The Get Down -
What is all the fuzz about?

Mit „The Get Down“ bietet Netflix seine bisher teuerste Eigenproduktion zum Streamen an. Bereits vor Wochen ist ein regelrechter Hype um die Hip-Hop-Serie mit Jaden Smith ausgebrochen. Woran das liegt? Das sind die Fakten!

„Das hier ist nicht Disneyland, das ist die Bronx!“ Genauer gesagt – die South Bronx. Es ist Mitte der 1970er Jahre. Während der Rest des Big Apple dem Disco-Fieber erlegen ist, wird im Norden der Stadt eine neue Musikrichtung geboren: Hip-Hop, damals noch „The Get Down“ getitelt. Eine Zeit, in der Korruption und Armut die Bronx beherrschen und das Schwarzen-Viertel buchstäblich in Flammen aufgeht.

Was nach Sackgasse klinge, sei jedoch ebenso eine Ort grenzenloser Möglichkeiten gewesen, erklärt Nelson George, einer der Drehbuchautoren von The Get Down, sinngemäß. Inmitten von Gangs und Graffiti seien die Hoffnung und der Ehrgeiz gewachsen, der Bronx zu entkommen. Jene Aufbruchstimmung einer jungen, gierigen Generation hat Luhrman bei seinem Serien-Debüt auf ansteckende Weise aufgegriffen, nicht zuletzt dank einer brillanten Besetzung. Selbst dem Hip-Hip-Ungebildeten eröffnet sich bereits im ersten Trailer eine Szene, dessen Entwicklung man unbedingt weiterverfolgen möchte.

Obwohl The Get Down keine Dokumentarserie ist, basiert Netflix‘ neueste Binge-Watching-Verführung auf wahren Begebenheiten der damaligen Zeit. Möglich machen dies die Erzählungen von „Zeitzeugen“ wie Ikone Grandmaster Flash und DJ Kool Herc. Daneben stand Luhrman bei der Produktion unter anderem Rapper Nas zur Seite, der sich noch lebhaft an die Bronx der 70er erinnern kann und von einer „Welt auf einem anderen Planeten“ spricht. Erst lange, nachdem Nas und Kollegen nach den Sternen griffen, scratchten und rappten, kommt Jaden Smiths Karriere ins Rollen. Jahrgang: 1998. Der Hip-Hop hat sich mittlerweile etabliert, Größen wie Jay-Z hervorgebracht und wahrscheinlich bereits mehrfach neu erfunden.

 

Grandmaster Flash | @ Getty Images

Für The Get Down nahm der 18-Jährige unter anderem Nachhilfe bei seinem Vater Will, der mit Grandmaster Flash vor langer Zeit gemeinsam auf Tour war. Die übrige Crew um Luhrman hat Jaden mitunter schon im heimischen Wohnzimmer kennengelernt, bevor der Regisseur ihm die Rolle des Marcus „Dizzee“ Kipling, ein Graffiti-Künstler aus der Bronx, auf den Leib schneiderte.
Im Zentrum von The Get Down steht allerdings nicht Jaden, sondern ein anderer Smith: Justice Smith alias MC Ezekiel, der sich in irgendwo zwischen Ghettoparty, Herzschmerz und Schießerei wiederfindet. Begleitet wird der Teenager auf seiner Reise unter anderem von Shameik Moore, Giancarlo Esposito (Breaking Bad) und einer Reihe Newcomern, die wir auf dem Radar behalten sollten.
MC Ezekiel (Justice Smith) erwacht beim Rap-Battle zum Leben, seine große Liebe Mylene (Herizen Guardiola) muss sich ihren Weg auf die Bühne durch den Widerstand ihrer religiösen Eltern bahnen, Discobetreiber Cadillac (Yahya Abdul-Mateen II) gibt den eleganten Bösewicht und Grandmaster Flash hütet seine Hip-Hop-Schäfchen. Dazu drängen sich eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Charaktere ans Pult, für dessen Geschichte sich Luhrman zwölf Episoden Zeit gelassen hat.

In diesem Jahr sind zunächst nur die ersten sechs Folgen verfügbar, 2017 folgt die zweite Hälfte. Schuld daran sei die „sehr aufwendige Postproduktion“. Luhrman, in dessen Schoß nach ein paar Personalentscheidungen schließlich die komplette kreative Leitung der Serie fiel, hat jedoch nicht nur eine aufwendige, sondern vor allem extrem teure Show geschaffen. Angeblich hat The Get Down insgesamt rund 120 Mio. US-Dollar gekostet, sprich 10 Mio. pro Folge. Nur zum Vergleich: Sogar Über-Serie Game of Thrones war günstiger. Für jene Unsumme bekommt der Zuschauer ein grellbuntes Coming-Age-Drama mit opulenten Gesangspassagen, Tanzeinlagen, aber auch fabelhafte Seventies-Fashion.

Sketch via Hollywood Reporter

MC Ekeziel und seine Crew tragen Seidenblousons zum High-Top-Sneaker und verpassen dem Puma-Comeback einen ordentlichen Schub. Für das Prädikat Funky ist Costume Designerin Jeriana San Juan verantwortlich, die nicht nur wahre Schätze aus dem Halston Archiv holen durfte, sondern sich auch bei Guccis letzter Kollektion bediente und von Diane von Fürstenbergs legendärem Wrap-Dress inspirieren ließ. San Juan kramte Westen aus Lurex, Seidenshorts und Satin-Jacken hervor.

Zum Mode-Flashback liefert The Get Down erwartungsgemäß große Hits der 70er. Auf dem Soundtrack finden sich sowohl Songs einiger Cast-Mitglieder als auch von Zayn, Nas, Christina Aguilera sowie neue Stücke aus der Feder mehrerer Grammy-Preisträger, die schon für Eminem und Kanye West komponiert haben. Das Album führe in die verschiedenen Musikrichtungen und -stile der Serie ein, so Luhrman.

In den Augen des Regisseurs ist die Bronx der 1970er gleichzusetzen mit dem Paris der 1890er oder der Ära großer italienischer Opern. Aus welcher Quelle sei auf einmal all die Kreativität gesprudelt, fragt Luhrman? Wir sind gespannt, ob The Get Down Antworten liefert. Ab heute steht die Serie beim Streamingdienst Netflix bereit. Bei uns können Sie vorab noch einmal den offiziellen Trailer sehen.

 

von Alexandra Bentz

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