Der süße ORREN FOX

»Das Geheimnis glücklicher Honigbienen« heißt das schöne und leicht zu lesende Handbuch des amerikanischen Imkers Orren Fox. Erschienen ist es in einer ganzen Reihe von Titeln, die sich den Freuden des Selbermachens widmen.

JOACHIM BESSING: Wie alt sind Sie, Mr. Fox?

ORREN FOX: Ich bin jetzt 21 Jahre alt.

JB: Und seit wann beschäftigen Sie sich mit der Imkerei?

OF: Hm – ich war damals noch in der fünften Klasse. Also war ich ungefähr zehn Jahre alt, als ich dieses coole Hobby für mich entdeckte.

JB: Wie kam es dazu?

OF: Eigentlich war ich von klein auf von Hühnern begeistert. Ich halte mir heute noch ein paar. In der Nähe des Dorfes, aus dem ich komme, fanden immer mal wieder landwirtschaftliche Ausstellungen statt. Die habe ich gerne besucht, um mir die Hasen und Hühner anzuschauen. Einmal bin ich dort auch den Imkern begegnet.

JB: Was genau ist am Imkern cool?

OF: Bienen machen coole Dinge. Allein wenn ich mir die Waben anschaue – das ist eine perfekte, wunderschöne Struktur. Als ich das erste Mal in einen Imkeranzug schlüpfen durfte, mit dem Gesichtsschleier auf dem Kopf: Man nähert sich dem Bienenstock und wird von hunderten von Bienen umschwirrt. Das ist ein ziemlich aufdringliches Geräusch. Das Adrenalin schießt ein. Man fürchtet, gestochen zu werden.

JB: Hühner kann man ja wenigstens auf den Arm nehmen. Sie sind weich und warm. Mit Insekten geht das nicht.

OF: Bienen sind ganz andersartige Tiere. Es gibt sie seit über 100 Millionen Jahren in dieser Form. Wir wissen aber noch längst nicht alles über sie. Im Gegensatz zu Hühnern ist das Wesen der Bienen geheimnisvoll.

Orren Fox: “Bienen sind nicht besonders pflegebedürftig. Sie zu halten ist nicht vergleichbar mit einem Hund, der bei Regen raus muss.”
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JB: In Deutschland geht es derzeit erstaunlich viel um die Bienen. Unsere neue Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat neulich verlangt »Was der Biene schadet, muss vom Markt.« Gibt es in den Vereinigten Staaten eine vergleichbare Politik?

OF: Nicht in dem Maße. Aber in Teilen der Bevölkerung ist das Bewußtsein da, wie wichtig die Arbeit der Bienen für uns ist. Sie stellen ja nicht bloß Honig her. Man muss sich bewusst machen, dass ein großer Teil unserer Lebensmittel ohne die Bestäubung durch Bienen nicht entstehen könnte.

JB: Jetzt gibt es ja einen Trend zum sogenannten Urban Beekeeping. Also Imkern in der Stadt. Finden Sie das sinnvoll?

OF: Eigentlich schon. Bienen sind ja nicht besonders pflegebedürftig. Sie kommen gut allein zurecht. Bienen zu halten ist nicht vergleichbar mit einem Hund, der dann bei Regen raus muss.

JB: Reisen Sie auch, um die Bienen auf anderen Kontinenten zu studieren?

OF: Neulich war ich ein halbes Jahr in Nepal. Da habe ich bei einem Schulprojekt mitgearbeitet. Auf dem Schulgelände habe ich einen Bienenstock eingerichtet, um den die Schüler sich in Arbeitsgemeinschaften kümmern sollten. Das war sehr interessant, auch kulturwissenschaftlich, weil die Geräte zur Imkerei dort ganz ähnlich aussehen, wie bei uns im Westen. Es ist halt eine der ältesten Formen der Tierwirtschaft.

JB: Schmeckte der Honig der nepalesischen Bienen anders?

OF: Na klar. Dort wachsen ja auch andere Blühpflanzen. Als ich mit meinen Bienen für ein Projekt in Kalifornien war, hatte mein Honig plötzlich eine deutliche Orangennote. Ganz anders waren allerdings die Hornissen in Nepal. Sie sind etwa vier Zentimeter groß und aggressiv. Sie schwebten den ganzen Tag vor den Bienenstöcken, um Bienen umzubringen und aufzufressen. Das war schon eine radikale Erfahrung, das mitansehen zu müssen.

JB: Ist das ihr Zukunftswunsch, als reisender Imker die Welt zu sehen?

OF: Ich bin jetzt in meinem zweiten Jahr an der Hochschule. Ich werde mich immer mit Bienen beschäftigen, soviel ist klar.

Für alle Freunde honigsüßer Köstlichkeiten hier noch eins von vielen Rezepten des Orren Fox:

Käsekuchen mit Feta und Honig

Dieses Rezept wurde mir freundlicherweise von Sarit Packer und Itamar Srulovich überlassen, den Gründern des Londoner Restaurants Honey & Co. Es steht außerdem in ihrem ausgezeichneten Buch Honey & Co: Food from the Middle East (Saltyard Books). Dieser Nachtisch ist eines ihrer Marken- zeichen.

Zutaten

Für das Kadaifi
25 g geschmolzene Butter
50 g Kadaifi (oder zerbröselter Blätterteig) 1 El feiner streuzucker

Für die Käsekuchencreme
160 g Frischkäse mit vollem Fettgehalt (z. B. Philadelphia) 160 ml Mascarpone
40 g Puderzucker
40 g Honig nach Wahl (ein etwas körniger funktioniert gut) 50 g glatter, cremiger Feta
Mark von einer halben Vanilleschote (oder 1 tl Vanilleessenz)

Für den Honigsirup
50 ml Honig 50 ml Wasser

Zum Garnieren
Ein paar frische Oregano- oder Majoranblättchen
Eine Handvoll ganze geröstete Mandeln, grob gehackt Mildes Obst der saison – am besten weiße Pfirsiche oder
Blaubeeren (Himbeeren oder aprikosen sind auch gut!)

 

1. Den Ofen auf 180 °C (Gas: Stufe 4) vorheizen.

2. Die geschmolzene Butter mit dem Gebäck und dem Zucker in einer Schüssel mischen. Dafür das Gebäck vorsichtig in Fetzen reißen und mit den Händen alles so durchkämmen, dass das Kadaii gleichmäßig mit Butter und Zucker bedeckt ist. Die Masse in vier gleich große Portionen teilen, indem man vier garnknäuelartige Klumpen aus der Masse heraus- zieht und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Back- blech legt. Sie sollten aussehen wie vier lache Vogelnester und etwa so groß sein wie eine Untertasse.

3. Die Nester etwa 12 bis 15 Minuten backen, bis sie eine goldene Färbung annehmen. Abkühlen lassen und bis zumVerzehr in einem luftdicht verschlossenen Behälter aufbewahren. Die Gebäcknester halten sich 2 bis 3 Tage, man kann sie also gut vorbereiten.

4. Alle Zutaten für die Käsekuchencreme in eine große Schüssel geben und mit einem Teigspachtel oder einem großen Löffel in kreisförmigen Bewegungen gut verquirlen, bis die Masse andickt. Dafür lieber keinen Schneebesen nehmen, denn es soll keine Luft an die Mischung kommen: Es ist nämlich gerade ihre Konsistenz, die sie so einmalig macht.

Die Festigkeit der Masse prüfen. Dafür mit dem Löffel etwas davon abstechen und ihn dann umdrehen:
Die Masse sollte nicht herunterfallen. Wenn sie noch zu weich ist, weiterrühren. (Wenn man dieses Rezept für viele Leute macht und deshalb die Mengen vergrößert, sollte man zum Mixer greifen. Man muss dann allerdings höllisch aufpassen, dass die Masse nicht buttrig wird.) Die Käsekuchencreme lässt sich gut bis zu 48 Stunden vor dem Servieren vorbereiten. Einfach zugedeckt in den Kühlschrank stellen, bis es Zeit ist, den Nachtisch zusammenzusetzen.

5. Honig und Wasser für den Sirup in einen kleinen Topf geben und 1 Minute kochen lassen. Schaum und an- dere Fremdkörper, die auf der Oberläche erscheinen, abschöpfen.Vom Feuer nehmen und abkühlen lassen, dann bis zum Servieren zugedeckt im Kühlschrank aufbewahren.

6. Um den Nachtisch zusammenzusetzen, ein Gebäcknest auf jeden Teller legen und einen großen Löffel Käsekuchenmischung daraufgeben. Die Kräuterblättchen und die gehackten Mandeln drüberstreuen, ein paar Blaubeeren oder Pirsichscheiben hinzufügen und über alles einen Esslöffel Honigsirup träufeln. Für die ganz luxuriöse Variante kann man zusätzlich noch etwas ungeilterten Honig darübergießen.

Imkern/ Das Geheimnis glücklicher Honigbienen von Orren Fox ist als Do Book bei Tempo erschienen.

Nicht nur für Imker und Naturfreunde – unsere Filmempfehlung:

24.05.2018 | Kategorie Interviews | Tags , , , , ,

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