BRYAN ADAMS :
"Ich bin süchtig nach Kreativität!"

Von der Bühne hinter die Linse: Bryan Adams erzählt im Interview von seiner Arbeit als Fotograf.

Für die zehnjährige Jubiläumsausgabe des Zoo Magazins hat Bryan Adams fünf der sechs Cover fotografiert und unter anderem Rammstein und Nina Hoss vor der Kamera. Als wir ihn zum Interview treffen, entscheiden wir uns spontan, durch Berlins Mitte zu laufen, um für ihn ein belegtes Brötchen bei „Zeit für Brot“ zu holen. Mit schwarzer Mütze auf dem Kopf und Schal um den Hals wird Adams nicht erkannt – nur eine von vielen Qualitäten, die er an Berlin so schätzt. 

 

INTERVIEW: Wir laufen hier gerade durch Berlin, um Ihnen eine Stulle zu holen. Essen Sie gerne Brot?

ADAMS: Sehr, vor allem das deutsche Brot ist wahnsinnig lecker. Ich bin ja seit Jahren Vegetarier und da steht man natürlich sehr auf Brot.

 

INTERVIEW: Dann müssen Sie Deutschland sehr mögen.

ADAMS: Deutschland ist für mich das Zentrum Europas und ich glaube, Berlin hat das Zeug dazu, das Zentrum des Zentrums zu werden. Ich mag es, dass die Stadt immer noch sehr mysteriös ist.

 

INTERVIEW: Was ist Ihre persönliche Geschichte zu Berlin?

ADAMS: Ich habe so einige Geschichten aus meinem Privatleben, die eher nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Aber ich bin glaube ich auch der einzige Musiker, der im westlichen, östlichen und mittleren Teil von Berlin gespielt hat. Als ich für James Brown auf der Bühne stand, vor vielen Jahren, hat parallel zu unserem Konzert auch Michael Jackson gespielt. In einer Pause während meines Konzerts, als ich zum Publikum sprechen wollte, hat man dumpf von draußen Michael Jackson „Thriller“ performen hören. Ihn am gleichen Abend als Konzertkonkurrenten zu haben, ist irgendwie auch ganz cool.

 

INTERVIEW: Welcher Teil Berlins gefällt Ihnen heute am Besten?

ADAMS: Der östliche Teil liegt mir irgendwie mehr. Eigentlich komme ich recht oft nach Berlin zum arbeiten und ich habe viele Freunde hier. Komischerweise habe ich aber immer so viele Pressetermine, dass ich ständig nur Journalisten zu sehen scheine.

 

INTERVIEW: Sie sind vor allem als Musiker bekannt, arbeiten aber seit Jahren verstärkt als Fotograf. Wie ist es dazu gekommen?

ADAMS: Es war mehr ein natürlicher Prozess, weniger eine Entscheidung. Seit ich denken kann, habe ich gerne fotografiert. Mit dem Alter wurde daraus mehr als nur ein Hobby. Hier bin ich also und kann mich auch Fotograf nennen.

 

INTERVIEW: Sie hatten schon viele unterschiedliche Gesichter vor der Kamera. Woran liegt der Unterschied, Models, Musiker oder Schauspieler zu fotografieren?

ADAMS: Der Unterschied ist gravierender zwischen Einzelpersonen und Gruppen. Letzteres ist immer eine Herausforderung.

 

INTERVIEW: Sie haben kürzlich auch Rammstein für ein Cover fotografiert.

ADAMS: Das war besonders schwierig, weil die Band eigentlich gar nicht mit der Presse interagiert. Zum Glück musste ich sie nicht überreden, sondern sie haben sofort ja gesagt. Wir haben sie in der Volksbühne in Berlin fotografiert – leider fehlte mir die Zeit, mir dort etwas anzusehen.

 

INTERVIEW: Können Sie sich noch an Ihre erste Kamera erinnern?

ADAMS: Jetzt da Sie fragen, komischerweise ja! Es war eine Kamera, die ich mir ständig von meine Eltern auslieh. Die erste eigene Kamera, die ich auch gekauft habe, war eine Canon 81. Dann habe ich mir eine deutsche Kamera gekauft. Eine Rolleiflex – und auf einmal verstand ich, was Fotografie überhaupt ist und mein komplettes Leben hat sich verändert.

 

Bryan Adams: “Dann habe ich mir eine deutsche Kamera gekauft. Eine Rolleiflex – und auf einmal verstand ich, was Fotografie überhaupt ist und mein komplettes Leben hat sich verändert. ”
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INTERVIEW: Heute fotografieren Sie gar nicht mehr analog.

ADAMS: Nein, weil digitales Fotografieren einfacher ist.

 

INTERVIEW: Können Sie sich denn noch an die ersten Fotos erinnern, die Sie aufgenommen haben?

ADAMS: Es waren sicherlich nicht die ersten Bilder, die ich je geschossen habe. Aber ich habe noch viele Negative aus der Anfangszeit, als ich meine Freundin in der Badewanne fotografiert habe und eine Band bei einem Konzert. Solche Sachen eben. Einige von diesen Fotos kann man in meinem Buch „Exposed“ sehen.

 

INTERVIEW: Fotografieren Sie noch viel privat?

ADAMS: Nicht mehr wirklich privat, so kann man das nicht sagen, weil ich einfach so viele Aufträge habe, dass mir oft die Zeit fehlt. Aber ich habe Herzensprojekte, die ich nur für mich mache. Über fünf Jahre habe ich zum Beispiel „Women Soldiers“ fertig gestellt, eine Strecke, die mir sehr wichtig ist über Frauen, die im Krieg verwundet wurden. Das Buch dazu, „Wounded – the legacy of war“, ist letztes Jahr erschienen.

 

INTERVIEW: Interessiert Sie das Thema „Krieg“ sehr?

ADAMS: Nein, aber ich interessiere mich für Menschen. Deshalb sollte dieses Buch auch auf den Schreibtischen aller Politiker dieser Welt liegen.

 

INTERVIEW: Könnten Sie sich vorstellen, selbst in die Politik zu gehen?

ADAMS: Kein Mensch möchte Politiker sein.

 

INTERVIEW: Worin sind Sie freier, in Ihrer Arbeit als Fotograf oder als Musiker?

ADAMS: In beidem gleich frei und gleich unfrei. Es ist natürlich einfach, die Gitarre oder eine Kamera in der Hand zu haben und einfach rumzuexperimentieren. Aber damit etwas wirklich Wundervolles entsteht, muss man hart arbeiten.

 

INTERVIEW: Was haben eigentlich Ihre Eltern zu Ihrer kreativen Ader gesagt?

ADAMS: Sie hatten keine Wahl, es war einfach das, was ich machen wollte. Ich habe auch andere Jobs ausprobiert, war aber immer schlecht darin. Für mich war schnell klar, dass ich mein Lebensunterhalt mit meiner Kreativität verdienen wollen wüde.

 

INTERVIEW: Viele Kreativlinge wie Sie brauchen Aufputschmittel, um ihren Tag zu überstehen. Sind sie nach etwas süchtig?

ADAMS: Ich bin süchtig nach Kreativität.

 

Von: Cloudy Zakrocki

05.11.2014 | Kategorie Interviews | Tags , , , ,