GEZA SCHÖN
im Beauty-Interview

© La Biosthétique

Für La Biosthétique hat Berlins einziger Parfumeur eine neue Pflegelinie entworfen –  und verspricht ein umwerfendes Wellnesserlebnis. Lesen Sie hier das Interview mit dem Duftdesigner.

 

INTERVIEW: Herr Schön, wie kam es zur Zusammenarbeit?

GEZA SCHÖN: Die Leute von La Biosthétique haben angefragt, ob ich an der Entwicklung der Spa-Linie Interesse hätte. Wir haben uns getroffen und mehrere Riech-Sessions gemacht, sowohl in Berlin als auch in Pforzheim, und abgeklopft, wie weit man mit den Produkten parfümistisch gehen kann. Das Duftthema wurde bisher bei La Biosthétique ein wenig stiefmütterlich behandelt. Es war echt witzig, das festzustellen. Das ist als hättest du ein Formel 1-Team und der Typ, der für die Reifen zuständig ist, holt die an der Ecke im Fahrradladen.

INTERVIEW: Wie hat La Biosthétique auf Ihre Kritik reagiert?

SCHÖN: Sie waren sehr offen und dankbar dafür. Es war toll, dass ich denen letztlich, im Einvernehmen, meinen Geruchsstempel aufdrücken durfte. Ich habe keine Lust mit billigen Ölen zu arbeiten, auch wenn das vielleicht Industriestandard ist. La Biosthétique zahlt richtig viel für Duftöle. Und wenn du mehr dafür bezahlst, bekommst du halt auch immer einen besseren Duft. Gib einem Koch drei oder 30 Euro für ein Dinner – da kommt was anderes raus. Genauso ist das in der Parfümerie. Ich habe letztlich die ganze La Biosthétique-Produktlinie durchgerochen und – ich sag’s mal so – wir haben noch einiges zusammen vor.

INTERVIEW: Inwiefern unterscheidet sich der Entwicklungsprozess für Sie, wenn Sie ein Badeöl oder Duschgel parfümieren und nicht einen Duft kreieren?

SCHÖN: Das sind völlig unterschiedliche Prozesse. Das Parfüm in einer Duschgel-Masse ist nie hoch dosiert. Ein Eau de Toilette enthält ca. zehn bis 30 Prozent Parfümöl, ein Duschgel 0,5 bis ein Prozent. Dann ist die Stabilität der Riechstoffe zu berücksichtigen, die ganz anders in einer Duschgel-Masse reagieren als in Alkohol. Der Geruch einer Spa-Linie ist ja eher ein Add-on und die Arbeit als Parfümeur steht nicht so sehr im Vordergrund.

INTERVIEW: Wie ist das für Sie?

SCHÖN: Ich finde das super. Ich bin nicht unbedingt bestrebt, überall meinen Senf dazuzugeben. Daher habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn mein Name gar nicht fällt.

INTERVIEW: Was ist geruchstechnisch das Besondere für Sie an dieser Spa-Linie? Handelt es sich dabei um Hybrid-Produkte, die zwischen Spa-Produkt und Parfüm angesiedelt sind?

SCHÖN: Man könnte fast sagen, dass es ein Parfüm ist, weil anderen Firmen nicht soviel für Parfüm ausgeben. Das war aber auch Teil meiner Überzeugungsarbeit. (lacht) Ich hätte den Duft auch für ein Drittel der Kosten machen können, dann hätte er vielleicht noch so ähnlich gerochen. Aber es geht darum, einen besonderen Duftakkord zu machen und gute Rohstoffe einzusetzen. Was habe ich davon, wenn ich sage, der Duft enthält Sandelholz, aber da sind nur ein paar synthetische Sandelholz-Riechstoffe drin? Echtes Sandelholz, das Naturprodukt, riecht einfach ganz anders als der Industrie-Ersatz.

INTERVIEW: Was ist olifaktorisch von den Produkten konkret zu erwarten?

SCHÖN: Probieren Sie’s aus! (lacht) Für mich bedeutet Spa immer Genuss. Dazu gehört Entspannung, Ruhe, ein Mmmh-Gefühl. Wichtig für den Akkord ist eine Kombination aus Sandelholz und Tonka mit einer sehr schönen spritzigen Frische. Die ist bei einem Badeprodukt für die Kopfnote fast unerlässlich. In der Parfümerie ist das meist eine der ersten Fragen: „Haben Sie auch was Frisches?“ Deshalb ist die Kopfnote leicht zitrisch und frisch mit einem leicht süßen Abgang, ganz ohne Vanille, nur mit Tonka. Die Rezeptur ist sehr kurz. Natürlich ist auch Iso E Super, also Molecule 01 [aus Schöns eigener Linie Escentric Molecules] als Riechstoff mit 20 Prozent dabei.

© La Biosthétique

INTERVIEW: Inwiefern funktioniert Iso-E Super anders als andere Duftstoffe?

SCHÖN: Jeder Stoff enthält Moleküle, die es zum Riechen bringen und die verdampfen wollen. Kein Molekül will ewig bleiben. Das wird Dampfdruck genannt. Zitronenöl, zum Beispiel, hat einen hohen Dampfdruck, das heißt, die Moleküle verflüchtigen sich schnell. Deswegen riecht ein Streifen mit Zitronenöl nach einer Stunde kaum noch danach. Iso E Super dagegen haftet tage- bis wochenlang auf einem Streifen oder der Haut. Es bleibt einfach. Und das ist großartig, wenn es darum geht, den Leuten das Leben einfacher zu machen. Bei dem Thema Duft sind sehr unsicher. Deswegen die Idee zur Simplifizierung, die Konzentration auf nur einen Geruchstoff. Man könnte sagen, dass sich Molecule 01 zu Parfüm so verhält wie Bauhaus zu Barock.

INTERVIEW: Ist Iso E Super dann quasi als Ihre Signatur Teil der Rezeptur?

SCHÖN: Ja, das ist in irgendeiner Prozentzahl in allen Produkten, die ich für La Biosthétique gemacht habe. Es muss schon Sinn machen, ich will das nicht einfach überall reingeben. Aber in 99,9 Prozent der Fälle hilft der Stoff der Komposition.

INTERVIEW: Wieso das?

SCHÖN: Der Duftpapst Hanns Hatt hat zu dem Phänomen geforscht. Ich kenne ihn seit ein paar Jahren. Ein toller Typ. Er leitet an der Ruhr-Uni in Bochum ein Projekt zur Erforschung des Riechens und vermutet, dass Iso E Super das vomero-nasale Riechen triggert, also den Part, der auf Pheromone, die Sexuallockstoffe, anspringt. Das führt dazu, dass man plötzlich Leuten hinterherläuft und fragt, wonach sie riechen.

INTERVIEW: In der Parfumwelt gilt Ihr Escentric Molecules als Innovation – und das obwohl das Metier Jahrhunderte alt ist. Können Sie das jetzt noch toppen?

SCHÖN: Nee.

INTERVIEW: Ab jetzt geht’s nur noch bergab?

SCHÖN: Ja, oder bergauf. Wir verzeichnen jedes Jahr immer noch bessere Zahlen als im Jahr davor. Wir sind nur ein kleiner Betrieb und haben einfach nicht die Not oder den Drang, das riesig zu machen.

© La Biosthétique
24.03.2015 | Kategorien Beauty, Interviews | Tags , , , ,

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