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Krysten Ritter war mal eine beliebte, einigermaßen erfolgreiche Schauspielerin, die in Serien wie Breaking Bad und Veronica Mars in Nebenrollen zu sehen war. Doch die Zeiten sind vorbei. Jetzt ist sie Jessica Jones. Eine New Yorker Privatdetektivin mit mieser Laune, die zu viel trinkt und auf Hausdächer springen kann – die Superheldin der Herzen. Als wir ihren Kollegen Jason Schwarzman fragten, ob er sie für uns interviewen würde, zögerte er keine Sekunde und unterbrach dafür sogar seinen Urlaub.

Fotos: Heji Shin, Styling: Clare Byrne

In ihrer Kindheit hatte Krysten Ritter exakt drei Berufswünsche. Sie wollte Schauspielerin, Musikerin und Schriftstellerin werden. Zumindest in zwei Punkten hat sie ihr Ziel erreicht. Die 34-Jährige, wohnhaft in Los Angeles, veröffentlichte 2012 mit ihrer Band Ex Vivian ein gleichnamiges Album, und als Schauspielerin arbeitet sie spätestens seit 2003, als sie in Mona Lisas Lächeln mit Julia Roberts als Kunststudentin einen Auftritt hatte. Sie tauchte in der zweiten Staffel von Veronica Mars auf, war für acht Episoden Rory Gilmores Freundin Lucy in Gilmore Girls und musste als Jesses Freundin Jane in der zweiten Staffel von Breaking Bad an ihrem Erbrochenen ersticken. Vergangenes Jahr konnte man sie neben Amy Adams, Christoph Waltz und Jason Schwartzman in dem Künstlerdrama Big Eyes im Kino sehen – alles wunderbare Rollen, doch natürlich wenig im Vergleich zur hemdsärmeligen, sozial gestörten Privatdetektivin Jessica Jones.



JASON SCHWARTZMAN: Hallo Krysten, darf ich dir sagen, wie sehr ich Jessica Jones liebe? Die Show ist so wahnsinnig gut, wobei ich sagen muss, dass ich von Comics und Superhelden überhaupt keine Ahnung habe. Aber ich mag die Figur, die du spielst. Mich würde interessieren, ob du für die Rolle viele Detektivgeschichten gelesen hast. Ich habe einmal einen Detektiv gespielt und versucht, so viele Bücher zu lesen, wie ich konnte. Schon diese Art, wie die Figuren miteinander sprechen, so grobschlächtig und poetisch. In einem Roman von Raymond Chandler gibt es diesen Satz: „She had a face like a bucket of mud.“

KRYSTEN RITTER: Ein schönes Kompliment!

SCHWARTZMAN: Ich liebe so was. Aber es ist wirklich schwer, diesen Ton in unsere Welt zu übertragen. Aber genau das ist dir gelungen. Wie hast du das gemacht?

RITTER: Mit der Privatdetektiv-Sache habe ich mich erst ganz zum Schluss beschäftigt. Das Drehbuch bekam ich übrigens zu der Zeit, als du und ich die Pressearbeit für Big Eyes gemacht haben.

SCHWARTZMAN: Ich erinnere mich.

RITTER: Ich hatte keinen Kontakt zum Regisseur und auch zu sonst niemandem aus der Show. Also habe ich mir die Figur mit meinem Schauspiellehrer erarbeitet. Und die letzte Frage, die wir uns stellten, lautete: „Warum ist sie eigentlich Privatdetektivin?“ Die Antwort fiel mir erst ein, als ich bereits in New York war, im Grunde kurz vor Drehbeginn: Sie ist Privatdetektivin, weil sie nichts anderes kann. Sie ist düster und kaputt, und sie hasst es, mit anderen Leuten umzugehen. Aber als Privatdetektivin kann sie nachts arbeiten, hält dadurch die Menschen auf Distanz und kann im Dienst trinken. Und sie kann ihre besonderen Fähigkeiten für sich einsetzen. Jessica Jones wäre auf dem regulären Arbeitsmarkt schwer vermittelbar, aber als Privatdetektivin kann sie sich vom Rest der Welt isolieren. Eigentlich ganz einfach.

SCHWARTZMAN: Ja, man denkt nicht oft darüber nach, aber Privatdetektive sind im Grunde einsame Wölfe.

RITTER: Und der Job ist moralisch zweifelhaft, es gibt keine Regeln. Vornehmlich ist man damit beschäftigt, Leuten beim Sex nachzustellen, weil man in erster Linie von betrogenen Männern und Frauen angeheuert wird. Man bewegt sich also in den Grauzonen des menschlichen Verhaltens.

SCHWARTZMAN: Hast du mal einen Privatdetektiv getroffen?

RITTER: Nein, habe ich nicht, obwohl, stimmt gar nicht, da war jemand beim Dreh, der mal als Privatdetektiv gearbeitet hat. Lustigerweise trug er tatsächlich einen Fedora-Hut und hat gesprochen wie der Detektiv aus Falsches Spiel mit Roger Rabbit.

SCHWARTZMAN: Du meinst Bob Hoskins. Der ist als Privatdetekiv übrigens vollkommen unterschätzt.

RITTER: Als Kind habe ich diesen Film geliebt. Ich habe Roger Rabbit bestimmt tausendmal gesehen.

SCHWARTZMAN: Der Film hat mich umgehauen. Die Idee mit der Suppe! Erinnerst du dich an die Suppe?

RITTER: Die Suppe, na klar! Die Suppe, die für die Toons (Zeichentrickfiguren) tödlich ist.

SCHWARTZMAN: Ich stelle mir immer vor, wie die Drehbuchschreiber auf die Idee gekommen sind: „Hey Leute, wir brauchen irgendein Bedrohungsszenario für die Toons! Schusswaffen funktionieren nicht. Aber wie wäre es damit: eine toxische Flüssigkeit, in die man sie wie in eine Suppe eintaucht.“ „Cool! Und wie nennen wir die Suppe?“ „Die Suppe nennen wir Suppe, wie denn sonst?“

RITTER: Haha, total einfallsreich!

SCHWARTZMAN: Aber zurück zur Serie! Ich muss sagen, dass ich nicht besonders viele Serien kenne. In den Neunzigern habe ich viel MTV gesehen, was mein Hirn ein wenig in Mitleidenschaft gezogen hat. Seither kann ich mich nicht mehr über einen längeren Zeitraum konzentrieren. Aber Jessica Jones, das ist die Serie für mich.

RITTER: Was gefällt dir daran?

Fotos: Heji Shin, Styling: Clare Byrne

SCHWARTZMAN: Dass die Figuren kaum Wirbel um sich machen. Alles ist sehr unaufgeregt und subtil.

RITTER: Stimmt.

SCHWARTZMAN: Wie war der Drehplan? Die erste Folge spielte komplett im Dunkeln. Mir wurde beim Zuschauen so kalt, dass ich mir extra einen Pullover übergezogen habe – dabei war ich in L. A.

RITTER: Beim Drehen war mir auch immer kalt.

SCHWARTZMAN: War es ungemütlich?

RITTER: Es war der schwierigste Job, den ich je hatte. Als wir anfingen, gab es gleich einen Schneesturm. Und so war es die ganze Zeit, ein Schneesturm nach dem anderen. Es war so kalt, dass man nicht mal zum Einkaufen vor die Tür wollte, von 16-stündigen Nachtdrehs ganz zu schweigen. Hinzu kam, dass meine Klamotten nicht dafür gemacht waren. Wenn man genau hinschaut, kann man sehen, dass meine Hosen in manchen Szenen etwas enger sitzen als in anderen, was daran liegt, dass ich unter der Hose noch eine andere Hose trage.

SCHWARTZMAN: Du meinst lange Unterhosen?

RITTER: Ja, genau. Mitunter hatte ich Tränen in den Augen, weil mir so kalt war. Wir mussten sogar Szenen wegen der Minustemperaturen verschieben – nicht aus Rücksicht auf mich, sondern wegen der Technik.

SCHWARTZMAN: Wie hast du dich fit gehalten?

RITTER: Ich habe sehr viel gegessen – man verbrennt ja unglaublich viele Kalorien, wenn man die ganze Zeit zittert. Und ich habe versucht, genug zu schlafen, um nicht schlecht drauf zu kommen. Obwohl miese Laune der Darstellung von Jessica Jones gewiss nicht schadet.

SCHWARTZMAN: Vielleicht hast du Glück, und die nächste Staffel wird im Frühling gedreht.

RITTER: Ja, vielleicht. Aber Netflix und Marvel haben einen ausgetüftelten Plan. Es geht ja nicht nur um Jessica Jones, sie ist nur Teil eines Puzzles. Neben ihr gibt es auch noch Daredevil, der ja als Erster eine Serie bekam. Als Nächstes wird es eine Serie zu Luke Cage geben, der bereits in Jessica Jones einen Auftritt hatte, und als letzte Serie kommt Iron Fist. Und dann spielen wir alle gemeinsam in der Serie The Defenders.

SCHWARTZMAN: Ach, du bist eine von vier. Es wird also nicht so sein, dass du eine Staffel nach der anderen drehst?

Krysten Ritter: “Ich war in letzter Zeit so viel unterwegs, dass ich, wenn ich zu Hause bin, mich nur aufs Sofa setze und stricke”
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RITTER: Ja, vielleicht, keine Ahnung, wahrscheinlich.

SCHWARTZMAN: Toll!

RITTER: Ja, so oder so ist es großartig.

SCHWARTZMAN: Ich mag es, dass man das Gefühl hat, bei Jessica Jones in guten Händen zu sein. Obwohl sie trinkt, immer müde ist und schlechte Laune hat, wäre man bei ihr bestens aufgehoben, wenn die Kacke am Dampfen ist.

RITTER: Total!

SCHWARTZMAN: Dazu muss sie nicht einmal viel reden und versuchen, sich interessant zu machen. Sie ist einfach aus sich heraus interessant.

RITTER: Dabei gibt es viele Szenen, in denen man sie nur allein in ihrer Wohnung sitzen sieht. Aber so, wie die Serie gefilmt ist, hat man das Gefühl, man würde in ihren Kopf kriechen. Und zum Glück wird nicht allzu viel erklärt. Man hat darauf vertraut, dass ich ihre Ge- schichte von mir aus rüberbringen kann.

SCHWARTZMAN: Ist es schwer, allein in einem Zimmer zu spielen? RITTER: Nicht wirklich. Allerdings wurde es ein wenig langweilig, als wir die Szenen, in denen ich allein war, nacheinander geschossen haben. Meine Kollegen hatten an diesen Tagen frei. Also habe ich Freunde von mir ans Set bestellt, um mir nicht ganz so isoliert vorzu- kommen. Wobei, auch Isolation ist für die Rolle nicht schlecht.

SCHWARTZMAN: Was für Musik hörst du gerade – im Leben und bei der Arbeit?

RITTER: Ach Gott, ich war in letzter Zeit so viel unterwegs, dass ich, wenn ich zu Hause bin, mich einfach nur aufs Sofa setze und stricke. Zum Glück sorgt Adam (Granduciel, Ritters Freund und Kopf der Band The War on Drugs) dann für die Musik. Eigentlich bin ich diejenige, die die Playlisten zusammenstellt, aber gerade kommt mir selbst das zu anstrengend vor. Jedenfalls läuft bei uns gerade viel Warren Zevon.

SCHWARTZMAN: Oh Mann, wirklich? Warren Zevon ist so toll. Kannst du mir sagen, welches Album?

RITTER: Im wichtigsten Stück (Accidentally Like a Martyr vom Album Excitable Boy) geht es um einen Märtyrer.

SCHWARTZMAN: Zevon ist so faszinierend. Aber erzähl mir vom Stricken! Das hört sich an, als sei es ein wunderbares Hobby.

RITTER: Ich habe mit dem Stricken schon als kleines Mädchen angefangen, mich dann aber lange nicht damit beschäftigt – bis Adam eingezogen ist. Ich musste nämlich das Haus aufräumen, um Platz
für seine Sachen zu schaffen. Dabei habe ich meine alten, unfertigen Stricksachen entdeckt. Und ich dachte mir: „Hey, das sieht nach Spaß aus!“ Und seitdem bin ich darauf hängen geblieben. Ich mag es ein- fach, Sachen mit meinen Händen zu machen. Es ist so befriedigend, weil man das Resultat seiner Arbeit ja sofort vor sich hat. Und man kann die Sachen verschenken.

SCHWARTZMAN: Das ist toll.

RITTER: Ja, und viel persönlicher als ein Gutschein von Amazon.

SCHWARTZMAN: Warte mal, ich muss kurz mal all die Geschenkgutscheine wieder abbestellen.

RITTER: (kreischt)

SCHWARTZMAN: Bist du eigentlich viel für die Serie unterwegs?

RITTER: Diese Woche geht es gerade, aber davor war ich in Frank- reich, Italien, Spanien, Japan, Brasilien, zwischendurch gab es immer wieder kurze Abstecher nach New York – in den vergangenen Monaten konnte ich definitiv jede Menge Vielfliegermeilen sammeln. Ich werde gleich mal schauen, wo ich Urlaub machen könnte.

SCHWARTZMAN: Musstest du vorher schon mal weltweite Promo für deine Arbeit machen?

RITTER: Noch nie.

SCHWARTZMAN: Hat es dir gefallen?

 

Fotos: Heji Shin, Styling: Clare Byrne

RITTER: Auf jeden Fall ist mir jetzt erst klar geworden, wie viel Arbeit dahintersteckt. Und es war natürlich interessant zu sehen, wie Leute in anderen Ländern auf die Serie reagieren. Und da ich wahn- sinnig stolz auf die Serie bin, rede ich auch gern darüber. Aber ich war noch nie an einer Sache beteiligt, die so groß war. Vorher war ich für Interviews immer nur in New York oder L.A., und das war’s.

SCHWARTZMAN: Hat man dir komische Fragen gestellt? Du musst jetzt nicht sagen, in welchen Ländern, aber gab es Fragen wie diese (verstellt seine Stimme): „Sie spielen Jessica Jones. Sie ist eine Seelen- sucherin. Sind Sie auch eine Seelensucherin, Krysten?“

RITTER: (lacht) Ja, Sachen wie: „Jessica Jones hat eine traumatische Vergangenheit. Was ist Ihre traumatischste Erfahrung?“

SCHWARTZMAN: Ach du meine Güte!

RITTER: Oder Leute fragen: „Jessica Jones ist eine Superheldin. Welche Superkräfte hätten Sie gern?“

SCHWARTZMAN: Geht es dir auch so, dass du bei Interviews in anderen Ländern automatisch den Akzent des jeweiligen Gastlandes annimmst? Für mich ist es eine Art, direkter mit den Leuten zu kom- munizieren (spricht mit italienischem Akzent): „Die Show handelt für mich von …“

RITTER: Jason, das ist verrückt!

SCHWARTZMAN: Aber ich mache das nicht mit Absicht. Es hat mich auch schon mal ein Kollege nach einem gemeinsamen Interview gefragt: „Warum redest du, als kämest du aus ihrem Land?“

RITTER: Hahaha!

SCHWARTZMAN: Gibt es Sachen bei Jessica Jones, auf die man in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich reagiert? Gibt es Witze, die man in manchen Kulturkreisen nicht versteht? Obwohl ich glaube, dass Jessica Jones ziemlich universell funktioniert.

RITTER: Ja, in Japan haben meine Witze nie funktioniert. Erst werden die Fragen unfassbar lange übersetzt, dann antwortet man, und dann muss die Antwort übersetzt werden. Unglaublich zäh.

SCHWARTZMAN: Und dann kichert man vielleicht und alle schauen einen fragend an, was das nun wieder soll.

RITTER: Was ich aber sagen kann, ist, dass Frauen ganz besonders stark auf die Serie reagiert haben. Das Superhelden-Universum von Marvel weckt ja ganz bestimmte Erwartungen. Und die werden in diesem Fall ganz bewusst nicht erfüllt. Ich meine, die Hauptfiguren der Serie sind alle starke Frauen. Das ist sehr ermutigend.

SCHWARTZMAN: Wie gesagt, kenne ich mich mit Comics und Detektivgeschichten nicht so genau aus, aber gibt es in der Kulturgeschichte überhaupt andere berühmte Frauen, die Privatdetektivinnen sind?

RITTER: Ich glaube nicht. Man geht wohl davon aus, dass es Männerarbeit ist.

SCHWARTZMAN: Musstest du dafür viel trainieren?

RITTER: Ja, und wie. Es macht auch Spaß, allerdings dauert es drei Monate, bis sich der Körper verändert.

SCHWARTZMAN: Das ist lustig, dass du das sagst. Ich habe einmal drei Monate lang trainiert, und bei mir hat sich gar nichts verändert.

RITTER: Du musst einfach härter trainieren, als du es eigentlich tun würdest. Du brauchst einen Trainer. Was der noch alles aus dir rausholen kann, ist unglaublich. Zunächst macht einen das Training wirklich fertig, aber wenn man spürt, dass man Fortschritte macht, so nach zwei Wochen etwa, kommt man auf den Geschmack. Allerdings bleibt es anstrengend, weil man sechs Tage die Woche trainiert. Und man muss viel essen. Die ganze Zeit Hühnchen und jede Menge Eier – ziemlich ekelhaft.

SCHWARTZMAN: Aber du musstest nicht während des Drehs trainieren?

Krysten Ritter: “Es war der schwierigste Job, den ich je hatte. 􏰧􏰑􏰉􏰄􏰥􏰁􏰃􏰄􏰎􏰂􏰍􏰂􏰅􏰀􏰂􏰦􏰄􏰅􏰎􏰯􏰄􏰀􏰉􏰄Als wir anfingen, gab es 􏰧􏰑􏰉􏰄􏰥􏰁􏰃􏰄􏰎􏰂􏰍􏰂􏰅􏰀􏰂􏰦􏰄􏰅􏰎􏰯􏰄􏰀􏰉gleich einen Schneesturm”
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RITTER: Idealerweise schon, aber bei dem Drehplan war das gar nicht möglich. Ich war ja praktisch in jeder Szene vor der Kamera und hatte kaum frei. Allerdings hatte ich Hanteln in meinem Wohnwagen und habe zwischendurch Liegestützen mit dem Team gemacht.

SCHWARTZMAN: Wirklich?

RITTER: Ja! Ich habe gefragt: „Wer hat Lust, mit mir 20 Liegestütze zu machen?“ Du wärst überrascht, wie viele Leute dazu Lust hatten. Die meisten brauchen nur ein wenig Motivation. Manchmal haben wir zu zehnt Liegestützen gemacht. Das schweißt auch zusammen.

SCHWARTZMAN: Was kommt bei dir als Nächstes?

RITTER: Keine Ahnung. Etwas, das sich von Jessica Jones unterscheidet? Etwas, das vielleicht ein wenig heiterer ist?

SCHWARTZMAN: Vielleicht etwas, das tagsüber in L. A. spielt?

RITTER: Ja, genau. Drehbücher, die mit L. A. zu tun haben, lese ich als Erstes. L. A. oder Karibik.

SCHWARTZMAN: Oh Gott, die nächste Frage klingt so bekloppt, aber ich meine das völlig ernst: Hast du einen Traumort?

RITTER: Du meinst zum Entspannen? Zum Entspannen mag ich Tulum. Da war ich schon ziemlich oft.

SCHWARTZMAN: Da war ich noch nie.

RITTER: Was, noch nie? Es ist toll da. Leider haben die dort gerade ein Algenproblem.

SCHWARTZMAN: Du meinst Seetang?

RITTER: Ja, stinkende Algen. Die ganzen Strände sind voll damit. Die gesamte Karibik hat das Problem. Ziemlich schlimm. Wenn du Bilder davon googelst, verstehst du, was ich meine.

SCHWARTZMAN: Ich schau mir die Bilder gerade an – ist ja furchtbar!

RITTER: Ja, als ich im September in Tulum gewesen bin, war es wirklich schlimm. Aber davon abgesehen mag ich es dort. Ganz einfache, Yoga-inspirierte Eco-Chic-Hotels mit Smoothie-Bar am Wasser. Ich mag Wasser. Die Sonne ist mir gar nicht so wichtig, aber ein paar Mal im Jahr Zeit am Strand zu verbringen ist für mich das Paradies.

SCHWARTZMAN: Liest du momentan ein Buch? Liegt irgendwas auf deinem Nachttisch, von dem wir als Leser erfahren dürfen?

RITTER: Ja, klar. Ich bin gerade mit allen reißerischen, erfolgreichen Büchern von 2015 durch. Und jetzt habe ich mit Das Rosie-Projekt angefangen, aber ich bin wirklich ganz am Anfang und kann noch nichts über das Buch sagen. Und natürlich habe ich Girl on the Train gelesen.

SCHWARTZMAN: War das gut?

RITTER: Weil es so spannend war, hat es zumindest mein Interesse am Lesen wiederbelebt. Normalerweise lesen wir ja nur Drehbücher und vergessen darüber, dass es ja auch noch andere Bücher gibt.

SCHWARTZMAN: Absolut.

RITTER: Jedenfalls habe ich allen meinen Freundinnen das Buch geschenkt. Und dann habe ich auch Gillian-Flynn-Romane gelesen, und für Adam habe ich die Tom-Petty-Biografie besorgt.

SCHWARTZMAN: Und wie ist die?

RITTER: Keine Ahnung. Sie ist gerade erst draußen. Hast du die Doku gesehen?

SCHWARTZMAN: Mein Gott, so gut!

RITTER: Drei Stunden lang, aber keine Sekunde zu viel.

SCHWARTZMAN: Ich habe mir gerade Questloves Buch geholt, Mo’ Meta Blues, das macht wirklich Spaß, und dann gibt es zwei Bücher, die du Adam besorgen solltest. Das eine heißt Guitar Man von Will Hodgkinson, das würde dir bestimmt auch gefallen. Bei dem anderen bin ich mir allerdings nicht so sicher. Wenn ich sage, worum es geht, rollst du bestimmt mit den Augen. Aber es macht wirklich Spaß, es heißt Strat in the Attic. Jedes Kapitel erzählt davon, wie jemand eine irre seltene Gitarre auf dem …

RITTER: … Dachboden findet?

SCHWARTZMAN: Ja, meine Frau und ich lagen gestern bis 3 Uhr wach und haben über einen Typen gelesen, der an einer alten Gitarre die Farbschichten abgekratzt hat, bis er die Seriennummer freigelegt hatte. Ich liebe das Buch. Adam würde es bestimmt gefallen, ich meine, er beschäftigt sich ja sowieso mit solchen Sachen. Ich würde sogar sagen, dass er davon besessen ist, wenn das nicht so negativ klänge.

RITTER: Ja, er stöbert ständig auf Ebay rum und lächelt selig vor sich hin. Ich frage: „Was guckst du dir an?“ Und er sagt: „Ich schaue mir dieses riesige Mischpult an!“ Er hat sich das Mischpult dann in Nash- ville gekauft.

SCHWARTZMAN: Er hat sich ein Mischpult gekauft?

RITTER: Tatsächlich sind es sogar zwei.

SCHWARTZMAN: Was? Kein Wunder, dass du bei dir zu Hause Platz schaffen musstest.

RITTER: Das habe ich auch gedacht: „Äh, wo willst du das aufbauen?“

SCHWARTZMAN: Du weißt, dass das bedeutet, dass die Platten fortan bei euch im Haus aufgenommen werden? Aber ich mag das. Tame Impala machen das auch. Kennst du Tame Impala?

RITTER: Ich liebe Tame Impala.

SCHWARTZMAN: Es gibt Videos davon, wie Tame-Impala-Platten aufgenommen werden. Da sieht man, wie ein Typ in einem Zimmer auf die Aufnahmetaste drückt und dann ins nächste Zimmer sprintet und irgendein Instrument spielt – so lustig!

RITTER: Wirklich?

SCHWARTZMAN: Ja, ich schicke dir den Link.

RITTER: Ja, mach das bitte unbedingt.



Fotos: Heji Shin, Styling: Clare Byrne, Haare: Pamela Neal/Exclusive Artists Management, Make-up Amy Nadine, Produktion: Claude Gerber, On-Set Produktion: Lucy Chinen, Fotoassistenz: Ramsey Alderson, Stylingassistenz: Lucas Dawson, Dank an Murray Hidary & Laura Braun.

06.01.2018 | Kategorie Interview of the Day | Tags ,