Exklusiv: Tatort-Star
Ruby O. Fee im Interview

 

Wir wissen nicht, wofür das O in ihrem Namen steht, aber wir sind uns sicher: Ruby O. Fee ist ein Star. 18 Jahre alt, „Tatort-“gestählt und die Hauptrolle im neuen Film von Andreas Dresen. Was es sonst über sie zu sagen gibt und wie sie im Dschungel zur Welt kam, erzählt sie uns lieber selbst.

Der Tatort macht’s möglich. Man mag von der Reihe halten, was man will, aber es gibt keinen besseren Ort, wenn es darum geht, junge, aufstrebende Schauspieler im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu platzieren. Emilia Schüle war das Wegwerfmädchen, Jella Haase die minderjährige Hure (Puppenspieler), Jannik Schümann der U-Bahn-Schläger (Gegen den Kopf ) – und Ruby O. Fee in Happy Birthday, Sarah eine beeindruckend kaltschnäuzige Schülerin unter Mordverdacht. Der Auftritt hat ihr völlig verdient den Jupiter Award eingebracht.

Das bedeutet aber nicht, dass die 18-jährige Schauspielerin aus Berlin nicht auch schon vorher aufgefallen wäre. Mit zwölf hatte sie ihren ersten Auftritt in "Womb", einem englischsprachigen Drama mit Eva Green, in der sie die Hauptfigur in Kindheitsjahren spielt. Mit vierzehn hatte sie eine Hauptrolle in der Serie "Allein gegen die Zeit", die 2011 für den Emmy nominiert war. Und bereits abgedreht ist "Als wir träumten", Andreas Dresens Verfilmung von Clemens Meyers gleichnamigem Bestseller über eine Jugend in Leipzig in den Nachwendejahren. Ruby O. Fee spielt darin die weibliche Hauptrolle. Mit Ruby O. Fee kommt etwas auf uns zu. Nennen wir es ruhig: die Zukunft.

Interview: Wie sind Sie überhaupt zur Schauspielerei gekommen?

Ruby O. Fee: Als ich mit meiner Mama nach Berlin gezogen bin, sind wir zu verschiedenen Agenturen gegangen und haben uns dort beworben. Im Grunde eine ganz langweilige Geschichte.

Interview: Aber wie kam es zu der Idee, sich bei Agenturen vorzustellen? Das macht ja nicht jeder.

Fee: Ich hatte in Brasilien eine Freundin aus Frankreich, von der ich wusste, dass sie bei einer Agentur ist. Das fand ich natürlich total spannend. Und als es dann nach Berlin ging, hab ich meine Mama gefragt, ob ich das nicht auch kann: mich bei einer Agentur bewerben. Das wollte sie aber nicht. Sie meinte nur: „Nein, das ist bestimmt nur eine Phase von dir.“ Aber nachdem ich sie zwei Jahre damit genervt hatte, sagte sie: „Also, wenn du das wirklich willst, dann machen wir das. Aber du weißt hoffentlich, dass man es auch durchziehen muss, wenn man eine Filmrolle angeboten bekommt.“

Interview: Sie hatten aber vorher noch nie auf einer Bühne oder vor der Kamera gestanden?

Fee: Doch, ein bisschen. In der Schule habe ich ein paar kleinere Sachen gespielt, aber nichts Nennenswertes. Meine Mama hat auch viele Freunde, die mit Schauspiel und Film zu tun haben. In Berlin war eine Theaterschauspielerin unsere Mitbewohnerin. Wenn wir in der Küche zusammensaßen, hat sie mir Sachen gezeigt, die sie im Schauspielunterricht gelernt hat.

Interview: Was denn so?

Fee: Einmal meinte sie, dass ich meine Augen schließen solle und versuchen, alles zu benennen, was ich höre. Und ich dann so: „Ich höre den Kühlschrank, Autos, Kindergeschrei, den Fernseher aus der Wohnung drüber ...“ Und sie: „War das alles?“ „Ich glaube schon.“ Sie dann: „Aber die Kirchenglocken, die die ganze Zeit geläutet haben, hast du nicht gehört!?“ Danach war ich total angefixt.

Interview: Abgesehen von dem Grundkurs in der WG-Küche hatten Sie aber keinen Schauspielunterricht, oder?

Fee: Also nicht in einer Schule. Ich bereite mich mit meiner Managerin auf die Rollen vor.

Interview: Geboren sind Sie in Costa Rica?

Fee: Ja, und zwar hat meine Mama mich nicht im Krankenhaus bekommen, sondern im Dschungel (lacht).

 

Interview: Echt?

Fee: Ja, ich bin im Dschungel in einer kleinen Holzhütte geboren. Ohne Arzt, nur mit einer Freundin meiner Mutter und meinem Vater. Ich will dahin unbedingt noch einmal zurück, ich bin da ja nie so richtig gewesen.

Interview: Wie?

Fee: Ich bin da nur geboren, und dann sind wir gleich wieder weiter. Bis die Schule anfing, haben wir nirgendwo wirklich gewohnt. Wir sind durchgehend gereist. Wir waren überall: Indien, Costa Rica, Afrika, Mexiko, Thailand, also überall.

Interview: Sind Sie aus touristischen Gründen gereist, oder hatten die Reisen einen Zweck?

Fee: Meine Mama hatte ein Modelabel und hat Kleidung produziert, die sie überall auf der Welt verkauft hat.

Interview: Haben Sie daran noch Erinnerungen?

Fee: Ja, das ist lustig. Vor meinem 18. Geburtstag wollte ich eine Weltreise machen und mir ein paar Länder, in denen ich als Kind war, noch einmal anschauen. Auch weil ich so viele Erinnerungen hatte. Am Ende hatten wir aber nicht so viel Zeit. Ich bin dann mit meiner Mama nach Indien gefahren. Wir waren in Goa, und plötzlich war alles wieder präsent: „Ich kenne das Restaurant. Ich weiß noch, was wir hier gemacht haben. Und den Laden kenne ich auch.“

Interview: Die German Bakery!

Fee: Ja, genau, die German Bakery (lacht). Wir waren für anderthalb Monate dort und hatten ein großes Haus. Jeder hatte sein eigenes Motorrad. Wir haben uns alles noch einmal angeschaut: Anjuna, Chapora. Es war lustig, weil ich das alles schon irgendwie kannte, obwohl es so lange her war, dass ich dort gewesen bin.

Interview: Vermutlich war es plötzlich kleiner.

Fee: Ja, das fällt mir auch bei vielen anderen Dingen auf. Wenn ich etwa eine Freundin zu Hause besuche, bei der ich schon ewig nicht mehr war: „War deine Küche schon immer so klein?“

Interview: Zur Schule sind Sie in Brasilien gegangen?

Fee: Ja, als ich in die Schule kommen sollte, hat meine Mama beschlossen, dass wir in Brasilien bleiben.

Interview: Wo denn dort?

Fee: In Bahia. Wir haben etwa zehn Minuten vom Strand entfernt gewohnt. Einmal wohnten wir auch in einer kleinen Straße, die hieß Rua dos Macacos, die Straße der Affen. Die lag mitten im Dschungel.

Interview: Und gab es da Affen?

Fee: Ja, ganz viele Affen und Spinnen.

Interview: Welche Sprachen sprechen Sie?

Fee: Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Und weil mein Stiefvater Franzose ist, kann ich Französisch verstehen. Allerdings redet er mit mir immer Englisch. Mit seinen Freunden spricht er aber Französisch, weswegen ich, seit ich drei bin, die Sprache aus dem Hintergrund kenne. Leider hat er es mir aber nie wirklich beigebracht, worüber er sich mittlerweile ärgert. Und ich mich auch. Also muss ich Französisch unbedingt noch lernen.

Interview: Mit zwölf sind Sie dann nach Berlin umgezogen.

Fee: Ja, ich glaube, das war total das perfekte Alter für den Umzug, weil man mit zwölf in die Pubertät kommt und einfach mehr machen will. In Brasilien war es zwar wunderschön, aber letztlich wohnten wir in einem kleinen Dorf, und die Möglichkeiten waren begrenzt. Ich bin dort zum Ballett gegangen, habe Capoeira gemacht, hatte Gitarrenunterricht, ich habe alles gemacht, was man dort so machen konnte. Als es nach Berlin ging, habe ich mich echt gefreut.

 

 

Interview: Wegen der neuen Möglichkeiten?

Fee: Auch, weil ich das Reisen so gern mochte.

Interview: Und es gab keinen Schlechtwetterschock?

Fee: Nein, überhaupt nicht.

Interview: Sie sind aber vorher schon mal in Deutschland gewesen?

Fee: Ja, ich war mit meiner Mama öfter mal in Berlin und auch bei meinen Großeltern an der Ostsee.

Interview: Ihre erste große Rolle hatten Sie in Allein gegen die Zeit, einer Serie, die 2011 für den Emmy nominiert war.

Fee: Ja, wir haben zwar nicht gewonnen, aber die Reise nach New York zur Verleihung war schon Gewinn genug.

Interview: Mittlerweile sind Sie an einem Punkt, an dem Sie ins Erwachsenenfach streben. Ein entscheidender Schritt war dabei der Tatort: Happy Birthday, Sarah! Dafür gab es den Jupiter Award, immerhin Deutschlands größten Publikumspreis für Film und Fernsehen. 

Fee: Ja (lacht), krass, der steht bei mir auf einer Leiter, auf so einer alten Malerleiter, die in meinem Zimmer steht, seit ich dort eine Lampe angebracht habe. Und nachdem die Lampe angebracht war, dachte ich, dass die Leiter eigentlich ganz cool aussieht. Da habe
ich dann Kerzen raufgestellt. Und ganz oben auf der Leiter steht jetzt der Jupiter Award.

Interview: Wie sieht der überhaupt aus?

Fee: Der ist richtig schön. Das ist so ein Mann, der seine Flügel ausbreitet.

Interview: Was hielten Ihre Mitschüler von Ihrer Schauspielerei?

Fee: In der Schule habe ich nie darüber geredet. Ich hatte aber auch nicht so viel Kontakt mit meinen Mitschülern. Es gab so ein, zwei Mädchen, mit denen ich was zu tun hatte, aber meine eigentlichen Freunde hatte ich außerhalb der Schule. Manchmal passierte es allerdings, dass in der Schule jemand ankam und meinte: „Äh, ich habe dich im Fernsehen gesehen. Ich wusste gar nicht, dass du …“ Ich dachte dann nur: „Schnell weg und verstecken.“ (lacht) Auch mit meinen Freunden rede ich nicht viel über das, was ich mache.

Interview: Aber wäre es nicht normal, mit seinen Freunden darüber zu reden, was man so macht?

Fee: Ja, aber über Film rede ich mit denen nicht so viel. Ich weiß nicht, aber ich finde es irgendwie unangenehm. Wenn sie mich fragen, erzähle ich natürlich, aber sonst sage ich nie, dass ich demnächst das und das drehe und deswegen da- und dahin muss. Auch mit dem Jupiter Award war es so. Es gab nur eine Freundin, die davon wusste. Eine andere, eigentlich eine meiner besten Freundinnen, hat es dann in der Zeitung gelesen. Sie meinte nur: „Hey, du hast den gewonnen? Das wusste ich ja gar nicht! Mann, du musst ein bisschen mehr mit mir reden!“

Interview: Aber so eine Rolle im Tatort lässt sich doch nur sehr schwer verbergen.

Fee: Beim Tatort war es so, dass wir den tatsächlich bei mir zu Hause geguckt haben. Wir hatten eine große Leinwand aufgebaut, es gab Essen, und alle meine Freundinnen waren da. Es war mir
dann natürlich noch viel peinlicher, mir in ihrer Anwesenheit beim Spielen zuzusehen. Ich kannte den Film vorher ja nicht und hatte keine Ahnung, ob er gut ist.

Interview: Es kommen in nächster Zeit gleich drei Filme mit Ihnen ins Kino.

Fee: Ja, und zwar sind das Rockabilly Requiem, Ghosthunters und Als wir träumten.

Interview: Was sind das für Filme?

Fee: Rockabilly Requiem spielt in den Achtzigern, und ich bin darin so eine punkige Rockabilly-Braut mit schwarz gefärbten toupierten Haaren und punkigen Klamotten.

Interview: Ist das ein Musikfilm?

Fee: Ja, es geht um eine Band, aber letztlich handelt er vom Erwachsenwerden und dem Versuch, das eigene Leben zu leben.

Interview: Sie selbst wohnen noch zu Hause, oder?

Fee: Ja, genau.

Interview: Und was ist Ghosthunters?

Fee: Das ist ein englischsprachiger Film über einen kleinen Jungen, der Geister jagt. Ich würde gern viel mehr englischsprachige Filme drehen.

Interview: Und was spielen Sie darin?

Fee: Die böse Schwester.

Interview: Weil Sie nicht glauben, dass er Geister sieht?

Fee: Ja, ich glaube, dass er spinnt.

Interview: Und Als wir träumten?
Fee: Der Film spielt auch Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger. Von der Ausgangssituation her ist die Geschichte sogar ein bisschen mit der von Rockabilly Requiem vergleichbar. Es geht um junge Leute, die versuchen, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Im Zentrum steht eine Gruppe von Jungs, und ich spiele das Mädchen in dieser Gruppe. Man sieht dabei zu, wie manche mit dem Leben nicht klarkommen und andere es schaffen. Es gibt jede Menge Drama, diese ganzen Facetten des Erwachsenwerdens.

Interview: Der Regisseur ist Andreas Dresen. Wie war die Arbeit mit ihm?

 

„Über Film rede ich mit meinen Freunden nicht so viel. Ich weiß nicht, ich finde das irgendwie unangenehm“

 

Fee: Schon die Stimmung am Set war besonders. Ich glaube, das liegt daran, dass er all die Leute, mit denen er arbeitet, bereits von früheren Filmen kennt. Die waren wie eine Jungsbande. Das war so lustig, wie Andreas mit seinen Jungs zusammensaß. Ich habe die beobachtet und dachte: Die sind ja genauso wie die Jungsgang in dem Film, den wir gerade drehen.

Interview: Fehlt Ihnen eigentlich das Reisen?

Fee: Ja, total.

Interview: Mitunter ermöglicht Ihnen ja das Filmen das Reisen.

Fee: Ja, stimmt. Beim Filmen ist es ähnlich: Man trifft neue Leute, lernt neue Orte kennen und ist Teil einer großen Gruppe.

Interview: Und wenn sich die Gruppe dann nach etwa drei Monaten wieder trennt und alle ihres Weges ziehen?

Fee: Manche fallen nach einem Dreh in ein Loch, weil, baam!, plötzlich alles vorbei ist. Aber bei mir ist das nicht so. Ich vermisse zwar die Leute, aber ich bekomme keine Krise deswegen. Man hält ja auch mit den Leuten weiter Kontakt. Und je mehr man dreht, desto größer werden die Chancen, dass man die Leute auch mal wiedersieht.

Interview: Wofür steht eigentlich das O. in Ihrem Namen?

Fee: Oh! Das ist mein Geheimnis.

 

Von HARALD PETERS Fotos HEJI SHIN Styling KLAUS STOCKHAUSEN

 

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