"Ich glaube nicht an den Zufall, ich glaube an das Schicksal."

Baptiste Giabiconi hat schon Karl Lagerfeld inspiriert. Er war die Muse des Modezars. Nach dem Interview mit dem Männermodel wissen wir warum. Eine strahlende Persönlichkeit hat sich uns offenbart.

Mit 19 Jahren wurde Baptiste Giabiconi von Karl Lagerfeld zu seiner neuen Muse auserkoren. Er wurde das höchstbezahlteste Männermodel der Welt und zierte zahlreiche Cover. Es gibt ein Leben danach, wenn man die Muse von Kaiser Karl war. In Berlin war er Teil der Jury des New Body Awards by McFit Models und er ist selbst noch immer ein gefragtes Männermodel. Im Interview hat er uns mit vielen Aussagen überrascht und vor allem inspiriert. Wie einst Kaiser Karl.

 

EILEEN OSEI: Darf ich Sie fragen, was Sie heute morgen zum Frühstück gehabt haben?

BAPTISTE GIABICONI: Zum Frühstück habe ich ein bisschen Müsli gegessen und Magerquark, null Prozent Fett, ein Omelette, aber nur aus Eiweiß, weil im Eiweiß das Protein enthalten ist und im Eigelb viel Fett. Das Eigelb esse ich also nicht.

E O: Sie beschäftigen sich also sehr stark mit ihrer Ernährung. Gucken Sie immer ganz genau was Sie essen, oder ist auch mal eine Pizza oder ein Croissant erlaubt?

Baptiste Giabiconi beim New Body Award-©Mcfit Models

B G : Also ich esse sehr gerne, ich esse gerne gut. Wie jeder denke ich, aber ich habe mir eben einen festen Rahmen gesteckt. Ich mache die ganze Woche über eifrig Sport und ernähre mich sehr gut, aber am Samstag mache ich immer eine Ausnahme. Mittags und abends esse ich dann absolut was ich will. Auch wenn das eine Pizza, ein Burger, oder ein Kebap ist. So vermeide ich, dass ich frustriert werde und vor allem kann ich gleich guten Mutes die nächste Woche in Angriff nehmen, denn der nächste Samstag kommt bestimmt.

E O: Also haben Sie einen „Cheat Day“ einmal in der Woche!

B G: Der Körper erinnert sich nicht daran, wenn er einmal in der Woche einen „Cheat Day“ hatte, das merkt der gar nicht. Als ob man überhaupt nichts gegessen hätte an dem Tag.

E O: Hätten Sie vielleicht Interesse ein Buch über Ernährung zu veröffentlichen?

B G: Also ein ganzes Buch, ich glaube, dafür bin ich jetzt nicht spezialisiert genug, aber vielleicht schreibe ich mal ein Buch über mein Leben und wie das so verlaufen ist. Denn das war ja ziemlich untypisch und besonders was mir passiert ist. Aber ich warte noch ein bisschen, bis ich noch mehr zu sagen habe, vielleicht 10 oder 20 Jahre. Auf jeden Fall glaube ich an meinen guten Stern und ich tue alles dafür, damit mein guter Stern noch immer gut strahlt. Deshalb habe ich mir auch meinen Ernährungsrahmen gesteckt, damit ich weiterhin gut arbeiten kann und ich meinen Kunden das geben kann, was sie von mir erwarten. Ich glaube das heißt es seine Kunden zu respektieren und das ist mir sehr wichtig.

E O: Wie war denn damals der Moment, als sie als Model entdeckt worden sind? Das war in einem Fitnessstudio. Was haben sie gedacht?

B G: Dieser Moment in meinem Leben…Ich hatte damals gerade begonnen zu arbeiten, in der Luftfahrt, wohnte in aller Ruhe zu Hause bei meiner Mutter und bin immer jeden Tag nach der Arbeit fünf Mal pro Woche trainieren gegangen. So habe ich langsam Selbstvertrauen aufgebaut. Als ich diese Person kennen gelernt habe, die mit mir ein paar Fotos machen wollte, habe ich mich zuerst sehr gewundert, ich war sehr überrascht und ich hatte auch ein bisschen Angst. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Deshalb habe ich erstmal abgewartet. Als die Person mich dann ein zweites Mal gefragt hat, hab ich mir gedacht, nochmal wird sie sie dich bestimmt nicht fragen. Also habe ich mir gesagt, komm machen wir das, zu verlieren habe ich nichts.

E O: Sie sind die Muse von Karl Lagerfeld geworden. Ein Ritterschlag in der Branche. Wie kam denn diese Zusammenarbeit überhaupt zustande?

Foto: Getty Images

B G: Wie alles zustande kam…Ich glaube nicht an den Zufall, ich glaube an das Schicksal. Was geschehen soll, das ist geschrieben. Es gab eigentlich nichts, was darauf hingewiesen hätte, dass wir uns irgendwann im Leben begegnen. Wir kommen nicht aus dem selben Milieu, wir haben nicht mal in der selben Stadt gelebt und ich hatte mit der Mode eigentlich gar nichts zu tun. Aber es ist dennoch passiert und ich glaube deshalb ist unsere Beziehung so stark. Nicht nur als Freundschaft, sondern unsere Beziehung ist so stark, dass ich ihn – Tatsache – als Vater betrachte.



- Happy Birthday Dad -

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“Karl ist wirklich jemand, den ich zutiefst liebe und zu dem ich sehr viel Vertrauen habe. Er ist mein großer Vertrauter und mein großer Berater.”
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B G: Bei uns ist nichts überlegt, wir sind einfach vom Leben füreinander bestimmt und das lassen wir auch so zu. Karl ist wirklich jemand, den ich zutiefst liebe und zu dem ich sehr viel Vertrauen habe. Er ist mein großer Vertrauter und mein großer Berater. Er hat mir schon sehr viele Ratschläge in meinem Leben gegeben, er hat mir enorm viel geholfen und hilft mir auch noch weiterhin. Im Grunde denke ich, dass unsere Beziehung so besonders ist, dass es dafür gar kein Wort gibt.

E O: Das klingt wirklich großartig. Sie waren seine Muse, was inspiriert Sie denn jeden Tag?

B G: Ich sage immer Karl ist für mich viel mehr, als eine Schule es hätte jemals sein können! Ich war in der Schule nicht besonders gut, ich war kein guter Schüler, habe mich in der Schule auch nie so richtig wohl gefühlt, aber durch Karl habe ich sehr viel gelernt. Ich habe viele Kenntnisse erhalten, zu denen ich sonst nie einen Zugang gehabt hätte. Die ganze Weltoffenheit, die er mir vermittelt hat, die ganzen Menschen, die ich durch ihn kennen gelernt habe und einfach dadurch, dass ich viele, viele Stunden an seiner Seite verbracht habe. Dabei ist es aber jetzt nicht so, als ob er mich belehrt, oder mein Lehrmeister ist. Es passiert einfach so, durch die viele Zeit, die wir zusammen verbringen. Dadurch hat er mich weitergebracht und er hat auch meine ganze Lebensanschauung weiterentwickelt und verändert.

E O: Nun haben sie mit Ellen von Unwerth zusammen gearbeitet und einen tollen Kalender herausgebracht. Gibt es für Sie einen Unterschied mit einer Frau als Fotografin zu arbeiten, statt mit einem Mann?



B G: Ich empfand die Zusammenarbeit wirklich als ganz anders, aber sehr toll. Wir hatten beide so viel Freude und Spaß daran. Ellen ist einfach fantastisch. Sie hat ihre eigene Vision von Mode und sie hat ihren ganz persönlichen Ausdruck. Alles was Ellen macht hat einen hohen Wiedererkennungswert, sie hat ihre eigene DNA. Man weiß sofort es war sie. Ellen strahlt so viel Lebensfreude und Energie aus, die sie auch sehr gut kommuniziert. Wir haben sehr, sehr schnell gearbeitet. Durch die viele Energie und unsere gute Verständigung. Den Kalender haben wir in London in einer alten Werkstatt fotografiert, es war wirklich großartig. Es war eine tolle Erfahrung für uns beide und wir haben uns versprochen, dass wir wieder gemeinsam arbeiten werden.



E O: Was machen Sie noch aktuell? Sie haben auch mal Musik gemacht.

B G: Heute konzentriere ich mich wirklich auf meinen Beruf als Model. Ich lebe nun in London. Ich reise sehr viel. Die Mode ist mein wichtiges Standbein und auch die Tatsache, dass ich Präsident eines Fußballclubs, nämlich vom FC Martigues, in Südfrankreich bin. Was die Musik betrifft, würde ich gerne als Produzent arbeiten und anderen Künstlern mit meinem eigenen Label helfen, die in einer anderen Plattenfirma vielleicht nicht den Platz bekommen haben, der ihnen gebührt.

E O: Wie kam es dazu, dass sie Präsident von einem Fußballclub geworden sind?

B G: Seit meiner Kindheit habe ich eine große Leidenschaft für den Fußball gehabt, als Kind aus Marseille natürlich für den Olympique Marseille. Ich hatte Lust meiner Region etwas von dem was sie mir in meiner Kindheit, in meiner Jugend geschenkt hat, zurückzugeben. Ich liebe meine Region und meine Heimatstadt Marseille sehr.

E O: Im nächsten Monat haben Sie Geburtstag und werden 28 Jahre, wo sehen Sie sich denn in 20 Jahren?

B G: Sie sind die erste Journalistin, die daran gedacht hat, dass ich bald Geburtstag habe! Gut vorbereitet!

E O: Natürlich habe ich zu ihnen viel recherchiert!

B G: 20 Jahre sind zu weit weg, das kann ich mir noch nicht vorstellen. Aber ich hoffe schon mal, dass ich meine vielen Vorhaben in fünf oder zehn Jahren abgeschlossen habe und dann können wir uns ja nochmal sehen, hier oder woanders und dann reden wir über die nächsten 10 Jahre.

Ich baue mir heute schon meine Zukunft auf, auch für die Zeit, wenn ich nicht mehr arbeiten werde, die Welt wird immer schwieriger. Die Jugend die nach uns kommt, wird es noch schwerer haben als wir. In den sozialen Netzwerken werde ich oft gefragt, könnte ich nicht auch Model werden? Oder auch auf der Straße von Müttern, die zücken dann ihr Telefon und zeigen mir ihre Kinder, guck mal wie schön mein Kind ist. Aber für Eltern sind die eigenen Kinder immer die schönsten, ganz klar.

E O: Wenn wir uns in zehn Jahren wieder treffen, haben Sie vielleicht schon eigene Kinder.

B G: Auf jeden Fall habe ich dann Kinder. Jetzt werde ich 28, aber später möchte ich auch Zeit für meine Kinder haben. Ich möchte nicht Kinder haben, die sagen wenn sie 15 oder 18 sind, ich habe dich nie gesehen. So stelle ich mir das nicht vor, ich möchte für meine Kinder da sein können. Mit ungefähr 35 werde ich bestimmt meine Kinder bekommen. Es ist sehr wichtig, dass man die Staffel auch mal weitergeben kann, dass man eine Familie hat. Familie, Blut- das ist sehr wichtig.

E O: Ein schönes Ziel. Zu den sozialen Medien. Auf ihrem Instagram Kanal betiteln sie einige Fotos mit dem #POP. Sehen Sie einen neuen Trend in der Mode? Gibt es da einen Trend in die Richtung der Popkultur?

“In der letzten Zeit haben wir sehr viel exzentrisches gesehen, vieles war künstlich und unnatürlich. Ich möchte eher, dass wir uns heute im Stil natürlicher darstellen.”
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B G: In der Mode ist für mich immer alles in einem Zyklus, alles ändert sich und dreht sich. In der letzten Zeit haben wir sehr viel exzentrisches gesehen, vieles war künstlich und unnatürlich. Sei es in der Mode, oder in den sozialen Netzwerken, es wurde viel mit Photoshop gearbeitet. Das finde ich nicht so gut. Ich möchte eher, dass wir uns heute im Stil natürlicher darstellen, nicht zu aufgetakelt. Auch bei Frauen finde ich es schöner, wenn das Make-up und auch die Haare nicht so vollkommen verrückt sind, sondern eher natürlich. Ich sage fast „back to basic“, aber gleichzeitig sollte eine Frau auch sexy sein.

E O: Wie war es denn für Sie die Kandidatinnen und Kandidaten beim New Body Award zu bewerten? Gefiel Ihnen die Arbeit in einer Jury?

B G: Die Show war fantastisch, die Qualität der Darbietung war sehr gut. Die Juryarbeit war sehr interessant, dadurch konnte ich meine Fachkenntnisse einfließen lassen. Alle Kandidaten und Kandidatinnen hatten viel Potenzial, es waren untypische Persönlichkeiten dabei, mit viel Charakter. Die Botschaft, des Sports und die Werte die dabei unterstrichen werden, entsprechen auch den Werten, die mir selbst wichtig sind. Zu viel Magerkeit, oder sogar Magersucht, dass viele Models krank werden in unserer Branche, ist nicht gut in unserem Geschäft.

E O: Was bedeutet denn Sport für sie?

B G: Seid ich in Berlin zu Besuch bin, habe ich noch gar keine Zeit für Sport gehabt, das ärgert mich, das fehlt mir jetzt. Sport ist für mich sehr wichtig, besonders für die Psyche, aber natürlich vor allem auch körperlich, weil mein Körper, das ist, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Sport ist mir also sehr wichtig.

E O: Gefällt Ihnen denn Berlin?

B G: Ich liebe Berlin!

E O: Vielen Dank für das schöne Gespräch!

B G: Ich danke auch. Vielen Dank!

 

Interview: Eileen Osei