HEIKE MAKATSCH

Am Ostermontag hatte sie ihr Tatort-Debüt: Ja, Heike Makatsch ist ein Star, so modern, unaufgeregt und erfolgreich, wie sich Deutschland heute gerne sieht. Für INTERVIEW unterhielten sich Heike Makatsch und ihre Freundin Leyla Piedayesh über Buffalo Boots, Knutschende Paare und die Sehnsucht nach einer Zigarette.

Leyla Piedayesh: Heike, wie geht es dir? Wir sehen uns ja kaum noch. Was hast du in der letzten Zeit gemacht?

Heike Makatsch: Im Moment ist es bei mir gerade ziemlich viel. Seit drei Wochen lebe ich in so einem ausgeklügelten System, auf das ich ziemlich stolz bin: morgens alle anziehen, dann die Kinder mit dem Fahrrad zur Kita bringen, anschließend das Fahrrad wechseln, dann damit zum Bahnhof …

Piedayesh: Mit dem Rad? Also dazu wäre ich zu faul, ich würde ein Taxi nehmen.

Makatsch: Das denkst du, aber dann steckst du eine halbe Stunde im Stau. Sonst würde ich natürlich auch ein Taxi nehmen, aber das funktioniert nicht. Also holpere ich mit dem Rad über all die Baustellen, die auch mit dem Rad kaum zu bewältigen sind, sitze dann um zehn vor neun im Zug, fahre nach Leipzig, mache meine Faust-Proben …

Piedayesh: Um zehn vor neun? Sag mal, wann stehst du denn da auf? Um halb sieben?

Makatsch: So ungefähr.

Piedayesh: Zwei Kinder anzuziehen ist nämlich überhaupt nicht so einfach.

Makatsch: Nein, das ist nicht so einfach. Und sie dann auch noch wohlbehütet abzugeben und so zu tun, als wäre man überhaupt nicht gestresst. Jedenfalls probe ich dann in Leipzig vier, fünf Stunden und nehme kurz vor drei den Zug zurück. Um vier bin ich dann wieder in Berlin und hole die Kinder ab. Danach hab ich manchmal noch ein paar kleinere Termine. Das mache ich jeden Tag. Und zweimal die Woche werde ich vom Bahnhof abgeholt und habe noch einen halben Drehtag …

Piedayesh: In Leipzig?

Makatsch: Nein, in Berlin. Ich drehe doch diesen Film mit Dieter Hallervorden. Ach ja, und dann hatte ich in Leipzig noch die Wiederaufnahme von Krieg und Frieden, dieser 6-Stunden-Inszenierung. So sieht das Leben bei mir im Moment aus. Und bei dir?

Piedayesh: Ich war gerade in Paris.

Makatsch: Wie war’s?

Piedayesh: Ach, Paris ist natürlich immer wieder schön. Aber mir ist da wieder aufgefallen, in was für einer uniformierten Zeit wir eigentlich leben. Du läufst durch die Straßen, und alle sehen gleich aus. Es gibt ungefähr sieben Modeketten, bei denen alle kaufen, also sehen auch alle Leute gleich aus. Das ist ein bisschen traurig.

Makatsch: Aber bei uns sehen doch auch alle gleich aus. Vielleicht liegt es nur an der Blase, in der ich im Berliner Osten lebe, aber ich finde, dass die Mädchen hier schon alle so aussehen wie kleine Ladys. Es gibt auch kaum noch subkulturelle Strömungen. Es gibt keine Ökos, keine Mods, keine Punks, keine Gruftis, ich meine, die gibt es vielleicht noch, aber die haben keine Bedeutung mehr. Alle sehen aus wie Mango und H&M.

Piedayesh: Was hast du denn getragen, als du jung warst?

Makatsch: Gute Frage. Ich habe verschiedene Phasen durchgemacht. Eine Zeit lang war ich Mod, weil ich so von der Musik der 60er geprägt war. Ich hatte diese Miniröcke an, Lidstriche, spitze Schuhe …

Piedayesh: So ein richtiges Mod-Mädchen warst du?

Makatsch: Ja.

Piedayesh: Süß. Hast du auch einen Parka angehabt, einen mit Kapuze?

Makatsch: Ja, und dann hing ich auf einer Vespa drauf.

Piedayesh: Und Paul Weller hast du gehört?!

Makatsch: Ja, Paul Weller auch.

Piedayesh: Klar, was sonst? Und was kam nach der Mod-Phase?

Makatsch: Weil meine erste große Liebe so aussah wie Axl Rose, ging es dann ein wenig in die Guns-N’-Roses-Richtung. Das heißt: viele Tücher und Ketten, so ein bisschen Sleaze-Rock-mäßig – oh Gott, oh Gott, oh Gott!

Piedayesh: Und dann?

Makatsch: Dann wurde ich erwachsen. Obwohl die Leute ja behaupten, dass ich ein Girlie gewesen sei.

Piedayesh: Du warst das Vorzeige-Girlie, mit T-Shirts und engen Jeans …

Makatsch: Ja, T-Shirts mit Aufdruck …

Piedayesh: Die T-Shirts waren auch ein bisschen bauchfrei und relativ eng und hatten die Rolling-Stones-Zunge drauf.

Makatsch: Zum Beispiel. Aber das haben damals doch alle getragen, oder?

Piedayesh: Je nachdem, was für eine Figur die hatten, haben die das getragen, ja.

Makatsch: Und was warst du?

Piedayesh: Ich war Popper.

Makatsch: Deswegen auch die Bundfaltenhosen.

Piedayesh: Ja, ich war schon immer gern schnieke angezogen. Ich hatte Jetset-Sweatshirts an und Pullover, die man sich um den Arsch gebunden hat.

Makatsch: Ich dachte, die hat man sich über die Schulter gebunden?

Piedayesh: Das haben die Spießer gemacht. Ich habe sie lieber um den Arsch getragen, ist ja klar. Und dann ging ich über in dieses Baggy-Dasein mit Vans und solchen Sachen. Und als junges, kleines Mädchen hatte ich Sachen von Esprit an.

Makatsch: Das hatte ich auch. Mit zwölf etwa.

Piedayesh: Wobei, mit zwölf kam ja schon Nena mit ihren Miniröcken aus Sweatshirt-Stoff.

Makatsch: Du meinst diese Stufen-Miniröcke?

Piedayesh: Genau! Nena war übrigens mein erstes Konzert.

Makatsch: Mein erstes war Shakin’ Stevens.

Piedayesh: Nein!

Makatsch: Doch! Da bin ich mit meiner Mutter gewesen, da war ich erst neun. Vor Aufregung bin ich beinah in Ohnmacht gefallen und hatte solche Bauchschmerzen, dass ich mich auf eine Bank legen musste, während Shakin’ Stevens vorne auf der Bühne gerockt hat oder wie man das nennen möchte. Das hat mich damals sehr geärgert. Und ich weiß heute noch, dass ich eine hellblaue Hose und ein hellblaues T-Shirt anhatte. Und dazu diese Schuhe von Buffalo, die an der Seite ein Zeichen hatten. Kennst du die?

Piedayesh: Na klar kenne ich die. Ich bin in Wies­baden aufgewachsen, von dort kommen Buffalo Boots doch her.

Makatsch: Die waren wie Turnschuhe, halbhoch und mit diesem Zeichen an der Seite.

Piedayesh: Die hatte ich in allen Farben.

Makatsch: Ich auch! Die waren toll. Die sind immer noch toll.

Piedayesh: Aber die sieht man nicht mehr.

Makatsch: Die würde ich heute noch anziehen … Oh je, wenn die Leute das lesen, was wir hier reden, denken die, wir wären total oberflächliche Ziegen.

Piedayesh: Nein, überhaupt nicht. Wir sind in den 80ern aufgewachsen, und da war Fashion, ach, das war ja eigentlich gar keine Fashion, da war die ­Kleidung …

Makatsch: … da war die Kleidung Teil der Iden­titätsfindung.

Piedayesh: Da hat man sich auch das Geld zusammengespart, wenn man irgendetwas haben wollte.

Makatsch: Absolut. Meine Tochter bekommt jetzt zwei Euro Taschengeld in der Woche. Neulich, als wir auf dem Flohmarkt waren, hatte sie ihr Geld dabei und ist zielstrebig auf ein altes Dirndl zugegangen, das sogar ihre Größe hatte. Das hat sie von zehn auf sechs Euro runtergehandelt, und das war das erste Stück, das sie sich selbst gekauft hat. Ich musste es ihr noch etwas ausbessern, und jetzt zieht sie es zu Hause immer voller Stolz an – ich hoffe, nur zu Hause.

Piedayesh: Ach, nein, ich finde ein Dirndl auch draußen super. Mit einer Jeansjacke oder so …

Makatsch: Aber damals war das, was man anhatte, auch immer wahnsinnig stark mit der Musik verquickt, die man gehört hat. Wahrscheinlich ist das heute immer noch so. Nur kann ich das nicht so genau sagen, ich bin da einfach raus.

Piedayesh: Klar, das war mit der Musik verbunden. Ich war ja auch nicht nur äußerlich Popper.

Makatsch: Du hast Wham! gehört?

Piedayesh: Ja, Wham! und Kool & The Gang.

Makatsch: Bei uns in Düsseldorf gab es damals so eine Bhagwan-Disco …

Piedayesh: … die gab es bei uns auch.

Makatsch: Man würde es nicht denken, weil sich Bhagwan ja so barfuß anhört, aber das war der Popper-Treff überhaupt. Bei euch auch?

Piedayesh: Nein, bei uns war das ziemlich sekten­mäßig. Ich weiß noch, wie ich da mit 15, 13 oder 14 reingegangen bin und alle so rot gekleidet waren.

Makatsch: Nein, bei uns war das anders. Da lief dann so The Look Of Love von ABC …

Piedayesh: Herrlich. Und Illusion?

Beide: (singen) „It’s just an illusion, ha, ha, ha, haha.“

Piedayesh: Das höre ich heute immer noch gern, wenn es irgendwo läuft. Das Rockigste, was ich gehört habe, waren vielleicht die Rolling Stones.

Makatsch: Meine größten Helden waren ja die Beat­les und dann drumherum alles aus den 60ern: The Who, Kinks, Yardbirds. Und dann habe ich auch viel Punk gehört, Bands wie Hüsker Dü oder 999.

Piedayesh: Bist du auch auf Konzerte gegangen?

Makatsch: Ja, ich war dauernd auf Konzerten und überhaupt sehr nachtlebig unterwegs. Ich war zwar immer auf Kirschsaft, aber schon sehr früh in der Altstadt aus und mit 14, 15 auch im Ratinger Hof und so. Aber dann kamen die Guns N’ Roses, und es ging ein bisschen bergab. Ich weiß noch, wie ich mit meinem damaligen Freund, der so aussah wie Axl Rose, auf dem einzigen Guns-N’-Roses-Konzert in Mannheim war, bei der Use Your Illusion-Tour. Das war so 1990.

Piedayesh: 1990 – ging es da nicht schon so langsam mit Elektro los?

Makatsch: Ja, bei den anderen vielleicht, aber nicht bei mir.

Piedayesh: 1990 hatte ich mir, glaube ich, gerade die Haare feuerrot gefärbt und mir noch mal Christiane F. durchgelesen.

Makatsch: Ich hatte mir mit Crazy Colors die Haare so rot wie Paprikaschoten gefärbt.

Piedayesh: Crazy Colors sind ja heutzutage auch wieder sehr beliebt.

Makatsch: Ja, aber heute sind die Farben eher ausgewaschen, damals hatte man sie lieber kräftig und satt. Jedenfalls: Damals gab es viel Nachtleben.

Piedayesh: Wenn ich jetzt an die Zeit zurückdenke, in der ich angefangen habe, auszugehen, frage ich mich, wie es wohl ist, wenn meine Tochter in dem Alter ist. Meine Kleine ist jetzt vier, das ist also auch nur noch zehn, zwölf Jahre hin. Ich meine, ich bin so ein Schisser, dass ich schon bei der Vorstellung, sie mal alleine auf die Straße zu lassen, es mit der Angst zu tun bekomme. Geht dir das auch so?

Makatsch: Nein, das geht mir nicht so. Ich bin zwar auch eine ziemliche Glucke, aber ich habe nicht so viel Angst.

Piedayesh: Vor allem frage ich mich, wie es denn später sein wird, wenn sie um zwölf zu Hause sein muss und dann um halb eins immer noch nicht da ist?

Makatsch: Bist du denn immer pünktlich zu Hause gewesen?

Piedayesh: Ich bin ja sehr streng erzogen worden und durfte eigentlich nie etwas. Aber wenn ich ausnahmsweise doch mal was durfte, hab ich es immer gleich übertrieben und bin erst viel zu spät zu Hause gewesen.

Makatsch: Ich durfte auch nicht so viel. Bis ich 18 war, musste ich immer die letzte Bahn nehmen, die ging um acht Minuten nach eins. Das war also nicht so wahnsinnig locker. Mein Freund durfte nie bei mir schlafen. Und ich glaube, ich würde es ähnlich halten mit meiner Tochter.

Piedayesh: Aber wir leben doch heute in einer ganz anderen Zeit. Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt funktionieren würde.

Makatsch: Ich glaube, dass man den Kindern einfach einen Schutzraum bieten muss. Ich habe später mal meine Mutter gefragt, warum denn nie mein Freund bei mir übernachten durfte, und sie meinte: „Na ja, wenn du mit deinem Freund was machen wolltest, dann hast du das ja sowieso gemacht, da hätte ich gar nichts gegen machen können. Aber für den Fall, dass du das nicht wolltest, sollte dir das Verbot einen Schutzraum bieten. Du konntest sagen: ,Nein, ich will jetzt nicht! Nein, ich muss nach Hause!‘ Du konntest damit alles auf mich schieben.“ Dadurch war ich als 16-Jährige nicht so sehr der Situation ausgeliefert. Das war mir allerdings damals natürlich nicht klar.

Piedayesh: Bei mir waren die Verbote so kategorisch, dass ich sie nicht als Unterstützung verstanden habe, sondern als etwas, das alles in mir erstickt hat. Ich fand das nicht so cool.

Makatsch: Allerdings war ich, glaube ich, auch ein wahnsinnig liebes Kind. Meine Mutter sagt immer, es habe mit mir nie Probleme gegeben. Das sagt die immer zu mir. Ich denke dann: Das muss mein Problem gewesen sein.

Piedayesh: Dass du so nett warst?

Makatsch: Ja.

Heike Makatsch: “Wenn man in Prenzlauer Berg herumläuft, sieht man vor allem gestresste Eltern mit ihren Kindern. Die kommen nicht mehr zum Knutschen”
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Piedayesh: Wann hast du rebelliert?

Makatsch: In den letzten fünf Jahren.

Piedayesh: Oh, jetzt erst. Ich denke, irgendwie muss man immer rebellieren.

Makatsch: Ja, sicher. Dass ich so angepasst war, hing auch damit zusammen, dass ich so eng mit meinen Eltern war. Die waren ja auch so jung und so cool. Es gab da einfach nur wenig Widerstand, gegen den ich mich hätte auflehnen müssen.

Piedayesh: Bei mir war das anders. Ich kam aus dem konservativen Iran plötzlich nach Deutschland in eine freie Gesellschaft …

Makatsch: Wann war das?

Piedayesh: 1979, da war ich neun.

Makatsch: Ach, da warst du ja schon groß. Das muss ja ein Kulturschock gewesen sein?
(Sie schauen zum Pärchen am Tisch gegenüber.)

Makatsch: Die sind nur am Knutschen da drüben, nur am Knutschen.

Piedayesh: Ja, Frischverliebte sind toll. Manchmal nerven sie allerdings auch …

Makatsch: Aber guck mal, die sind total verknallt!

Piedayesh: Süß! In Paris hab ich auch an jeder Ecke ein frisch verliebtes Pärchen gesehen, das nur geknutscht hat. Fand ich herrlich.

Makatsch: Du meinst Pärchen, die dort ihren Honeymoon verbracht haben? Oder waren die aus Paris?

Piedayesh: So sehr bin ich denen jetzt nicht auf die Pelle gerückt, ich bin ja nur an denen vorbeigegangen. Und da sie geknutscht haben, weiß ich auch nicht, in welcher Sprache sie gesprochen haben. Die haben sich verständigt in der internationalen Sprache der Liebe. In Berlin sieht man übrigens nicht so oft knutschende Paare.

Makatsch: Nein. Wenn man zum Beispiel in Prenzlauer Berg herumläuft, sieht man vor allem gestresste Eltern mit ihren Kindern. Die kommen nicht mehr zum Knutschen.

Piedayesh: Stimmt, die haben das Knutschen schon hinter sich, die schieben nur noch.
(starkes Husten)

Makatsch: Oh, was ist da los?

Piedayesh: Ich habe zu viel geraucht.

Makatsch: Rauchst du wieder?

Piedayesh: Ja, ich habe wieder angefangen zu rauchen, und jetzt will ich wieder anfangen, damit auf­zuhören.

Makatsch: Wie viele waren es denn heute?

Piedayesh: Erst eine.

Makatsch: Das ist ja nicht so viel.

Piedayesh: Ja, aber wenn ich ein Glas Wein trinken würde, käme die zweite, die dritte, vierte, fünfte.

Makatsch: Ja, aber trotzdem denke ich manchmal, dass Rauchen auch eine schöne Sache ist. Ich rauche ja nicht mehr.

Piedayesh: Du hast mal geraucht?

Makatsch: Ja, das kannst du dir bestimmt nicht vorstellen, oder? Ich war mal eine Starkraucherin, vor zehn Jahren. Ein, zwei Packungen am Tag hab ich ­gebraucht.

Piedayesh: Ein, zwei Packungen?! Das ist viel.

Heike Makatsch: “Ich habe den Rauch immer so halb ausgeblasen und dann wieder eingesogen. Das war Teil meiner Persönlichkeit. Und als ich dann aufhören wollte, meinte eine Freundin zu mir: ,Hm, dann bist du aber nicht mehr die Gleiche’”
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Makatsch: Ich hatte da auch so eine bestimmte Technik. Ich habe den Rauch immer so halb aus­ge­blasen und dann wieder eingesogen. Das hat viel Spaß gemacht. Das war auch Teil meiner Persönlichkeit. Und als ich dann aufhören wollte, meinte eine Freundin zu mir: „Hm, dann bist du aber nicht mehr die Gleiche.“

Piedayesh: Wie nett.

Makatsch: Das hat mich damals schwer getroffen. Ich habe seitdem jedenfalls keine Zigarette mehr angerührt. Aber ich weiß, dass das Rauchen immer noch ein alter Freund ist, den ich manchmal vermisse.

Piedayesh: Aber lass uns doch noch mal über deinen Beruf sprechen. In was für Filmen würdest du eigentlich gerne mal spielen?

Makatsch: Ach, in so Dramen, wo alle völlig auf­gelöst aus dem Kino kommen und unter Schluchzen sagen: „Dieser Film hat gerade mein Leben erzählt, aber auf eine ganz andere Weise.“ (lacht)

Piedayesh: Also ich würde ja gerne in einem Almodóvar-Film mitspielen, diese großen Tragödien.

Makatsch: Bei mir wären das einerseits so Michael-Haneke-Filme, aber auf der anderen Seite auch Filme mit Ben Stiller.

Piedayesh: Du meinst Komödien?

Makatsch: Ja.

Piedayesh: Aber findet man Ben Stiller wirklich richtig lustig?

Makatsch: Ja! Zoolander musst du dir anschauen. Kennst du Zoolander?

Piedayesh: Nein.

Makatsch: Einer der wichtigsten Filme überhaupt: „This is Hansel, he is so hot right now! Hansel is so hot right now!“ Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Film gesehen habe.

Piedayesh: Hast du überhaupt schon mal Komödien gespielt?

Makatsch: Ja, am Anfang meines schauspielerischen Schaffens. Und damals wurden mir eigentlich auch nur Komödien angeboten. Aber das waren dann oft Komödien, die nur eine Replik auf eine andere Komödie waren – oft am Reißbrett entworfen und auch nicht besonders gut geschrieben. Und weil ich mir selbst am liebsten Dramen ansehe, habe ich versucht, das irgendwie zu durchbrechen, was zur Folge hatte, dass mir heute gar keine Komödien mehr an­geboten werden. Aber ich würde gerne mal wieder eine drehen.

Piedayesh: Das kennst du wahrscheinlich auch, dass du manchmal ein Buch liest und dich so sehr mit dem Protagonisten identifizierst, dass du denkst: Mensch, das hätte ich auch gerne erlebt! Bei welchem Buch war das bei dir zuletzt so?

Makatsch: Wahrscheinlich bei Vom Winde verweht.

Piedayesh: Oh, nein.

Makatsch: Die Geschichte hätte ich vielleicht nicht gerne selber erlebt, aber das Buch habe ich gelesen, als ich 14 war, und damals war ich in den falschen Jungen verliebt und mit dem richtigen zusammen.

Piedayesh: Hahaha. Als ich die Biografie von Fassbinder gelesen habe, dachte ich: Mit dem hätte ich gerne mal zusammengearbeitet. Ich fand das so zer­störerisch, diese Welt, die sie sich geschaffen haben. Völlig unglaublich, wie die drauf waren.

Makatsch: Ja, solche zerstörerischen Sachen findet man irgendwie immer attraktiv.

Piedayesh: Ja, total.

Makatsch: Weil es auch so lebendig wirkt, so von beiden Seiten zu brennen. Gehst du eigentlich noch zum Yoga? Wir haben noch gar nicht über unsere Yoga-Leidenschaft gesprochen.

Piedayesh: Dabei haben wir uns doch beim Yoga kennengelernt. Damals war ich ja noch 20 Kilo schwerer.

Makatsch: Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Du sahst aus wie so eine iranische Mutti.

Piedayesh: Hahaha!

Makatsch: Und, gehst du noch zum Yoga?

Piedayesh: Ja, wenn ich es schaffe, gehe ich dreimal die Woche, immer morgens. Erst bringe ich die Kleine in die Kita, und dann geht es los. Morgens ist Yoga super.

Makatsch: Würde ich auch gern machen. Aber gerade geht es nicht. Ich war auch schon so richtig muskulös geworden, aber das ist jetzt wieder weg. Aber wenn sich im November der ganze Stress ein wenig gelegt hat, gehe ich wieder hin.

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Von
Leyla Piedayesh
Fotos
Giampaolo Sgura
Styling
Klaus Stockhausen

Haare & Make-up STELLI.EU MIT PRODUKTEN VON L’ORÉAL PARIS UND TOM FORD COSMETICS
Props Irina Kromayer
Foto-Assistenz Angela Improta, VIKTOR EBELL
Digital Operator giuliano carparelli
Styling-Assistenz Caroline lemblé
Haare- & Make-up-Assistenz ManueLa Kopp
Props-Assistenz Emilie bruner
Produktion Frank Seidlitz, Dorothea Fiedler
Dank an Delight studios berlin
UND FIRMA LONDON BERLIN