterin. Diese junge Frau scheint wie aus einer anderen Welt zu sein, voller Energie mit einem leichten und hoffnungsvollen Blick auf das Leben, voller Tatendrang und sie möchte wie sie sagt: „.. das Ganze behandeln“.

Mackenzie Davis spielt die Nacht-Nanny "Tully"

Hinter dieser sensiblen Tragikomödie steckt ein ernster Hintergrund. Fast erschrocken ist man als Zuschauer, wie Tully in der Nacht zum ehelichen Bett schleicht, das Baby an Marlo’s (Charlize Theron) Busen legt und mit einer Selbstverständlichkeit bei ihr bleibt und mit großen Augen zuschaut. Tully (Mackenzie Davis ) kommt Marlo so nah, dass man sich bereits zu Beginn des Films fragt, was hat diese junge Frau mit der Familie vor? Auf eine merkwürdige Art und Weise ist dieses Nachtkindermädchen unheimlich. Dabei ist sie so perfekt. Eben genau das macht sie so unheimlich. Zwischen Marlo und Tully entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Als Tully dann noch das eingeschlafene Sexleben von Marlo beflügelt und Marlo sie nicht mehr missen möchte, fragt man sich wo soll das hinführen?

Charlize Theron zeigte sich schon in „Monster“ wandlungsfähig und legte die hübsche Hollywood-Maske ab, verdient gewann die Schauspielerin damals den Oscar. Für „Tully“ hat sie 20 kg zugenommen, das sei aber nur nebenbei erwähnt. Begründet in ihrer Rolle zeigt sie sich, wie eine frisch gebackene Mutter aussieht und verschafft der Figur Authentizität. Noch bedeutsamer ist, dass mit „Tully“ ein Gesellschaftsthema angesprochen wird, das noch immer zu wenig Beachtung findet. Was es bedeutet, Mutter zu sein und was Mütter täglich leisten und von unserer Gesellschaft dennoch als selbstverständlich hingenommen wird. Charlize Theron zeigt wie zerbrechlich das ‚Mutterglück‘ ist und in der Gesellschaft vielleicht offener darüber gesprochen werden müsste, wenn Frauen eben nicht alles schaffen, sondern Hilfe und Unterstützung bräuchten. Mit viel Humor wird ein viel zu wenig beachtetes Thema in den Mittelpunkt gerückt. Das Ende ist so überraschend, dass man mit Charlize Theron mitfühlen muss und der Zuschauer versteht, warum die Nacht-Nanny Tully so voller Lebensenergie und gleichzeitig unerklärlich unheimlich war.
Regisseur Jason Reitman und Drehbuchautorin Diablo Cody hatten vor über zehn Jahren mit dem Film „Juno“ einen weltweiten Erfolg. Diablo Cody sagt: Ich habe es zu meiner Aufgabe gemacht, Frauenrollen zu schreiben, die ich so noch nicht gesehen habe.“ Das ist gelungen, man muss bis zum Ende durchhalten, genauso eben, wie es Mütter auch oft machen müssen.

Interview mit Charlize Theron (Marlo)
…über ihre Rolle, das Drehbuch, Mutterschaft und das Verhältnis der Figuren zueinander ©dcm

„Tully“ läuft seit dem 31. Mai im Kino.

Von: Eileen Osei

Credits: Fotos und Audiodatei ©dcm