Hallo Frère!

Ein Gespräch über heilige Namen und einen verlorenen Faden.

Ich habe Alexander Körner, den Frontmann von Frère, vor ein paar Monaten kennen gelernt. Bei einem kleinen Konzert in Köln. Ich war mit einer Freundin dort und wir mussten alle drei denselben Zug zurück nach Hause nehmen. Köln Hauptbahnhof, Düsseldorf, Bochum, Dortmund. Es war schon spät, weshalb wir zum Zug rennen mussten. Erschöpft von der körperlichen Anstrengung, haben wir die ersten zehn Minuten kaum mit einander geredet. Magischerweise dann aber ununterbrochen, bis ich aussteigen musste.

Ein Gespräch über heilige Namen und einen verlorenen Faden.

 

Helena Kuhnen: Herr Körner, es ist noch früh am Morgen. Wie geht es Ihnen?

Alexander Körner: Ich habe mir gerade einen Kaffee gemacht. Jetzt geht es mir gut hehe

HK: Sie kommen aus dem Ruhrpott. Das merkt man ihrer Musik nicht an.

A: Ja, unsere Musik ist wohl mehr unsere Vorstellung vom Ruhrgebiet gemischt mit eigenen Erlebnissen von dort. Auf dem Cover unseres Albums ist ein Plattenbau zu sehen mit Aussicht auf ein Gebirgspanorama – so stelle ich mir eine Ruhrgebietsidylle vor.

HK: Sehr poetisch. Schreiben Sie die Texte bei Frère?

A: Ich komponiere erst Melodien auf meiner Gitarre und dazu fallen mir dann irgendwann Texte ein. Im Studio oder im Proberaum arbeiten wir diese Ideen dann gemeinsam aus.

HK: Kann Kunst eine demokratische Veranstaltung sein?

A: Tja, für das aktuelle Album haben wir zwei Jahre gebraucht. Wir haben es zweimal aufgenommen. Die erste Version haben Alessandro (Synthesizer) und ich bei ihm Zuhause im Studio aufgenommen. Sebastian hat zu dem Zeitpunkt auch schon vereinzelt mitgewirkt. Er war am Schlagzeug. Um live aufzutreten hat uns aber noch jemand gefehlt, der Gitarre und Bass spielt. So kam Alan dazu. Nach einem halben Jahr gemeinsamer Probe haben wir gemerkt, dass die Lieder live ganz anders klingen. Deshalb haben viele Stellen noch mal aufgenommen.

HK: Klingt nervenaufreibend. Aber ihr seid ja wie Brüder – Stichwort Frère?

A: Ich finde Frère ist einfach ein sehr schönes Wort.

HK: Gab es da nicht eine Anekdote, in der auch…

A: Jaja, aber dazu möchte ich lieber nichts sagen.

HK: Na gut.

A: Vielleicht so: ich hatte ganz früher eine Band und wir hatten alle spezielle Künstlernamen. Ich hieß Alexander van Nazareth. Als ich dann etwas später als Solokünstler aufgetreten bin, war mein Name „Van Nazareth“. Dem Namen wegen habe ich einige dubiose Bookinganfragen von Freikirchen bekommen. Wahrscheinlich wegen Jesus von Nazareth. Ein paar habe ich tatsächlich angenommen. Aber nach jedem Auftritt wurde ich gefragt, ob ich denke ich sei Jesus – tatsächlich eine ernst gemeinte Frage! Das war ich dann irgendwann unglaublich leid. Also habe ich mir einen neuen Namen überlegt. Da ich selbst Bruder einer jüngeren Schwester bin, ist mir Frère quasi über Nacht zugeflogen. Der Name transportiert ein tolles Gefühl und ist nicht so daher gegriffen. Er hat damals als Solokünstler gut funktioniert, aber auch jetzt als Bandname.

HK: Interessant … ach Mist. Jetzt habe ich den Faden verloren.

A: Macht nichts. Ich war bis fünf Uhr in der Früh im Proberaum. Ich musste mir heute morgen mehrmals den Wecker stellen, deswegen bin ich selbst noch ein bisschen neben der Spur.

HK: Glück gehabt. Ich möchte Sie auch gar nicht weiter aufhalten…

A: …ach Quatsch. Ist doch nett, so ein Telefonat nach dem Aufwachen. Dann schlafe ich zumindest nicht ein.

HK: Ok, dann noch eine Frage: Was halten Sie von Groupies?

A: Soweit ist es bei mir noch nicht.

Interview: Helena Kuhnen

Fotos: Danny Kötter

17.11.2017 | Kategorien Interviews, Musik, Newcomer | Tags , ,