Newcomer des deutschsprachigen Films:
Maresi Riegner

Für die Februarausgabe der INTERVIEW wollten wir wissen: Wo ist er eigentlich, der Nachwuchs des deutschen Films? Gefunden haben wir sechs talentierte Jungschauspieler, die ganz am Anfang einer vielversprechenden Karriere stehen.

Foto: Sharif Hamza | Styling: Andreas Peter Krings
Maresi Riegner: “Was mich wirklich nervt, ist, dass ich so oft in diese Lolita-Rolle gedrängt werde. Ich wäre viel lieber die geerdete Powerfrau. ”
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Maresi Riegner, 24, hatte schon als Kind ein Faible dafür, sich in andere Charaktere zu versetzen. Mittlerweile studiert sie bereits im dritten Jahr am Schauspiel Konsersvatorium in Wien und hat im vergangenen Jahr an der Seite von Jonas Dassler Uns geht es gut abgedreht, der am 28. Januar 2016 Premiere feierte. Uns hat sie von ihren den ersten Erfahrungen und Hürden des Schauspielerdaseins erzählt.

„Ich habe schon als Kind sehr viel geschauspielert, nicht im Kindertheater oder so etwas, aber viel für mich selber. Ich habe mir früh viele Filme angeschaut und fand da manche Figuren so faszinierend, dass ich alles über sie wissen wollte. Ich habe mich dann auch so angezogen, die Texte auswendig gelernt und war über Monate in der jeweiligen Rolle drin. Aber das habe ich nur für mich selbst gemacht, nie für irgendwelche anderen. Cleopatra habe ich zum Beispiel ganz lange verkörpert oder auch Frida Kahlo. So bin ich dann sogar in die Schule gegangen. Ich war wohl schon eine komische Person. In der Pubertät wurde es mir dann allerdings peinlich, da war es vorbei mit der Verkleidung. Als ich später auf eine musische Schule kam, waren dort alle ein bisschen komisch, insofern hatte ich viele Freunde. Und irgendwann hat meine Mutter mich gefragt, warum ich nicht eigentlich Schauspiel mache. Für mich war das bis dahin nie ein wirklicher Beruf. Da war ich schon so 18 Jahre alt und habe es einfach mal ausprobiert, habe mich fürs Vorsprechen vorbereitet, und es hat beim dritten Mal geklappt.

Als ich auf die Schauspielschule kam, war ich irrsinnig schüchtern, was nun schon besser geworden ist. Ich glaube, dass die Schule mir dabei hilft. Zu Beginn gab es unglaublich viele Situationen, in denen ich mir gesagt habe: „Du musst jetzt mutig sein, du musst die Angst überwinden.“ Ich hatte zum Beispiel schlimme Angst vorm Singen, ich finde meine Stimme schrecklich. Im Zuge des Studiums müssen wir aber öffentlich singen, und ich dachte nicht, dass ich mich dabei wohlfühlen würde. Die ersten Töne waren furchtbar, aber als das Klavier dann einsetzte, kam die Energie. Ich stand auf der Bühne und wurde immer lauter und lauter, ich wollte gar nicht mehr aufhören. Ich versuche ständig zu beweisen, dass ich dieses fragile junge Mädchen gar nicht bin. Denn was mich wirklich nervt, ist, dass ich so oft in diese Lolita-Rolle gedrängt werde. Ich wäre viel lieber die geerdete Powerfrau. Das Problem ist einfach, dass ich so jung aussehe, ständig werde ich nach meinem Ausweis gefragt. Aber man will halt auch nicht darauf reduziert werden. Ich versuche, mir nicht alles gefallen zu lassen.“

Foto: Sharif Hamza | Styling: Andreas Peter Krings
Foto: Sharif Hamza | Styling: Andreas Peter Krings

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Von: Anneli Botz