Small Talk mit Sängerin
CHARLI XCX

Hast du wieder Jungs zum Heulen gebracht?



CHARLI XCX, 22, schreit Männer an und bricht ihre Herzen. Hinterher singt sie über ihre Traurigkeit.

INTERVIEW: Wie geht’s dir?
CHARLI XCX: Gut, sehr gut sogar! Und dir?
INTERVIEW: Ganz okay würde ich sagen.
CHARLI XCX: Warum interviewe ich dich eigentlich nicht? Lass es uns doch umdrehen!
INTERVIEW: Fände ich großartig. Wurden dir heute schon zu viele Fragen gestellt?
CHARLI XCX: Eigentlich nicht, ich habe erst zwei Interviews gegeben.
INTERVIEW: Na dann … Du hast in genau einer Woche Geburtstag. Was war denn dein bestes Geburtstagsgeschenk bisher?
CHARLI XCX: Letztes Jahr habe ich von vielen tollen und alten Freunden, die ich lange nicht mehr gesehen hatte, einen Haufen großartiger Geschenke bekommen. Unter anderem eine gerahmte Velvet-Underground-Platte und wunderschöne Notizblöcke für meine Songtexte. Dann habe ich mich total betrunken und alles in einem Taxi in London liegen gelassen. Bis auf ein Foto habe ich absolut nichts, was mich an diesen Geburtstag erinnert.
INTERVIEW: Gibt das Foto denn keine Anhaltspunkte?
CHARLI XCX: Es zeigt einen ausgestopften Affen mit einem Maschinengewehr in der Hand. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo das aufgenommen worden ist.
INTERVIEW: Hast du nicht versucht, deine Geschenke wiederzubekommen?
CHARLI XCX: Am nächsten Tag war ich nicht wirklich in der Lage, mit irgendjemandem zu kommunizieren. Meinen Freunden habe ich es auch nicht erzählt, und jetzt steht es hier in diesem Interview!
INTERVIEW: Solange deine Freunde kein Deutsch können, bist du sicher. Du hast ja ein sehr unterstützendes Umfeld: Deine Freunde kaufen dir Songtextbücher, deine Eltern fahren dich zu deinen Raves …
CHARLI XCX: Oh ja! Es ist wirklich peinlich, mein Vater trägt Charli-XCX-T-Shirts auf meinen Konzerten und steht damit stolz in der ersten Reihe.
INTERVIEW: Und hinten steht in großen Lettern „Ich bin ihr Vater“?
CHARLI XCX:Um Gottes willen, sag so etwas nicht, sonst bringst du ihn noch auf dumme Gedanken!
INTERVIEW: Dein Glück, dass dein Vater ebenfalls kein Deutsch spricht.
CHARLI XCX: Unsere Beziehung ist merkwürdig geschäftlich. Das liegt vielleicht daran, dass er in den 70er-Jahren als Club-Betreiber gearbeitet hat. Einmal behauptete er, dass sie die Sex Pistols gebucht hätten, einfach nur um die Bude vollzukriegen. Die waren damals bekannt dafür, ihre Shows in letzter Minute zu canceln, sodass es überhaupt nicht seltsam war, als das Konzert am Ende gar nicht stattfand.
INTERVIEW: Ein Mann mit Geschäftssinn! Du hast dich aber auch extra für das Interview noch einmal umgezogen.
CHARLI XCX: Ja, ich wollte etwas Besonderes tragen. Also habe ich beschlossen (guckt an sich herunter), mich wie eine Prostituierte anzuziehen (lacht).
INTERVIEW: Dein Tattoo-Halsband ist aber eher Neunziger als Nutte, würde ich jetzt behaupten.
CHARLI XCX: So was von! Nur mit dem Unterschied, dass die Plastikdinger damals an jedem Kiosk für ein paar Pennies zu kriegen waren und jetzt 10 Pfund kosten.
INTERVIEW: Davon kann man sich ja gleich ein echtes Tattoo stechen lassen.
CHARLI XCX: Ein Bekannter von mir ist wirklich neulich darauf reingefallen und wollte wissen, ob ich mich am Hals tätowiert hätte. Ich war vollkommen erstaunt von so viel Ahnungslosigkeit und schrie ihn nur an: „Wo zur Hölle warst du eigentlich in den letzten 20 Jahren?“
INTERVIEW: Der arme Junge. Stehst du auf Jungs, die weinen?
CHARLI XCX: Ja, manchmal zumindest. Ich mag emotionale Jungs. Meistens heulen sie aber meinetwegen.
INTERVIEW: Weil du ihnen das Herz gebrochen hast?
CHARLI XCX: Ja, eigentlich ist es immer so rum statt anders. Das finde ich aber ganz richtig. Und in meinen Songs singe ich die ganze Zeit von Liebeskummer, den ich eigentlich noch nie wirklich selbst erlebt habe. Irgendwie komisch. Vielleicht verdränge ich da doch irgendetwas, von dem ich nichts weiß.



Die neue Charli-XCX-Single BOOM CLAP ist bereits erschienen.

Text: Raha Emami Khansari

Foto: Alex de Mora

17.10.2014 | Kategorien Interviews, Musik | Tags , ,

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