"Wie riecht Berlin, Viktor & Rolf?"

Tuberose kommt ihnen nicht ins Haus, aber vielleicht Einhörner? Wir haben bei Viktor & Rolf nachgefragt.

SUSANNE KRAMMER: Sie sind gerade in Berlin gelandet – wie riecht denn die Stadt so für Sie?

ROLF : Frisch! Eine grüne Stadt. Mit frischer Luft. Richtig erholsam.

S K : Interessant. Mancher Berliner wird das Gegenteil behaupten.

ROLF : Das ist meine Assoziation, und außerdem ist es hier immer und überall ruhig, egal wohin du gehst. Es gibt so viel Platz!

S K : Als Sie vor zwölf Jahren Ihr Parfum „Flowerbomb“ auf den Markt brachten, gab es ein Dinner in London, angepasst an die Ingredienzien des Duftes. Wie schmeckt „Flowerbomb Bloom“?

ROLF : Von Luft kann man ja leider nicht abbeißen. Aber Luft ist der wichtigste Inhaltsstoff unseres neuen Duftes.

VIKTOR : Auf jeden Fall etwas mit Kräutern. Der Frischluftakkord erinnert mich an die Berge. Bergwiesenkräuter – ein Käse vielleicht?

S K : Ihr Duft „Sage Spell“ aus der „Magic Collection“ vertreibt angeblich Geister. Was kann „Flowerbomb Bloom“? Erzählen Sie uns bitte etwas über Feen und Einhörner.

VIKTOR : Ich liebe Einhörner.

ROLF : Zu „Flowerbomb Bloom“ gibt es bisher keine solche Geschichte. Vielleicht sollten wir eine erfinden.

S K : Erfinden wir gemeinsam eine. Gibt es Einhörner bei Ihnen im Atelier?

ROLF : Leider nein. „Bloom“ ist unsere Waffe der Transformation. Wir können alles in etwas Wunderschönes verwandeln oder zumindest in etwas Schöneres, das Negative in etwas Positives transformieren.

S K : Von wem stammt die Idee mit dem Frischluftakkord?

ROLF : Wir haben den Parfümeuren erklärt, dass wir einen Duft kreieren wollen, der luftig riecht. Wir wollten ein neues Frisch kreieren. Wir sind keine Nasen, also haben wir uns einfach durch alle Optionen geschnuppert, die uns zu dem Wort Frische angeboten wurden.

VIKTOR : Aber es waren die Parfümeure, die die flüssige Luft ins Spiel brachten.

S K : Aber Luft riecht doch eigentlich nach nichts.

VIKTOR: Wir haben lediglich das Wort Luft in den Raum gestellt. Eine Fantasie. Aber wir hatten keine Ahnung, ob sie sich verwirklichen lässt.

S K : Verlieren Sie die Lust an einer Idee, wenn es dann bis zu zwei Jahre dauern kann, bis ein Parfum fertig ist?

VIKTOR : Nein. Es gibt für jedes unserer Produkte eine Art Spur, der wir folgen. Bei Parfum ist das Gute, dass wir das Mischungsverhältnis im Kreationsprozess wieder und wieder ändern können. Darin besteht der wesentliche Unterschied zur Herstellung einer Modekollektion. Sind dort die Stoffe erst einmal bestellt und zugeschnitten, gibt es kein Zurück mehr. Einen Duft können wir perfektionieren, ohne jeglichen Druck.

S K : Aber es gibt doch eine Deadline, wenn das Parfum zu den Händlern soll?

VIKTOR : Im schlimmsten Fall verschieben wir das Datum nach hinten. Es gibt keine Fashionweek für Parfums.

S K : Könnten Sie sich vorstellen, sogar irgendwann noch mehr in Richtung Düfte zu gehen und der Mode den Rücken zu kehren?

VIKTOR: Uns geht es nicht nur um Kleidung, sondern auch um Düfte, um Kosmetik, Lippenstifte, Accessoires.

S K : Sind Sie sich einig, welchen Blumenduft Sie verabscheuen?

ROLF: Tuberose.

VIKTOR : Scheußlich!

ROLF: In der Ablehnung des Tuberosenduftes sind wir uns einig. Wie eigentlich immer. Na ja, ganz schön oft.

von Susanne Krammer | Fotos: PR

07.06.2017 | Kategorien Beauty, Interviews | Tags , , , ,