Douglas Dare im Interview, der neue Shooting Star am Neoklassik-Himmel.

Douglas Dare, Foto: Dusan Kacan.

Nils Frahm hat es der Welt bewiesen: Neoklassik ist kein Nischenprodukt, sondern füllt - zu Recht! - Stadien, Philharmonien und Apple-Stores. Nun zieht talentierter Nachwuchs nach, der nicht nur komponieren, sondern auch noch fantastisch singen kann: Der schmächtige Engländer Douglas Dare durfte Herrn Frahm bereits auf seiner Amerika-Tour als Support begleiten, nun ist sein eigenes Debütalbum "Whelm" erschienen. Wir trafen den jungen Musiker kurz vor seinem Berlin-Auftritt in seiner Garderobe und sprachen mit ihm über gefährliche Fahrradfahrer, das Meer und sein Lampenfieber.

Douglas Dare: Bist du dir sicher, dass dein Aufnahmegerät aufzeichnet?

Interview: Ja, keine Sorge! Hier steht „Aufnahme“: Das heißt, es nimmt auf.

Dare: Okay, super.

Interview: Bist du nervös wegen deines Auftritts gleich?

Dare: Könnte man sagen. Ich bin sehr aufgeregt vor Auftritten.

Interview: Achtung, es kommt eine Muttifrage: Hattest du denn eine ordentliche Mahlzeit, bevor es gleich auf die Bühne geht?

Dare: Ich hatte einen Salat.

Interview: Oh, naja. Bist du Vegetarier?

Dare: Nein, gar nicht. Ich versuche nur auf Tour darauf zu achten, nicht die ganze Zeit Junk Food zu essen. Das passiert nämlich sehr schnell, wenn man unterwegs ist. Guckt auf sein Bier herunter – Sagte er, während er sein Bier trank, haha.

Interview: Bier soll sehr gesund sein, sagte mir mein Hautarzt neulich. Wegen des Reinheitsgebots.

Dare: Na, dann Prost!

Interview: Hast du ein Ritual vor deinen Auftritten, das dich beruhigt?

DAre: Ich hüpfe auf und ab.

Interview: Du springst vor jedem Konzert auf und ab?

Dare: Ja! Das macht Spaß und bringt mich in die richtige Stimmung für die Show. Soviel Zeit bei Touren besteht aus Herumwarten und es kann schnell passieren, dass man plötzlich auf die Bühne steigt und gar nicht merkt, dass es losgeht.

Interview: Du bist am Meer aufgewachsen und es ist auch Motiv deines Albumcovers. Hat es eine beruhigende Wirkung auf dich?

Dare: Tatsächlich! Es ist so ein Klischee, aber für mich hat der Ozean etwas zutiefst Entspannendes.

Interview: Inzwischen lebst du aber weit weg vom Meer, in London.

Dare: Ich wollte immer raus aus der Kleinstadt und als Musiker ist es das Beste, was dir
passieren kann: Weil immer etwas los ist, weil man mittendrin ist. Ich liebe
diesen Puls der Stadt. Ich lebe in East London, weil ich von dort zu Fuß und mit dem
Fahrrad schnell im Stadtzentrum bin.

Interview: Du fährst tatsächlich mit dem Fahrrad durch London?

Dare: Ja! Es ist gefährlich, aber möglich. Ich lese grad „Bicycle Diaries“ von David Byrne,
dem ehemaligen Frontmann der Talking Heads. Er schreibt darüber, wie er auf Tour ist
und in New York, Paris und Berlin mit dem Fahrrad die Stadt erkundet. Berlin
beschreibt er als die fahrradfreundlichste Stadt, weil es eigens Ampeln für die
Fahrradfahrer gibt.

Interview: Dann war er aber nie in Kopenhagen: Schließlich
gibt es dort Fahrradwege, die so breit sind wie Autospuren.

Dare: Stimmt! Wir hatten neulich einen Gig dort und ich ging vorher joggen  - wegen meiner Gesundheitsnummer – und wurde konstant von Fahrradfahrern umgenietet. Da war ziemlich lustig.

Interview: Fahrradfahren, Laufen – Bist du ein guter Schwimmer?

Dare: Inzwischen ist es okay, aber ich konnte nicht schwimmen, bis ich 11 Jahre alt war.
Was komisch ist, weil ich ja am Meer gelebt habe. Meine Geschwister waren nur schon
zu alt, als dass sie es mir hätten beibringen können. Und mein Vater würde glaube ich
untergehen, stieße man ihn ins Wasser. Ich kann aber inzwischen ganz gut schwimmen.
Ich war eine Motte, und bin jetzt ein Schmetterling (grinst).

Interview: Und kannst du auch Schmetterling schwimmen?

Dare: Klar!

Interview: Gibt es auf der Bühne Bewegungen, die du immer machst?

Dare: Da ich am Piano sitze, ist meine Bewegungsfreiheit ja etwas eingeschränkt. Kürzlich ist mir aber aufgefallen, dass ich so zwei bestimmte Moves habe: Wenn ich nur mit der linken Hand spiele, macht meine Rechte so seltsam interpretative Bewegungen nach vorne und hinten. Und wenn ich die Pedale nicht benutze, stampfe ich heftig mit meinem linken Fuß. Ich merk das alles aber nicht, erst hinterher, wenn ich mir Footage von Shows anschaue Passiert aber auch nur, wenn das Gefühl stimmt. Wenn nicht, sitze ich da wie ein Felsklotz.

Interview: Dann hoffen wir mal, dass deine rechte Hand und dein linker Fuß gleich ordentlich zum Einsatz kommen. Aber zuerst: Viel Spaß beim Hüpfen!

Dare: Danke! Schaut auf das iPhone. Und, hat es wirklich aufgenommen?

Interview: Ja, wirklich. Schau hier. Du machst dir ja mehr Sorgen als ich.

Dare: Das ist die Aufregung. Zeit zu hüpfen!

Sein Debütalbum "Whelm" ist kürzlich bei Erased Tapes erschienen. Am 12. Juli in Düsseldorf spielt Douglas Dare auf dem Open Source Festival.

Weitere Infos zu Tourdaten und Douglas Dare gibt es hier.

– Raha Emami Khansari

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