Er hatte sie alle

Von Brando bis DiCaprio. Von der Loren bis Kim Basinger. Greg Gorman hat über Jahrzehnte die Größten des Showbiz vor seine Kamera bekommen. Eine Ausstellung in Berlin zeigt jetzt Highlights seiner Karriere als Porträtist der Stars.

Etwas verkürzt könnte man es so sagen: Sein Leben als Fotograf beginnt mit einem Hendrix Konzert 1968. Greg Gorman, damals 18 , bekommt bei einer Show der Musiklegende die Gelegenheit zu fotografieren. Ein großer Abend – „alle waren ein bisschen stoned“, erinnert sich Gorman Jahre später.

Als er am nächsten Tag in der Dunkelkammer eines Freundes steht und sich die Szenen vor seinen Augen entwickeln, weiß er plötzlich, dass es das ist, was er für seine Zukunft will: Fotos machen. Am liebsten von Menschen.

Der erste Schritt, der ihm einfällt,  kurz nach seinem Highschool Abschluß: Er schreibt sich an der Universität seiner Heimatstadt Kansas City, Missouri, für das Fach Foto-Journalismus ein. Nicht das perfekte Sprungbrett, um direkt bei Hochglanzmagazinen anzuklopfen – aber der naheliegendste Anfang. 1970 zieht er weiter nach Los Angeles, schlägt sich durch und schafft es mit seinem direkten Blick und einem Gespür für den Moment, die richtigen Leute auf sich und seine Arbeit aufmerksam zu machen.

In einer Ära, in der der Magazin-Journalismus blüht, gelingt es Gorman mit seinen Porträts Augenblicke der Nähe und den Beat der Zeit zusammen zu bringen. Über die Jahre arbeitet er  für Magazine wie LIFE und Newsweek, VOGUE und Rolling Stone. Allein 20mal zierte ein Gorman-Motiv Warhols INTERVIEW Magazin.

Stars wie Sharon Stone, Sophia Loren, Kim Basinger, Robert De Niro, Leonardo de Caprio, Marlon Brando, Johnny Depp, Jeff Bridges sowie auch Musiklegenden wie David Bowie, JimMorrison, Tom Waits, Michael Jackson, Frank Zappa, Philip Glass hatte er vor der Kamera.

Für INTERVIEW hat er vor seiner Berlinreise unseren Warhol Questionnaire beantwortet, mit einigen der Lieblingsfragen, die Andy Warhol in seinen Interviews immer wieder stellte.

Am Freitag, 12. September, eröffnet in der Berliner Galerie Hiltawsky „Greg Gorman: Porträts“ mit über 30 seiner Arbeiten. Zu sehen sind die Bilder dann von 13. September bis 9. November 2014. Außerdem hält Gorman am 14. September einen Vortrag im Cinemaxx am Potsdamer Platz. BestPhotoEvent.com

 

Träume Sie?

Ja, sehr regelmäßig.

Und führen Sie Tagebuch?

Nein, nichts was über Jobtermine und meine Abendverpflichtungen hinausgeht.

Was gab’s heute zum Frühstück?

Ich bin gerade in Norwegen, in einem Hotel. Daher hatte ich alles. Cereal, Eier, Saft und Kaffee.

Möchten Sie für Ihre Schönheit respektiert werden?

Kaum möglich. Ich hoffe, ich werde für meine Arbeit respektiert.

Die perfekte Dinner Party. Sie, Andy Warhol und…?

Meine üblichen Verdächtigen: John Waters (der Filmemacher), Audrey Wells (Drehbuchautorin), Diane Lane (Schauspielerin), Johnny Knoxville (Schauspieler) und meine anderen elenden Freunde.

Was ist ihre Lieblingsfarbe?

Schwarz, um es zu tragen. Rot, um es anzugucken.

Was lesen Sie gerade?

Ich bin gerade mit John Waters „Car sick“ fertig geworden und auf dem letzten Seiten von „Body Counts“, den Memoiren meines Freundes Sean Strubbs.

Warum sind Sie keine Erfinder geworden?

Weil ich Fotografie als mein Gebiet gewählt habe.

Könnten Sie sich vorstellen, einen ihrer Fans zu heiraten?

Ich habe gelernt, KEINE Dates mit Fans zu haben.

Wie wurden Sie entdeckt?

Ich glaube mein erstes großes Ding waren die Bilder, die ich für den Film „Tootsie“ gemacht habe. Und ich hab Andy Warhol überredete auch dabei zu sein (auf einem Bild mit Tootsie-Darsteller Dustin Hoffman in seiner Rolle als Dorothy Michaels.)

Was war Ihr erster Job?

Der erste an den ich mich erinnern kann, war Bürsten von Fuller Leuten an der Tür zu verkaufen.

Wer war die netteste Peron für die Sie jemals gearbeitet haben?

Saskia Middleburg, sie war Bilderedaktuerin beim deutschen Playboy.

Was ist das verrückteste, was Ihnen ein Fan je geschickt hat?

Ein pornografisches Sextape von sich selbst.

Sind Sie ein guter Koch?

Ja, bin ich, wenn ich dazu komme.

Gibt es etwas, dass Sie bedauern?

Meine Mutter und ich standen uns sehr nahe, trotzdem bedauere ich es, sie nicht noch viel mehr über ihre Jugend und ihr Erwachsenwerden ausgefragt zu haben.

Wann werden Sie nervös?

Ich werde immer dann etwas nervös, wenn ich mal wieder einen Gesundheits Check up machen muss.

Denken Sie auch immerzu nach?

Ich bin so kopfgesteuert, ich höre nicht auf nachzudenken 24/7, es weckt mich sogar manchmal auf und lässt mich nicht mehr einschlafen.

Macht es Sie depressiv, wenn Sie nicht arbeiten?

Ich glaube, alle produktiven Menschen werden depressiv, wenn sie nicht arbeiten.

 Glauben sie, es ist Eitelkeit, wenn man sehr viel darüber nachdenkt, wie man aussieht?

Ich glaube nicht, dass es unbedingt Eitelkeit ist, es gibt viele Gründe, sich Gedanken zu machen, wie man aussieht.

 Warhol sagte oft: „Ich will nicht für immer leben, wollen Sie das?“

Ich würde keinesfalls für immer leben wollen, wenn es keine Garantie für eine durchweg sehr gute Lebensqualität gäbe.

 Warum müssen wir eigentlich altern?

Das frage ich mich auch oft. Aber ich habe keine Antwort.

Was ist Ihr Lieblingsfilm?

Ingmar Bergmans „Schande“

Finden Sie es frustrierend, wie die Dinge zwischen Frauen und Männern laufen?

Überhaupt nicht. Ich liebe beide Geschlechter und sehe gar nicht so viele Probleme.

Haben sie irgendwelche intimen Geheimnisse?

Natürlich.

Würden Sie sie teilen?

Sie wären ja nicht mehr intim, wenn ich sie jetzt teilen würde, oder?

Dachten Sie in ihrer Jugend, Sie würden irgendwann mal Künstler werden?

Das ist schon so früh passiert, dass ich gar nicht richtig darüber nachgedacht habe. Ich erinnere nur, dass ich irgendwann auch mal Jura im Kopf hatte.

Welche Art Kleidung bevorzugen Sie im Moment?

Ich mag immer das gleiche. Ich trage Schwarze Jeans / Polo Shirts, Sportjacken und Tennis Schuhe.

Was ist Ihre aktuelle pop-kulturelle Obsession?

Sumo Ringen, Boxen und Wrestling. Einfach nur zu Unterhaltung.

Trainieren Sie?

Ich liebe es zu wandern, am besten täglich, um fit zu bleiben

Duschen oder Baden?

Zu Hause dusche ich und wenn ich unterwegs bin, dann baden.

Wann haben Sie das letzte Mal geweint?

Vorgestern, als der Vater meines besten Freundes starb.

 Sammeln Sie Kunst?

Ich war schon immer ein großer Sammler – im ganz kleinen Rahmen. LOL.

Wer wäre heute Andy Warhols Muse, wenn er noch leben würde?

Jeff Koons.

 Wen würde Warhol heute auf jeden Fall portätieren?

Den Dalai Lama.

 Was sind Ihre Lieblingsblumen?

Dahlien.

 

 

Vernissage der Ausstellung: Freitag, 12. September 2014, 19.00 Uhr

Der Künstler ist anwesend.

Laufzeit: 13. September – 9. November 2014

Ort: galerie hiltawsky, Tucholskystrasse 41, 10117 Berlin