Diesel macht
Zeit zeitlos

Das italienische Modehaus hat mit dem New Yorker Künstler Rostarr zusammengearbeitet – dabei herausgekommen ist tragbare Kunst in Form einer Armbanduhr. Wir haben die beiden Männer hinter der Kooperation zum Interview getroffen.

Andrea Rosso und Rostarr © Diesel

Diesel hat Zeit zeitlos und Kunst tragbar gemacht. In einer Kooperation des italienischen Modehauses im Rahmen des Projekts Diesel Alrite ist eine Armbanduhr entstanden, die aus einem Teil eines Original-Werks des New Yorker Künstlers Romon Kimin Yang alias Rostarr besteht – jede der 555 Uhren ist einzigartig.

Jetzt wurde die Uhr bei einem europaweiten Event in Berlin vorgestellt – vorher haben wir allerdings die beiden Köpfe hinter der Kooperation, Andrea Rosso, Sohn des Diesel-Gründers Renzo Rosso und Creative Director von Diesel Licenses, und den Künstler Rostarr, zum Interview getroffen.

INTERVIEW: Warum wurde gerade Berlin als Location des europaweiten Events zum Launch der Uhr ausgewählt?

ROSTARR: Ich denke, das war eine richtig gute Wahl! Berlin ist eine so kreative Stadt mit so vielen Möglichkeiten.

ANDREA ROSSO: Ja, besonders in Sachen Kunst und Design hat Berlin viel zu bieten. Die Stadt hat so viel Ausdruck und entwickelt sich ständig weiter. Die Location, die wir für das Event gewählt haben, die Elisabethkirche in Mitte, ist toll.

INTERVIEW: Wie ist das Kunstwerk entstanden, das jetzt Teil der Uhren ist?

ANDREA ROSSO: Wir haben erst einmal ganz genau darüber nachgedacht, welchen Canvas wir für das Kunstwerk verwenden, weil wir ja wussten, dass der Stoff hinterher ein Teil der Uhr sein wird.

ROSTARR: Genau, wir mussten überlegen, welcher Stoff sich am besten eignet: Er durfte mit der Farbe darauf nicht zu dick sein, denn das 18 Meter lange Gemälde sollte ja hinterher auseinandergeschnitten und die einzelnen Teile dann um die Uhren gelegt werden. Als nächstes musste ich dann gucken, was stilistisch am besten wirkt. Ich habe viele verschiedene Dinge ausprobiert, ich wollte, dass jede Uhr anders aussieht. Also musste ich mir ein bestimmtes Muster überlegen, dessen Linien nicht zu dick sind, denn die Oberfläche der Uhr ist ja eher klein. Andrea hat vorgeschlagen, das Gold hinzuzufügen und das war eine echt gute Idee, es gibt den Uhren etwas ganz Besonderes.

© Diesel

INTERVIEW: Romon, um Ihre Kunst zu beschreiben, haben Sie den Begiff „Graphysics“ erfunden. Was genau bedeutet er?

ROSTARR: Der Begriff ist eine Mischung aus den Worten „Graphic“ und „Physics“. Die Idee hatte ich, als ich ein bisschen jünger war. Ich kam gerade aus dem College und mir war aufgefallen, dass alles, was grafisch designt war, sehr flach war, zweidimensional eben. Ich wollte der Sache mehr Energie, mehr Leben verleihen. Das ist auch heute noch meine Philosophie: Alles was ich tue, erwecke ich zum Leben, ich stecke all mein Herzblut hinein.

INTERVIEW: Was denken Sie, wie Zeit und Kunst verbunden sind?

ANDREA ROSSO: Im Rahmen dieser Kooperation, die ja mit einem Künstler stattgefunden hat, schon allein dadurch, dass wir so viel Zeit hineingesteckt haben. (lacht)

ROSTARR: Für mich ist Zeit Liebe, die man in etwas investiert. Und Kunst ist zeitlos, zumindest glaube ich fest daran. Deswegen finde ich den Gedanken hinter der Zusammenarbeit, dass Zeit auf Zeitlosigkeit trifft, auch so interessant.

INTERVIEW: Ist es wichtig, Kunst in seinem Leben zu haben?

ROSTARR: Auf jeden Fall! Menschen, die Kunst nicht als ein Teil ihres Lebens betrachten, tun mir leid. Selbst wenn man sich nur ein Poster an die Wand hängt, reicht das schon. Die gewaltigen Auswirkungen, die Kunst auf Menschen haben kann, werden allein dadurch spürbar. Das Tolle an so einer Kooperation ist ja, dass man durch die Plattform der Marke plötzlich viel mehr Menschen erreicht, Menschen, die sich vorher nicht für einen interessiert haben. Ich möchte Kunst machen, die Leute dazu bringt, sich für Kunst zu begeistern. Ich möchte die Einstiegsdroge zur Kunstwelt sein. (lacht)

INTERVIEW: Jede der Uhren, die Sie kreiert haben, ist einzigartig. Welche Rolle spielt Einzigartigkeit in der Mode?

ANDREA ROSSO: Heutzutage hat jeder seinen eigenen Geschmack. Und gerade durch die sozialen Netzwerke werden Menschen noch stärker dazu inspiriert, ihren eigenen Stil zu finden.

ROSTARR: Ja, früher wollte man einfach dazugehören, heute geht es nur darum, herauszustechen. Ich liebe Mode und wollte schon immer einzigartig sein, am besten sogar einflussreich. Früher war ich Breakdancer in New York, schon damals war Stil alles. Heute ist Einzigartigkeit alles.

INTERVIEW: Andrea, wird es in Zukunft mehr Kooperationen zwischen Diesel und Künstlern geben?

ANDREA ROSSO: Auf jeden Fall, mit Diesel Alrite haben wir noch Einiges vor. Heute reden wir über Uhren, morgen vielleicht über Lederjacken oder Jeans. Man wird sehen.

Erhältlich ist die Uhr im Online-Shop von Diesel. Außerdem werden drei der 555 Modelle vom 8. Dezember 2016 bis zum 11. Dezember 2016 in einer ebay-Auktion von Sotheby’s versteigert, der Erlös kommt einem Projekt der OTB Foundation zugute.

Von: Sarah-Denise Neven