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Lisa erobert die Welt

Vom Modeln über „Heute bin ich blond“ zu „Deutschland 83“ – und wieder zum Modeln zurück. Weil Loewe Lisa Tomaschewsky für eine Parfumkampagne gebucht hat, hat die 28-Jährige sogar wieder Spaß an ihrem alten Beruf. Zumindest ab und an.

Foto: Alessio Bolzoni | Styling: Andreas Peter Krings | Look: Emporio Armani - Hillier Bartley - Prada

Interview Was war das Beste an Deutschland 83?

Lisa Tomaschewsky Das Beste? Ich habe mich natürlich zuallererst gefreut, dass ich mit dabei bin. Als ich die Drehbücher gelesen habe, dachte ich nur: Was ist das denn? Das ist ja was ganz Neues.

Interview Das hat man gleich gemerkt?

Tomaschewsky Ja, weil die Spannung nie verloren gegangen ist. Manchmal hat man Drehbücher, bei denen man anfängt, nebenbei die Nägel zu lackieren oder die Geschirrspülmaschine ein- und auszuräumen.

Interview Wie räumt man denn eine Geschirrspülmaschine ein, während man liest? Mit einer Hand?

Tomaschewsky Na ja, nicht gleichzeitig, sondern zwischendurch.

Interview Mit Deutschland 83 wird es weitergehen – und zwar als Deutschland 86.

Tomaschewsky Ja, das habe ich gestern erfahren. Ich weiß allerdings noch nicht, ob ich dabei bin. Aber ich freue mich natürlich, dass es weitergeht. Die Serie selbst war ja leider nicht so erfolgreich in Deutschland.

Interview Können Sie sich erklären, warum?

Tomaschewsky Nein, aber ich finde es wahnsinnig schade. Ich denke dann: selber schuld! Wer die Serie nicht gucken will, verpasst etwas. Und das meine ich ganz unabhängig davon, dass ich mitgespielt habe. Und durch die guten Kritiken und den Erfolg im Ausland ist die Serie immer noch präsent, wodurch sich vielleicht auch irgendwann neue Arbeitsmöglichkeiten ergeben. Ganz abgesehen davon, dass sie ja nun für den Emmy nominiert ist.

Foto: Alessio Bolzoni | Styling: Andreas Peter Krings | Look: Loewe - Prada - Chloé

Interview Gab es schon internationale Angebote?

Tomaschewsky Direkte Angebote nicht, aber Castings. Es gibt ja viele, die sagen, dass sie Castings schrecklich finden, aber ich finde sie großartig.

Interview Wirklich?

Tomaschewsky Ja. Ich habe natürlich immer total Lampenfieber, aber man lernt und sieht, wie andere Leute arbeiten. Es ist oft auch witzig, weil man teilweise viel improvisieren muss. Man spielt etwa eine Verfolgungsjagd und rennt dreimal ums Sofa.

Interview Sie haben bereits mit 14 angefangen zu modeln. Wie muss man sich das vorstellen?

Tomaschewsky Ja, das war für eine Firma in Hannover, die es heute nicht mehr gibt und die Online-Shops verschiedener Hersteller beliefert hat. Danach habe ich dann ziemlich schnell international gearbeitet. Ich bin dann mal hierhin und dorthin geflogen. Meine Eltern wussten ja nichts davon.

Interview Wie das denn?

Tomaschewsky Ach, das weiß ich auch nicht mehr so genau, es war alles sehr chaotisch. Irgendwann hat sich mein Vater dann eingemischt und auf den Putz gehauen: „Also, Moment mal!“ Im Nachhinein muss man sagen, dass ich wohl ein wenig blauäugig war, aber ich bin gut davongekommen. Und es war auch sehr amüsant, obwohl ich das heute nicht noch mal so machen würde.

Interview In dem Alter ist man ja noch ein wenig naiv.

Tomaschewsky Ja, aber mein Vater hat mir schon früh beigebracht, stets ein gesundes Misstrauen zu haben und auf mich aufzupassen.

Interview Nach der chaotischen Anfangsphase ging es dann professionell weiter.

Tomaschewsky Ja, mit 18 bin ich nach Mailand gegangen. Eigentlich wollte ich dort nur drei Wochen bleiben, aber daraus wurde dann ein Jahr.

Interview Haben Sie mehr für Fotos oder auf dem Laufsteg gemodelt?

Tomaschewsky Für den Laufsteg bin ich zu klein. Ich habe das zwar ein-, zweimal gemacht, aber selbst wenn ich hohe Schuhe trage, bin ich immer noch die Kleinste. Hauptsächlich habe ich Beauty-Sachen gemacht. Und jetzt habe ich ja wieder damit angefangen.

Interview Für die Loewe-Kampagne mit Jonas Nay zusammen?

Tomaschewsky Ja, genau. Als ich vor vier Jahren Heute bin ich blond gedreht habe, musste ich mir eine Glatze rasieren und habe mir auch die Wimpern und Augenbrauen abgeschnitten – dadurch war es mit dem Modeln erst mal schwierig. Aber ich wollte es damals auch nicht mehr. Was ich wollte, war schauspielen. Und dadurch, dass ich in dem Bereich komplett neu war und zunächst meinen Weg finden musste, war es auch zu viel, mich mit zwei Sachen gleichzeitig zu beschäftigen. Ich hätte auch nicht wieder mit dem Modeln angefangen, wenn mich Loewe nicht gefragt hätte. Aber das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich das gern auch weitermachen würde.

Interview Das war also kein kurzer Ausflug?

Tomaschewsky Das schafft Abwechslung, das eine ist der Ausgleich zum anderen. Und viele Leute aus dem Modelbusiness kenne ich auch noch von früher. Es ist ganz lustig, wen man nach all den Jahren plötzlich wieder trifft.

Lisa Tomaschewsky: “Ich denke: selber schuld! Wer die Serie nicht gucken will, verpasst etwas”
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Interview Aber bevor wir zu der zweiten Phase Ihrer Modelkarriere kommen: Was kam nach der ersten? Verbotene Liebe, oder?

Tomaschewsky Ja, aber nur kurz. Das war mein allererstes Fernseh-Casting, und dann habe ich gleich eine Hauptrolle bekommen, was mich natürlich wahnsinnig gefreut hat. Ich dachte mir: Das probiere ich mal aus. Aber dann kam schon relativ schnell die Anfrage zu Heute bin ich blond.

Interview Die kamen auf Sie zu, obwohl Sie überhaupt keine Erfahrung hatten?

Tomaschewsky Ja, ich war in einer kleinen Agentur in Hamburg in der Modelkartei, und dann, nachdem ich einen Werbeclip gedreht hatte, hat man mich gefragt, ob ich mich auch für Schauspiel interessiere. Ich sagte Ja, weshalb ich in der Schauspielkartei landete und für Rollen vorgeschlagen wurde. So kam es zu Verbotene Liebe und anschließend auch zu Heute bin ich blond.

Interview Es lief also alles bestens.

Tomaschewsky Ja, aber es ist natürlich auch ungünstig für beide Seiten, bei einer Serie anzufangen und dann nach ein paar Folgen gleich wieder auszusteigen. Aber weil ich damals eine OP am Weisheitszahn hatte, hätte ich sowieso nicht weitermachen können.

Interview Es wäre sonst wohl auch schwierig gewesen, der Welt der Daily Soaps wieder zu entfliehen.

Tomaschewsky Ja, für mich war das gut.

Interview Gerade läuft mit Ihnen der Film Verrückt nach Fixi in den Kinos.

Tomaschewsky Ja, bei dem Film ging es für mich um die große Frage, wie man eine Gummipuppe zum Leben erwecken kann, ohne dass es völlig bescheuert wirkt, oder so, dass es derart bescheuert wirkt, dass es wieder gut ist.

Interview Und wie ist es?

Tomaschewsky Einige finden es bescheuert. Aber ich bin recht zufrieden damit, weil der Film ganz gut ankommt. Das ist ja eine Teeniekomödie, ein Genre, in dem ich bislang noch nichts gemacht habe. Und die Vorbereitung der Rolle hat wahnsinnig Spaß gemacht. Meine Schauspiellehrerin Kristiane Kupfer und ich haben uns nur totgelacht …

von Harald Peters

 

Credits:

Haare: TEiJI UTSUMI/BRYANT ARTISTS | Make-up HELENA NARRA/LIGANORD | Produktion: Pandora GRAESSL/GRAESSL STUDIO | Digital Operator: ANNA MONTESI/Numerique Retusche: Numerique | Foto-Assistenz: KRISTINA WEINHOLD | Styling-Assistenz: ALISA VORNEHM, MARIE-THERESE HAUSTEIN

10.11.2016 | Kategorien Magazin, Serie | Tags , , ,

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