BILLY
im Interview

Mit dem Kunstprojekt „LDBM“ begibt sich Bill Kaulitz als Billy auf Solo-Pfade. INTERVIEW sprach mit dem Sänger über das Leben in Los Angeles, Berghain-Kater und eines der schmerzhaftesten Gefühle überhaupt: Liebeskummer.

Photo by Davis Factor / Styling by Shay Todd

INTERVIEW: Leidet es sich als Künstler leichter?

BILLY: Die Message der ganzen EP ist, dass ich bei Liebeskummer genau so leide, wie jeder andere. Ich mache das gleiche durch wie jeder andere auch, ich wurde betrogen, mir wurde mein Herz gebrochen.

INTERVIEW: Wie fühlt sich der Liebeskummer an, den Sie da besingen?

BILLY: Ich finde, Liebeskummer hat etwas von Sterben. Ich hatte das Gefühl, dass ich das nicht überlebe. Ich habe so viel gegeben, dass ich danach total leer war. Ich wusste nicht mehr, wie ich morgens aufstehen sollte. Da war einfach nur Leere.

INTERVIEW: Wir leben in einer Generation, in der viele Menschen Angst vor geschlossenen Beziehungen, Angst vor scheinbar endgültigen Entscheidungen haben. Haben Sie auch Bindungsängste?

BILLY: Ich bin romantisch. Alle machen sich darüber lustig, aber ich denke, wenn man die richtige Person gefunden hat, muss man sie festhalten. Dieses Glück haben aber nur sehr wenige im Leben. Wenn es soweit ist, spielen solche Ängste keine Rolle mehr.

INTERVIEW: Gibt es denn etwas, das Sie trotz Wolke 7 niemals aufgeben würden?

BILLY: Nein. Das war auch in der Beziehung, um die es im Song geht, so. Ich wäre für diese Person sogar sofort nach Indien ausgewandert.

Photo by Davis Factor / Styling by Shay Todd

INTERVIEW: Weiß dieser Mensch, dass es um ihn geht?

BILLY: Ich weiß es nicht, wir haben keinen Kontakt mehr. Ich denke aber schon. Es sind so viele Infos in den Liedern enthalten, die eigentlich nur diese Person wissen kann.

INTERVIEW: Sollten Sie Ihr Herz irgendwann mal wieder öffnen können: Welche Sachen müssten geklärt werden, bevor man sich wieder jemandem annähert?

BILLY: Die Religionsfrage zum Beispiel. Wenn Menschen sehr religiös sind, ist es oft sehr schwer in einer Beziehung. Für mich spielt Religion keine Rolle, es ist in Ordnung, wenn jemand seinen Glauben lebt, aber ich passe da nirgends rein. Ich habe ein Problem mit Regeln, Freiheit ist mir das wichtigste Gut.

INTERVIEW: Ist Freiheit für einen Künstler immer das erste Stichwort, das er nennt, um sich vor anderen zu schützen?

BILLY: Bei Freiheit denke ich an mehr. Ich glaube, wenn man etwas erreicht hat, von dem man sagen kann, ich muss jetzt niemandem mehr etwas beweisen, dann ist das das schönste Gefühl überhaupt.

INTERVIEW: Sich gegenseitig etwas beweisen zu wollen hat auch schon so manche Beziehung zerstört …

BILLY: Total. Mir ist es egal, was jemand beruflich tut oder wie viel er verdient. Wenn man mich zum Lachen bringt und mich in eine andere Welt zieht, dann ist das für mich beeindruckend.

Photo by Shiro Gutzie / Styling by Shay Todd

INTERVIEW: Okay, wann war das letzte Mal, dass Sie mit Leuten ohne beeindruckenden Lebenslauf richtig Party gemacht haben?

BILLY: Das passiert mir oft, zum Beispiel beim Coachella-Festival. In Berlin war ich zuletzt übrigens zum ersten Mal im Berghain.

INTERVIEW: Und, wie hat es Ihnen gefallen?

BILLY: Es war total geil. Sonntagnacht um 1 Uhr bin ich hin und bin danach noch ins Kater Blau.

INTERVIEW: Wie lange hat der Hangover gedauert?

BILLY: So circa eine Woche (lacht).

INTERVIEW: Die Leute hier reißen sich um Sie, das Solo-Projekt wurde mit einem kleinen Team zusammengestellt. Haben Sie manchmal das Gefühl eine Kerze zu sein, die von beiden Seiten brennt?

BILLY: Ja total! Aber ich mag das, ich funktioniere besser unter Stress. Ich mag es auch, mich darüber zu beschweren. Wenn ich zu wenig zu tun habe, komme ich auf dumme Gedanken.

INTERVIEW: Sie leben in Los Angeles. Inwieweit hat Sie die Stadt verändert?

BILLY: Ich bin da immer noch der weirde Europäer. Ich gehe meistens erst um 6 Uhr morgens schlafen, esse sehr ungesund, obwohl ich Vegetarier bin. Also zum Yoga renne ich nicht.

INTERVIEW:  Ist L.A. der Ort, an dem Sie für immer Leben wollen?

BILLY: Nein, Tom und ich haben vor, bald nach Thailand zu ziehen, um noch einmal etwas ganz anders zu erleben. Außerdem reizt mich Italien, mein Lieblingsland. Und die Leute dort sehen meistens so hübsch aus!

Die EP „I’m Not Ok“ erscheint am 20. Mai, die Single „Love Don’t Break Me“ ist bereits erhältlich.

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