Dozie Kanu entwirkt Designobjekte mit einem Hauch von Nützlichkeit

Der junge Möbeldesigner Dozie Kanu ist in aller Munde. Design-Sammler in aller Welt wollen seine Objekte. Wie er vom Film zum Design kam und wer ihn am stärksten beeinflusst, hat uns Kanu im Interview verraten.

Ich war etwas früher als abgesprochen im Hotel Soho Grand, beschloss von daher, vor der Tür dort auf ihn zu warten. Ein Mann schnippte seine heruntergebrannte Zigarette in meine Richtung. Das sollte wohl versehentlich wirken, dabei war es ein Vorwand, um mich gleich darauf umso herzlicher um Entschuldigung bitten zu können. Dieser Mann war David LaChapelle. Das stellte sich heraus, weil er von Dozie Kanu als Dave erkannt und begrüßt wurde. So gab es von Anbeginn keine falsche Zurückhaltung mehr zwischen uns, we took it from there.

KATJA HORVAT: Dozie, du hast eigentlich etwas ganz anderes studiert, nämlich Film – wie kam es zu deinem Sinneswandel?

DOZIE KANU: Ich hatte schon als Kind eine äußerst lebhafte Fantasie. Die habe ich mir glücklicherweise erhalten. Als Kind habe ich mich zunächst mit Fotografie beschäftigt, daraus wurde dann eine Liebe zum Film. Erst für Mainstream von Steven Spielberg und James Cameron, daraus entwickelte sich ein Expertentum. Dass sich mit Filmen etwas aussagen lässt, faszinierte mich längst, als ich schließlich mit Malerei und Skulptur in Berührung kam. Bei Filmen hatte ich vor allem auch die Ausstattung als fantasieanregend empfunden. So kam ich zu meinem Faible für Inneneinrichtung.

K H : Und deine Abschlussarbeit war demnach ein Film über Einrichtungsgegenstände?

D K : Irgendwie ja. Es war eine Arbeit über einen seltsamen Film von Fiona Raby und Anthony Dunne, den ich im MoMA entdeckt hatte. Sämtliche Gegenstände, die ich in den Jahren zuvor angefertigt hatte, wurden in ein Studio gebracht. Dazu kamen noch ein paar Fundstücke vom Sperrmüll. Der Film zeigte dann in Jump Cuts, wie ich mit den einzelnen Objekten agierte. Kam mir damals aussagekräftig vor.

K H : Und einen Spielfilm wolltest du nie machen?

D K: Würde ich gern – na ja, in Wahrheit ist es so: Ich werde einen machen! Irgendwann bald. So bin ich nun mal, so sehe ich den weiteren Verlauf meines Lebensweges: Ich will Türen aufstoßen. Gerade habe ich mir die Türen aufgestoßen und bin in das Reich des Designs vorgedrungen – normalerweise geht das gar nicht so leicht. Jetzt mache ich diese Designobjekte, diese skulpturalen Möbelstücke oder, wie ich sie manchmal auch schon nenne, „Kunstwerke mit einem Hauch von Nützlichkeit“.

K H : Haha, ausgezeichnet!

D K : Nicht wahr? Seit sich meine Galerien Salon 94 und Johnson Trading Gallery um den Verkauf kümmern, läuft es bei mir professionell. Ich habe mittlerweile verstanden, worum es den Designsammlern geht, und baue mir ein dementsprechendes Sortiment auf. Wenn ich dann erst mit meiner eigenen Arbeit zufrieden bin, wird es an der Zeit sein, eine weitere Tür aufzustoßen. Das wird dann entweder die Tür zum Film, die zur Architektur oder die zur Bildhauerei sein.

“Jetzt mache ich diese Designobjekte, diese skulpturalen Möbelstücke oder, wie ich sie manchmal auch schon nenne, Kunstwerke mit einem Hauch von Nützlichkeit”
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K H: Wer – außer dem Markt – hat dich bislang am stärksten beeinflusst?

D K : Wenn es um Distinktionsgewinne geht: Pharrell Williams. Als er seine Schmuckkollektion für Louis Vuitton präsentierte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ein Rapper kann für LV arbeiten? Was Pharrell daran toll finden konnte, war mir nicht klar, bis ich dann zum ersten Mal in den Laden von Louis Vuitton bei uns in Houston gegangen bin, in dem ich bis dahin noch nie gewesen war. Die Welt des Luxus, in die ich dort eintauchte, führte zu einer Verfeinerung meines Geschmacks und auch meiner Sinne. Dann brachte Kid Cudi sein Debütalbum heraus. Und schon wieder war ich einen Schritt weiter: Fortan ging es in meinem Freundeskreis darum, dass wir anders sein wollten. Anders als die anderen. Ein paar Jahre später zog ich nach New York. In meinem ersten Jahr in dieser Stadt, oh Mann, konnte ich mir bei meiner Häutung zusehen: Mein altes Selbst fiel Stück für Stück von mir ab.

K H: Und wer bist du heute?

D K : Jetzt? Mich beeinflusst alles, was sich gegen den Mainstream bewegt – ob im Design, in der Vermarktung oder im Denken. Mein Galerist Paul Johnson bestärkt mich in dieser Haltung. Paul war der Erste, der an mein Talent geglaubt hat.

K H : Hat Memphis Einfluss auf deine Formensprache?

D K : Wenn, dann sehe ich mich mehr von Droog Design beeinflusst. Ich habe aber keinerlei Formensprache im Sinn, wenn ich entwerfe. Deswegen wirst du die Verbindung zwischen Droog und mir nicht aus meinen Stücken herauslesen können.

K H : Können Kunst und Kommerz nebeneinander in Frieden leben?

D K : Ja, aber einfach ist das nicht. Da muss man sich schon etwas anstrengen, um auf eine gute Lösung zu kommen. Comme des Garçons ist meiner Ansicht nach ein exzellentes Beispiel dafür, wie es funktionieren könnte. Wenn man im Dover Street Market steht, empfängt man noch andere Signale als bloß dieses „Hey, ich will diese Teile kaufen“.

K H : Worin besteht die größte Herausforderung für einen jungen Designer im Jahr 2017?

D K : Kunst und Kommerz in Einklang zu bringen. Manchmal treffe ich Entscheidungen, die würde ich ganz anders treffen, müsste ich kein Geld verdienen.

K H : Lässt du schon in Serie produzieren?

D K : Bislang habe ich nur Unikate angefertigt. Meine Sammler weise ich eigens darauf hin, dass ihr Exemplar sich in Details vom Ausstellungsstück unterscheiden wird. Ich erkläre ihnen dann, welche Veränderungen ich vornehmen würde. Die Entscheidung, ob sie es in dem Fall noch immer kaufen wollen, überlasse ich ihnen. Momentan sind meine kleinen Tische begehrt, die würfelförmigen aus Marmor. Jeder einzelne von denen hat einen anderen Satz Rollen druntergebaut. Ich würde gern bei Einzelstücken bleiben.

Interview: Katja Horvat

07.11.2017 | Kategorien Design, Interviews | Tags , , , , ,

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