Pharell Williams trifft Buzz Aldrin

Als Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 seinen Fussabdruck im Staun des Mondes hinterliess, war Pharrell Williams noch nicht geboren. Heute hat der Astronaut nur ein Ziel: die Besiedelung des Mars.

Foto: Original BBC astronaut & IceCream logos, from 2004, with Pharrell at the launch of the first BBC collection in Tokyo, at BAPE Harajuku, aus: 'Pharrell: Places And Spaces I ́ve Been'; Rizzoli New York

BUZZ ALDRIN: Junge, wie geht’s?

PHARRELL WILLIAMS: Ziemlich gut! Mann, ich bin so ein großer Fan von dir – und das sage ich jedes Mal, wenn wir uns sehen, ich weiß.

ALDRIN: (lacht) Vielen Dank! Ich habe gehört, du hast dich mal mit meinem alten Freund, dem Astronomen Carl Sagan, unterhalten.

WILLIAMS: Leider hatte ich nie die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, ich kenne aber seine Tochter. Er hat ja schon früh mit der NASA zusammengearbeitet und war an der Verschickung des anodisierten goldenen Datenträgers beteiligt (1977 mit den Voyager-Sonden 1 und 2, Anm. d. Red.).

ALDRIN: Ja, klar, ich war erst kürzlich mit dem Typen in New York essen, der sein Nachfolger wurde: Neil deGrasse Tyson, er leitet das Hayden-Planetarium. Er ist bekannt geworden, weil er daran mitgewirkt hat, Pluto von einem Planet herabzustufen.

WILLIAMS: Wow! Den kenne ich auch, er ist ziemlich oft im Fernsehen zu sehen.

ALDRIN: Darauf kannst du wetten! Ja, er hat ein paar großartige Programme am Laufen. Wir sitzen gemeinsam in einem Ausschussder sich mit der Zukunft der amerikanischen Raumfahrt beschäftigt. Wir stehen gerade an einem Scheideweg: Wohin soll die Reise im All gehen? Da hängt mittlerweile viel Politik dran.

WILLIAMS: Ich dachte immer, ihr fliegt als Nächstes zum Mars.

ALDRIN: Yep! Das war immer mein großes Anliegen, schon seit Langem. Aber jetzt ist die Zeit reif, genauer hinzusehen und konkret zu planen. Davon handelt auch mein nächstes Buch: The Road Map to Mars. Wir müssen die unterschiedlichen und spezifischen Missionen festlegen, die vonnöten sind, wenn wir wirklich zu den Monden des Mars aufbrechen wollen. Davon gibt es zwei, Phobos und Deimos, und von diesen aus können wir mit der Errichtung einer Basis auf dem Mars beginnen, bevor dann Menschen dorthin fliegen.

WILLIAMS: Wie würde das vonstattengehen? Und wie effizient wäre es, zumal die Strahlung dort doch um ein Vielfaches stärker ist?

ALDRIN: Das ist sie. Wenn man die Strahlungsgürtel, die die Erde umschließen, hinter sich gelassen hat. Bisher haben dies 24 Amerikaner getan, als sie auf dem Mond waren. Du bist 1973 in Virginia Beach geboren – und all das passierte vor deiner Geburt.

WILLIAMS: Ja.

ALDRIN: Wir haben also ein großes Erbe, das wir schultern müssen. Dennoch denke ich, ebenso wie viele andere Leute aus der Branche, dass wir keine neuen und teuren Missionen brauchen, um noch mehr NASA-Astronauten zum Mond zu schicken. Ich glaube, Roboter, die wir aus der Umlaufbahn steuern, können die meisten wissenschaftlichen Aufgaben auf der Oberfläche erledigen. Und hoffentlich beginnt dann der kommerzielle Bergbau am Südpol des Mondes. Dort, in den Schatten der Krater, liegen Eiskristalle. Das Eis dort wurde über Millionen Jahre von Asteroiden und Kometen abgelagert und kann später dann in der Umlaufbahn zu Wasser umgewan- delt werden. Das wiederum wird in Wasserstoff und Sauerstoff geteilt, und daraus gewinnen wir Brenn- stoff. Das kann in Depots um den Mond herum gelagert werden, für Leute, die dorthin wollen. Aber die Vereinigten Staaten von Amerika sollten, abgesehen von den Robotern, den Mond außen vor lassen. Wir sollten uns vielmehr mit den Transportmöglichkeiten beschäftigen, die uns zum Mars befördern könnten. Wenn wir dort eine Basis auf der Oberfläche errichtet haben, können wir die Leute hochschicken, die gemeinsam mit denen von Phobos die letzten Vorbereitungen treffen können: Denn diese Menschen werden danach anfangen, eine Siedlung aufzubauen – eine Siedlung als permanenter Wohnort für zukünftige Marsianer.

WILLIAMS: Das klingt großartig!

ALDRIN: Und wann schreibst du ein paar ordentliche Rap-Stücke darüber?

WILLIAMS: Oh, Rap, Rock, Pop, R’n’B, vielleicht sogar ein paar Country-Songs!

ALDRIN: Kannst du das machen?

WILLIAMS: Sehr wohl, der Herr.

ALDRIN: Ich habe mal einen Rap-Song aufgenommen, der hieß The Rocket Experience. Dafür konnte ich Snoop Dogg und Talib Kweli überreden, bei Beats und Musik zu helfen. Und ein paar Leute aus meinem Team, eigentlich nur die Mädchen, sangen den Refrain. Dazu habe ich dann gerappt.

WILLIAMS: Wow.

ALDRIN: Ich bezweifle jedoch, dass es ein Nummer-eins-Hit wird. Wir machen auch gar kein Album… Aber du kennst doch auch meinen alten Freund Quincy Jones, oder?

WILLIAMS: Natürlich. Er ist mein Mentor und musi- kalischer Pate.

ALDRIN: Er ist ein starker Typ. Und er hatte zudem jede Menge Freundinnen.

WILLIAMS: Niemand feiert härter als Quincy! Buzz, ich hab noch ein paar Fragen für dich vorbereitet.

ALDRIN: Schieß los!

Foto: Walter McBride/Corbis

WILLIAMS: Die Physik basiert auf den Gesetzen, die der Beschaffenheit jedes Planeten folgen. Wir kennen die Eigenschaften der Elemente und Mineralien auf der Erde. Kann es also sein, dass diese in unterschiedlicher Form auf anderen Planeten existieren, da dort andere Anziehungskräfte herrschen? Hat dies eine Auswirkung auf die Eigenschaften von Mineralien?

ALDRIN: Die Gesetze der Physik gelten im gesamten Universum. Sterne gibt es in unterschiedlichen Grö- ßen, und manchmal treten sie als Paare, als sogenannte Doppelsterne auf. Manchmal stehen sie alleine für sich, und es scheint, als hätten mehr und mehr Sterne unserer Galaxie, der Milchstraße, Planten bei sich, die um sie kreisen. Als ich geboren wurde, wussten wir nicht einmal, dass in unserer Galaxie mehr Planeten außer den bekannten neun, Pluto eingeschlossen, überhaupt existieren. Seither haben wir Hunderte von Planeten entdeckt – auch wenn diese sehr weit entfernt sind. Der nächstgelegene Stern ist Alpha Centauri… Nach dem Urknall hat sich das Universum mehr als 13 oder 14 Milliarden Jahre ausgedehnt. Der Durchmesser unserer Galaxie beträgt 100 000 Licht- jahre, was sich für uns gewaltig anhören mag, es gibt jedoch Milliarden anderer Galaxien. Am Licht dieser Galaxien und ihrer Sterne, das sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet …

WILLIAMS: … mit unglaublichen 299 792 458 Metern pro Sekunde!

ALDRIN: Exakt! Daran können wir irgendwann ablesen, was dort passiert ist, lange bevor wir überhaupt auf unserem Planeten wohnten. Es ist wirklich verblüffend, über die enorme Größe des Universums nachzudenken – und über diesen kleinen Planeten, auf dem wir sitzen, hier in einer von Milliarden Galaxien. Dabei handelt es sich eher um einen Durchschnittsplaneten, nicht in der Nähe des Zentrums, nicht irgendwo am Rand. Und trotzdem können wir in klaren Nächten zu den nebeligen Mustern der Milchstraße hochblicken, die aus Milliarden von Sternen besteht, die so sind wie unsere Sonne.

WILLIAMS: Und viele dieser Sterne, die wir sehen oder von denen wir wissen, existieren gar nicht mehr, sind längst verglüht. Das Licht benötigt trotz seiner unglaublichen Geschwindigkeit einfach so lange, bis wir es sehen.

ALDRIN: Ja, es kann sein, dass sie nicht mehr da sind. Und das Einzige, was wir derzeit machen können, ist, via Radiowellen, die sich ebenfalls mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, folgenden Gruß an die Sterne dort oben zu senden: „Hey, Jungs, seid ihr noch da?“ Und dann empfängt vielleicht ein Erdenbürger in Tausenden von Jahren die Antwort: „Yeah, wir sind immer noch da! Was willst du wissen?“

WILLIAMS: (lacht) Das wäre fantastisch! Wenn man die Drake-Gleichung …

ALDRIN: … du kennst die Drake-Gleichung?

WILLIAMS: Yes, Sir! Wenn man die Drake-Gleichung außer Acht lässt, gibt es, schätze ich, ungefähr 900 Milliarden Planeten. Wäre es da nicht anmaßend zu denken, wir seien die einzigen Lebewesen in diesem Universum?

ALDRIN: Es gilt, was Carl Sagan gesagt hat: „Außer- gewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhn- liche Beweise.“ Es gibt so unglaublich viele Dinge, die wir nicht einmal ahnen! Dort draußen wartet so viel Wissen, von dessen Existenz wir heute nichts wissen.

WILLIAMS: Ich glaube, wenn die Menschen die Wei- ten jenseits unseres Sonnensystems erahnen könnten, würden sie vermutlich anfangen, sich ein klein wenig anders zu verhalten. Aber die Achtung vor der Leistung der Weltraumforschung ist noch nicht so verbreitet, sonst würden wir uns doch nicht gegenseitig in die Luft jagen und Dinge erfinden, die unsere Welt zerstören können. Ich meine, mal abgesehen von der Entdeckung anderer Lebewesen, wenn man sich nur mal diese unendliche Weite bewusst macht, wie kann man da noch streiten wollen und über was? Wenn Kinder die neun Planeten – oder acht, wie Neil de- Grasse Tyson sagt – kennenlernen, schauen sie meist nur in ein zweidimensionales Buch. Wenn man sich die Mühe machen würde, ihnen zu zeigen, was da draußen wirklich zu sehen ist, dann würden die Menschen mehr auf ihr Zuhause achten. Denn es ist das einzige, das wir haben, zumindest heute.

BUZZ ALDRIN: “DAS EINZIGE, WAS WIR DERZEIT MACHEN KÖNNEN, IST EINE BOTSCHAFT ZU DEN STERNEN SCHICKEN: ,HEY, JUNGS, SEID IHR NOCH DA?’ VIELLEICHT EMPFÄNGT IRGENDEIN MENSCH IN TAUSENDEN VON JAHREN DANN: ,YEAH, WAS WILLST DU?' ”
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ALDRIN: Da stimme ich dir hundertprozentig zu. Wir sollten viel mehr über die Welt lernen, darüber, wie sie funktioniert. Und da kommt die Weltraumforschung ins Spiel: Wir können Roboter einsetzen, um das Weltall zu erkunden, und wenn möglich, können wir hinterherfliegen und alles mit eigenen Augen be- trachten. Das bringt uns in Wissenschaft, Technologie und mathematischen Fragen erheblich weiter.

WILLIAMS: Gab es eigentlich Erlebnisse in deinem Job, die auf außerirdisches Leben hindeuteten?

ALDRIN: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob es irgendwo noch andere Lebewesen gibt. Aber es gab zwei besondere Erlebnisse, die vor mir noch niemand beobachtet hatte. Das erste war während eines ge- glückten Spaziergangs im Raumanzug außerhalb der Gemini. Als ich meinen Daumen und meinen Finger aneinanderrieb, sah ich plötzlich so ein Leuchten oder kleine Funken dazwischen – und das im Weltall, wo es keine Luft gibt. Das war ein sehr außergewöhnliches Auftreten von Elektrizität innerhalb eines Vakuums. Die zweite Beobachtung passierte auf dem Rückweg vom Mond: Wir haben das Licht ausgeschaltet und uns vor der Sonne abgeschirmt, die ins Raumschiff ballerte, dann habe ich Blitze und Lichtstreifen im Raumschiff gesehen. Neil Armstrong und Mike Collins, mit denen ich zusammen war, haben nichts gesagt. Aber Neil hat etwa 100 dieser Blitze ebenfalls gesehen. Dann hat sich bei der nächsten Mondfahrt herausgestellt, dass die Besatzung dieses Leuchten sogar mit geschlossenen Augen sehen konnte. Man vermutet, dass es auf die sehr, sehr kleinen, aber kräftigen Partikel zurückzuführen ist, die im All vorkommen und die das Raumschiff und den menschlichen Körper durchdringen. Sie bewegen sich durch die Augenlider, treffen die Retina und verursachen dort eine Entladung.

WILLIAMS: Sind das zufällig Z-Partikel gewesen?

ALDRIN: Ja, genau. Wenn sie in dein Gehirn gelan- gen, verursachen sie den Abbau von Gehirnzellen. Vielleicht brauchen wir einen Football-Helm aus Blei, der diese Partikel absorbiert. Es ist noch eine Menge Forschung über Strahlung nötig und auch über die Langzeitwirkung von Schwerelosigkeit, gerade was unsere Knochen und Muskeln betrifft. Wir erfahren immer mehr, deshalb hoffe ich, dass wir demnächst die Möglichkeit haben, uns außerhalb des Strahlungsgürtels aufzuhalten, der die Erde umgibt und schützt, und einen längeren Zeitraum ohne Anziehungskraft sein können, die sich auf die Muskeln und Knochen auswirkt. In den nächsten 20 oder 30 Jahren könnten wir dann wirklich so weit sein, die ersten Menschen auf den Mars zu schicken, die die ersten Bewohner in einer neuen Welt sein könnten.

WILLIAMS: Wow, das wird unglaublich. Ich bin mir sicher, dass wir das eines Tages wirklich machen werden. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist der Gesetzentwurf doch schon durch, oder? Zumin- dest was die Erkundung des Mars angeht.

ALDRIN: Na ja, es bedarf noch einer Menge Anstren- gung der Regierung, um festzulegen, was der ver- nünftigste Kurs für die Vereinigten Staaten ist. Ich glaube, es ist wichtig, dass die USA bei diesen inter- nationalen Bestrebungen voranschreiten, sodass vielleicht zum 50. Jubiläum unserer Mondlandung der Präsident die Möglichkeit haben wird, eine ähnliche Rede zu halten wie einst Kennedy. Und wenn er das im Jahr 2019 tut, dann werden wir schon 2040 auf dem Mars leben können.

WILLIAMS: Ist es eigentlich möglich, von der Erde aus die amerikanische Flagge und den Mondwagen zu sehen? Mit einem Teleskop vielleicht?

ALDRIN: Bei der Flagge bin ich mir nicht sicher. Alle Fahnenstangen sind umgekippt, denn beim Raketenstart gibt eine mächtige Druckwelle, das wirbelt rich- tig Staub auf. Die NASA-Bilder zeigen aber die Fahrspuren des Wagens, und vermutlich kann man nach beträchtlicher Vergrößerung auch die Wagen sehen, die bei den Apollo-Missionen genutzt wurden.

WILLIAMS: Wow …

ALDRIN: Wir haben gerade kürzlich wieder einen Blick darauf geworfen, und man kann den Weg sehen, den Neil Armstrong gegangen ist, um sich den Krater anzusehen, den wir überfliegen mussten.

WILLIAMS: Ich muss mir unbedingt so ein Super-Teleskop besorgen, damit ich mir das angucken kann.

ALDRIN: Ich fürchte, du kriegst keines, das so eine hohe Auflösung hat. Pharrell, ich muss sagen, das war eines der interessantesten und erhellendsten Gespräche, die ich mit einem echten Rapper und Produzen- ten hatte. Ich danke dir sehr.

WILLIAMS: Ich danke dir! Ich habe den größten Respekt davor, was du für diesen Planeten geleistet hast. Es gibt nur einen Buzz – und ohne dich gäbe es auch keinen Buzz Lightyear.

ALDRIN: Ich denke, Pixar muss das mehr würdigen. Grüß Quincy, wenn du ihn siehst.

WILLIAMS: Das mache ich. Danke!

26.12.2017 | Kategorie Interview of the Day | Tags ,