Florian Lukas im Small-Talk

Florian Lukas, Foto: Tobias Seliger/snapshot-photography/SZ Photo

Interview: Erzählen Sie uns, wie Sie zu Ihrer Rolle in Grand Budapest Hotel gekommen sind?

Florian Lukas: Wishful thinking? Ich hatte tatsächlich schon lange den Wunsch, in einem Wes-Anderson-Film mitzuspielen.

Interview: Tatsächlich?

Lukas: Jaaa! Ich liebe alle seine Filme, schätze seine Detailverliebtheit und das Verspielte. Aber dann habe ich mir gesagt: "Verabschiede dich von dem Traum und konzentriere dich auf die Dinge, die möglich sind!"

Interview: Und dann?

Lukas: War es wie so oft im Leben: Die Dinge kommen, wenn man sie loslässt. Die Casterin Simone Bär rief mich an und lud mich zum Vorsprechen für die Rolle des Häftlings Pinky ein.

INTERVIEW: Sie bekamen die Rolle, und Harvey Keitel wurde Ihr Knastbruder.

Lukas: Keitels Wunsch war es, dass wir als die Knacki-Gang, die wir auch im Film spielen, eine Nacht in dem Gefängnis in Zittau verbringen.

INTERVIEW: Klassisches Method-Acting, oder?

Lukas: Wahrscheinlich.

INTERVIEW: Also, wie war sie, die Nacht mit Harvey?

Lukas: Kalt und laut. Das Gefängnis, das seit bestimmt 20 Jahren leer steht, wurde schon vorher wochenlang mit Baulüftern beheizt. Wir hatten Essen in Thermoskannen dabei, Keitel hat Anekdoten erzählt, und wir haben uns kennengelernt. Zack Michalowski und der österreichische Schauspieler Karl Markovics waren auch dabei.

 

 

INTERVIEW: Und was hat es für die Szenen gebracht?

Lukas: Für mich war es eher eine skurrile Episode. Beeindruckt hat mich aber, mit welchem Engagement sich Keitel in seinem Alter immer noch reinhängt.

Interview: Wie alt ist er denn?

Lukas: 74?

Interview: Ist es eigentlich wirklich wahr, dass Wes Anderson die Schauspieler mit einem Golfcart vom Hotel zum Set fahren ließ, weil er Kleinbusse so hässlich findet?

Lukas: Ich habe sie nicht gesehen, nur davon gehört.

Interview: Wie war die Arbeit mit Wes Anderson?

Lukas: Intensiv! Er hat uns 20, 30 Mal den gleichen Take immer wieder mit Mini-Änderungen spielen lassen. Daraus entsteht dann diese Atmosphäre von Gleichmut, die seine Filme ausmacht. Er gibt einem durchaus das Gefühl, man könne Sachen ausprobieren. Am Ende spielt man dann aber doch alles so, wie er es sich vorgestellt hat. Er überträgt seinen Perfektionismus auf andere, ohne dass die es merken. Genial.

Interview: Lustigen Bart tragen Sie übrigens als Pinky! Ist der angeklebt?

Lukas: Den Bart hatte Wes sich erst gewünscht, dann wollte er doch alle Häftlinge ohne Bart haben. Ich hatte aber schon einen anderen Film mit genau diesem Bart angedreht – also blieb er dran.

Interview: Und, gut verdient?

Lukas: Man geht nicht zu Anderson, um gut zu verdienen, sondern um Teil seiner Welt zu werden. So wie ich das verstanden habe, gilt das auch für all die Stars, die bei ihm spielen.

"Grand Budapest Hotel" ist der Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale und startet am 6. März 2014 im Kino. Weitere Informationen finden Sie hier.
 

- Antje Wewer