Jürgen Vogel ist
"Der Mann aus dem Eis"

Die Gletschermumie „Ötzi“ bekommt ein Gesicht. In dem neuen Kinofilm „Der Mann aus dem Eis“ schlüpft Jürgen Vogel grandios in die Rolle des Mannes, der zum ersten, ungeklärten Mordfall der Menschheitsgeschichte geworden ist.

Jürgen Vogel ist "Der Mann aus dem Eis" ©Port au Prince Pictures, Martin Rattini

Im Jahr 1991 finden zwei Wanderer den „Mann aus dem Eis“, weltbekannt unter dem Namen „Ötzi“. Was führte zu dem gewaltsamen Tod des Mannes? Wie sah die Geschichte zu seinem Leben aus? Der Regisseur Felix Randau liefert mit dem Film „Der Mann aus dem Eis“ eine mögliche Antwort, in der Hauptrolle Jürgen Vogel. Am 30. November kommt der Film in die Kinos. Wir sprachen mit Jürgen Vogel über Urgefühle, was den Menschen am Leben erhält und natürlich über den „Ötzi“.

 

Eileen Osei: Wie hast du dich auf so einen außergewöhnlichen Film vorbereitet?

Jürgen Vogel: Ich wusste schon, dass es körperlich sehr anstrengend wird, wir haben in Höhenlagen gedreht. Da weiß man, man muss fit sein und eine wirklich gute Kondition haben. Ich hatte viel Lauftraining. Wir mussten für die Dreharbeiten viel wandern, es ging mit der Seilbahn in die Höhe und dann sind wir erstmal ein paar Kilometer in der Kälte gelaufen, 1-2 Stunden Wanderung. Dadurch ist der Film auch wahnsinnig physisch, du spürst die Natur! Wir hatten tolle Motive.

E O: Hast du dir den echten „Ötzi“ im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen angeschaut?

J V: Ja, habe ich. Das war schon interessant. Besonders interessant fand ich, was man bei ihm gefunden hat! Diese ganzen Waffen und Werkzeuge, die sagen sehr viel über die damalige Zeit und Kultur aus. Wie gut die Menschen als Jäger damals schon vorbereitet und ausgestattet waren. Das ist wirklich überraschend, das hätte man nicht gedacht.

E O: Kannst du dir vorstellen, dass sich das Leben des „Ötzi“ so ereignet hat?

J V: Das ist unsere Geschichte die wir erzählen wollten, wir haben uns überlegt, es ist einer der ältesten Kriminalfälle der Welt und die Frage ist, wie ist es dazu gekommen. Warum ist er tot? Dazu hat Felix Randau sich diese Geschichte ausgedacht. Es hätte so sein können, muss es aber nicht. Von dem was wir heute über den „Mann aus dem Eis“ wissen, hätte es so sein können. Aber die Geschichte soll auch unterhalten, es ist auch ein Abenteuerfilm.

E O: Der Mann aus dem Eis kämpft ums Überleben. Was glaubst du hat ihn angetrieben oder überhaupt am Leben gehalten?

Jürgen Vogel in "Der Mann aus dem Eis" ©Port au Prince Pictures, Martin Rattini

J V: Ich glaube der Wunsch nach Vergeltung. Zuerst ging es natürlich für ihn auch darum als Jäger seine Familie zu versorgen, da ging es auch schon nur ums Überleben. Ohne die Jagd wären alle verhungert. Wir hatten original Bögen und Pfeilspitzen, die wurden alle nachgebaut, daran hat man schon gesehen, was für wirklich gute Jäger die Menschen damals waren. Ich hatte ein extra Bogenschießtraining, das hat richtig Spaß gemacht. Wenn ich privat Zeit hätte, würd ich das weitermachen!

E O: Im Film geht es um viele elementare Gefühle: Liebe, Rache, Trauer. Was glaubst du, welches ist das stärkste „Urgefühl“ des Menschen?

J V: Der Selbsterhaltungstrieb glaub ich.

E O: Stärker als die Liebe?

J V: Ich glaube ja. Ohne den Selbsterhaltungstrieb würdest du nicht wirklich überleben. Es gibt so etwas wie einen Code in jedem Menschen egal unter welchen Bedingungen zu überleben. Sonst würde es bedeuten, wenn du nicht liebst, bist du schneller bereit zu sterben. Das bist du aber nicht. Ich glaube gerade in Ausnahmesituationen erhält dich nicht unbedingt die Liebe, sondern der Selbsterhaltungstrieb am Leben, ob das hintere Ziel nachher die Liebe ist, ist nochmal ein anderes Thema. Aber ich denke es gibt einen grundsätzlichen Selbsterhaltungstrieb und der ist genetisch vorgeschrieben. Der hat weniger mit dem Intellekt zu tun, als mehr mit dem biologischen Impuls überleben zu müssen und zu wollen.

Jürgen Vogel in "Der Mann aus dem Eis" © Port au Prince Pictures, Martin Rattini

E O: Der Film spielt in der Jungsteinzeit. Wenn du in einer anderen Epoche leben könntest, welche würdest du dir aussuchen?

J V: Ich glaube ich würde in die Zukunft wollen. Ins Jahr 3000. Das wäre super spannend. Mich interessiert eher die Zukunft. Die Menschen, wie wir leben, wie wir miteinander kommunizieren, wie sich die Religionen entwickeln. Wie entwickeln wir uns? Das interessiert mich! Die Technologie kann man sich schon vorstellen, aber die soziologischen Entwicklungen und die sozialen Komponenten, die sind mir nicht klar. Das würde ich gerne wissen. Liebe und Fortpflanzung ist das noch möglich?

E O: Der „Ötzi“ ist uns als Gletschermumie erhalten geblieben. Würdest du der Nachwelt auch gern erhalten bleiben?

J V: Als Mumie auf gar keinen Fall! Aber in gewisser Weise tue ich das durch die Filme, die kann man sich ja immer wieder angucken! Insofern ist das schon eine Art Unsterblichkeit.

„Der Mann aus dem Eis“ kommt am 30. November in die Kinos. Hier könnt ihr euch den Trailer anschauen: