Interview:
Eike von Stuckenbrok

Er wurde als Performer und Artist bekannt, seit einiger Zeit konzipiert er als Regisseur und Creative Director spektakuläre Shows. Jetzt wird er als künstlerischer Leiter ein großes Cartier-Event in Berlin ausrichten.

Foto: Carolin Saage

Interview: Herr von Stuckenbrok, sie wurden als Performer und Artist bekannt, seit einiger Zeit konzipieren Sie als Regisseur und Creative Director spektakuläre Shows. Jetzt werden Sie als künstlerischer Leiter ein großes Cartier-Event in Berlin ausrichten. Wie kam es dazu?

Eike von Stuckenbrok: Ich führe öfter Regie, da ist immer viel Performace, Theater, Zirkus und Raumkonzeption dabei. Diesen Abend – ein Setting in einem stillgelegten Kraftwerk in der Rummelburger Bucht – haben wir speziell für Cartier entwickelt. Die Herangehensweise war so wie sonst, wenn ich ein Stück mache. Ich freue mich auf die Nacht und darüber, dass Cartier gefällt was wir machen – die Art und Weise wie wir leben, wie wir sind, was wir performen.

Interview: Ihr Kollektiv umfasst viele von Europas spannendsten Performance Artists. Wie haben sie sich gefunden?

Eike von Stuckenbrok: Das hat viel mit der Stimmung in Berlin zu tun. Schon kurz nachdem ich die Schule verlassen habe, gab es Pläne mit verschiedenen Leuten in meinem Umfeld eigene Shows zu organisieren. Ab dann war ich jeden Tag auf der Bühne, immer wieder in neuen Stücken quer durch die ganze Welt. Oft ist es dann so: Du spielst zwei Monate eine Show, dann bist du wieder an einem anderen Ort mit einem anderen Vertrag. Viele Artisten haben teilweise über mehrere Jahre keine eigene Wohnung. Nach einigen Jahren fehlt einem ein Ort, an dem man sich zuhause fühlt. Für mich war immer klar, dass Berlin der Ort ist, wo ich bleiben will.

Interview: Und dann kam das Unglück dazwischen.

Eike von Stuckenbrok: Ja. Vor vier Jahren wurde ich während einer Reise in Kambodscha von einem Tuk-Tuk angefahren. Ich konnte danach meinen Arm nicht bewegen und mein Knie war gebrochen. Das Knie ist relativ schnell geheilt, aber das mit dem Arm war irgendwie ungewöhnlich. Kein Kontakt mehr zwischen den Nerven. Bis dahin hatte ich mir um soetwas keine Gedanken gemacht. Ich war komplett verschont geblieben von Knochenbrüchen. Ich war jeden Tag auf der Bühne und habe Sachen gemacht, bei denen immer irgendetwas vorfallen kann – Und dann auf dieser Reise passiert es. Aber irgendwie ist das Leben einfach so.

Interview: Wie ging es danach weiter?

 

Eike von Stuckenbrok: Es folgte ein ziemlich langer Heilungsprozess. Zuerst war das natürlich ein schwerer Schlag, ein krasser Einschnitt, damals ist einfach ein Teil meiner Identität verloren gegangen. Wenn mich damals jemand gefragt hat wer ich bin, habe ich gesagt: „Ich bin Performer, ich bin Artist“. Nach dem Unfall ist mir das nochmals deutlich geworden. Aber ich habe gleichzeitig auch gemerkt, dass nicht alles vorbei ist, sondern weitergeht. Es gab mir die Möglichkeit, meine Schwäche zu einer Stärke zu machen und mich auf neue Bereiche zu konzentrieren. Ich hatte kurzzeitig Panik davor weil plötzlich soviel anders lief. Aber ich musste nicht allzuviel umdenken. Ich habe das gemacht, was ich auch schon davor gemacht habe, aber auf einem neuen Level. Das Performerleben hat auch viel mit Ego zu tun, das braucht man auch, auf der Bühne zu stehen und man denkt viel an sich. Das hat sich verändert, was irgendwie auch angenehm ist.

Interview: Wie hat sich die Mitwirkung an Produktionen verändert?

Eike von Stuckenbrok: Ich habe auch vorher schon Regie geführt, Raumkonzepte entwickelt und Stücke inszeniert. Der Unterschied ist, dass ich jetzt nicht mehr selber auf der Bühne stehe. Ich habe jetzt den Blick von außen. Dieser Perspektivenwechsel nach dem Unfall tat mir gut.

Interview: Als Sie auf der staatlichen Schule für Artistik waren, da gab es ja einige Differenzen, warum war das so schwierig war für Sie?

Eike von Stuckenbrok: Schule war schon immer schwierig für mich. Das Kreative steht eigentlich nie im Vordergrund. Deshalb habe ich die Schule auch vor meinem Abschluss verlassen. Damals war es eher so eine Vermutung, dass ich nicht so arbeiten wollte wie es vorgegeben wurde, jetzt weiß ich es ganz genau, dass ich damals richtig lag.

Interview: Sind eigene Ideen am Theater einfacher umzusetzen?

Eike von Stuckenbrok: Das ist vergleichbar mit der Schule. Wen man an ein Theater kommt, sitzt da ein Techniker, der vielleicht schon seit dreißig Jahren an dem gleichen Platz sitzt. Das kann gut sein, kann aber auch extrem mühsam sein. Meine Energie, die ich versuche reinzubringen – zu versuchen ganz neu zu denken, es anders zu machen, das wollen viele nicht. Aber auch wenn mich reale Orte aktuell sehr reizen, habe ich nach wie vor große Lust meine Ideen im Theater umzusetzen.

 

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