Der Meister der Koloration:
ANDREAS KURKOWITZ
im Interview

Andreas Kurkowitz Colouring Studio in Berlin | Foto: Julia Luka Lila Nitzschke

Früher hat er Graffitis gesprüht, heute ist er Kolorist. Andreas Kurkowitz ist der Meister der Haarkolorationen und hat nun sein Studio in Berlin eröffnet. Im Interview erzählt er von den Klischees seines Berufes, den Jobs für die größten Modemagazine der Welt, den Trends der Laufstege und von peinlichen Momenten.



INTERVIEW: Du warst ja früher mal Graffiti Sprayer. Heute bist du Kolorist. Ein auf den ersten Blick ungewöhnlicher Werdegang.

KURKOWITZ: Das kann schon sein. Ich habe vor Jahren jemanden per Zufall kennen gelernt, der Kolorist war. Ich kannte den Beruf zuvor gar nicht, immerhin macht man in Deutschland meistens beides: Haare schneiden und färben. Das ist im Ausland anders. Der Typ hat mich dann mit in den Salon genommen und ich war total fasziniert von seiner Arbeit. Auf einmal war ich Assistent bei einem Koloristen.

 

INTERVIEW: Das ist nun 10 Jahre her.

KURKOWITZ: Ja und mittlerweile kann ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen als Beruf.

 

INTERVIEW: Hat dir dein Background als Sprüher weiter geholfen?

KURKOWITZ: Womöglich. Das Gefühl für Farben und deren Komposition war ja bei mir schon immer vorhanden.

 

INTERVIEW: Und dann auch noch das Klischee, dass die meisten Koloristen homosexuell sind. Du aber nicht.

KURKOWITZ: Ich glaube das ist aber eher so ein deutsches Klischee. Die meisten Koloristen in Großbritannien, mit denen ich zusammen arbeite, sind hetero. Dort ist es für einen Mann ganz normal, Friseur oder Kolorist oder Makeup Artist zu werden.

 

INTERVIEW: Du hast bereits massenhaft Preise im Friseurbereich abgestaubt. Was macht dich als Haarkünstler aus?

KURKOWITZ: Es ist komisch, weil wirklich viele sagen, der Beruf des Koloristen sei ein künstlerischer Beruf. Das sehe ich überhaupt nicht so. Ich mache den Leuten die Haare schön, Punkt.

 

INTERVIEW: Preise gewinnt man allerdings mit eher außergewöhnlichen und ja, kunstvollen, Kreationen.

KURKOWITZ: Ja, aber dennoch geht es im Alltag beim Koloristen darum, eine Farbe für den Kopf zu kreieren, die natürlich aussieht. Bei Showevents will man natürlich Außergewöhnliches sehen, deshalb kann man die Arbeit zum Salon gar nicht vergleichen.

 

INTERVIEW: Für deinen Job fliegst du um die Welt und kolorierst auch bei den größten Modeschauen von Louis Vuitton, Saint Laurent und Co. Inwiefern profitieren deine Salonkunden davon?

KURKOWITZ: Sie können sich darauf verlassen, dass ich den neuesten Wissensstand was Kolorationen betrifft habe. Die Trends, die bei Modeschauen gezeigt werden, werden oftmals erst ein halbes Jahr später von den Magazinen aufgegriffen. Viele Koloristen orientieren sich dann erst an den Magazinen. Wenn ich live bei den Modeschauen vor Ort bin, habe ich alle Trends bereits gesehen und selbst gefärbt, bevor es andere Koloristen haben.

 

INTERVIEW: Gibt es Trends, die für dich bereits total vorbei sind?

KURKOWITZ: Platinblonde bis weißblonde Haare zum Beispiel. Das haben wir bei den Schauen schon vor über einem Jahr gemacht. Viele Kunden fragen aber heute trotzdem danach. Die berate ich dann gerne, dass der Trend bereits wieder zum natürlichen Look geht.

Andreas Kurkowitz | Foto: Julia Luka Lila Nitzschke

INTERVIEW: Die Frage, die bei einem Experten wie dir natürlich gestellt werden muss: Was ist derzeit bei Kolorationen angesagt?

KURKOWITZ: Back to Nature, heißt die Devise! Das heißt, die eigene Haarfarbe zurück bekommen und diese nur mit Gloss und einzelnen Akzenten unterstreichen.

 

INTERVIEW: Gibt es beim Kolorieren Unterschiede zu Deutschland und dem Ausland?

KURKOWITZ: Definitiv was die Wichtigkeit und die Spezifizierung der Fachkräfte angeht. In England zum Beispiel gibt es im gesamten Beautybereich Spezialisten für jede Themen. Es gibt dort Leute, die den ganzen Tag zum Beispiel nur Nägel lackieren – und sonst nichts anderes machen. Oder eben wie ich nur Haare kolorieren und nicht schneiden. Der Vorteil für die Kunden: Sie bekommen bei jedem Thema das bestmögliche Ergebnis. In Deutschland ist dieses Denken noch nicht so weit. Hier macht in einem Beautysalon oft eine Kosmetikerin alles. Maniküre, Pediküre, Augenbrauen färben, Wimpern verlängern, Gesichtsbehandlungen und Massagen. Das bestmögliche Ergebnis bekommt man dort meist nicht.

 

INTERVIEW: In England wird Beauty aber auch groß geschrieben.

KURKOWITZ: Dort ist die Pflege des eigenen Körpers genauso wichtig wie ein teures Paar Schuhe zu kaufen. Hier in Deutschland sagen sich viele: „Für meine Schuhe gebe ich 100 Euro aus, mein Haarschnitt darf nur 20 Euro kosten.“ Total verquer!

 

INTERVIEW: Du hast kürzlich deinen eigenen Salon in Berlin eröffnet – Andreas Kurkowitz Colouring. Ist das bei dem deutschen Denken nicht ein Risiko?

KURKOWITZ: Es ist riskanter als im Ausland, ja. Allerdings beschäftige ich auch Friseure, die sich auf das Haareschneiden spezialisiert haben. Bei uns bekommt man also das bestmögliche Ergebnis, weil jeder Angestellte sein Steckenpferd hat und auf seinem Gebiet Spitzenklasse ist.

 

INTERVIEW: Gibt es unter den Koloristen dann nochmal Spezialgebiete was die einzelnen Haarfarben betrifft?

KURKOWITZ: Das nicht, aber es ist in der Tat so, dass 70 Prozent der Kunden heller gefärbt werden wollen. Das sollte man also drauf haben. Ein guter Kolorist traut sich aber auch an große Typveränderungen ran.

 

INTERVIEW: Einige Models wurden weltweit auch erst bekannt, als ihre Haare drastisch umgefärbt wurden.

KURKOWITZ: Das stimmt, einige Models haben ihre Karrieren einer neuen Haarfarbe zu verdanken. Das deutsche Model Larissa Hoffmann zum Beispiel wurde international erst bekannt, seitdem ihre Haare schwarz gefärbt wurden.

 

INTERVIEW: Was war das Erlebnis in deinem Job, das dir noch lange in Erinnerung bleiben wird?

KURKOWITZ: Letze Saison haben zwei Koloristen und ich zu dritt fünfzig Models für Prada färben müssen. Wir hatten 24 Stunden dafür Zeit – die Haarfarbe des letzten Models ist fünfzehn Minuten vor der Show fertig geworden. Das war ganz schön verrückt!

 

 

INTERVIEW: Was ist das Peinlichste an deiner Berufsgruppe?

KURKOWITZ: Wenn Koloristen ein Mal Madonna die Haare gefärbt haben und dann noch Jahre später in Interviews erzählen, sie seien Madonnas persönlicher Kolorist – das ist total peinlich!

 

Termine im Salon ANDREAS KURKOWITZ COLOURING gibt es unter der Telefonnummer 030/33308118 oder per Email an dennis@andreaskurkowitz.com . Alle Updates erhält man zudem auf Facebook

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