IM INTERVIEW:
Londoner Elektro-Soul Duo HONNE

Mit ihren avantgardistischen Elektro-Soul Produktionen befinden sich Andy Clutterbuck und James Hatche aka Honne zur Zeit auf der Überholspur. Jetzt ist ihre neue EP Coastal Love erschienen. Wir trafen das Londoner Duo kurz vor ihrem ersten Gig in Berlin und sprachen mit ihnen über angesagte Locations in London, ihre neue Single und über die wahre Liebe.

links: James Hatche (Production), rechts: Andy Clutterbuck (Voice)

INTERVIEW: Seid ihr gut in Berlin angekommen?

ANDY: Ja, hat alles super geklappt. Wir standen nur eben ein bisschen im Stau.

INTERVIEW: Das ist aber nicht euer erster Aufenthalt in Berlin, oder?

ANDY: Doch, für mich ist es das erste Mal.

INTERVIEW: Tatsächlich?

JAMES: Es ist unser erster Besuch, an dem wir hier live spielen und quasi für die Musik hergekommen sind. Aber ich war vor einiger Zeit schon zwei, dreimal persönlich hier.

INTERVIEW: Dann habt ihr noch nicht viel von Berlin gesehen?

ANDY: Also heute noch nicht, wir sind eben aus dem Flugzeug gestiegen und direkt hier her gefahren. Aber ich habe soviel Gutes über diese Stadt gehört, dass ich wirklich gespannt bin und mich total darauf freue morgen mit der Band raus zu gehen. Wir bleiben noch ein paar Tage.

INTERVIEW: Dann habt ihr ja auch noch nie im Berghain getanzt, richtig?

ANDY: Nein.

INTERVIEW: Aber ihr kennt den Club, oder?

JAMES: Na klar haben wir davon gehört. Er ist ja immerhin einer der berühmtesten Clubs der Welt.

ANDY: Aber ob wir da reinkommen würden?

INTERVIEW: Das kann ich euch auch nicht mit Sicherheit beantworten. Es gibt mittlerweile die wildesten Theorien darüber, wie man es am besten schafft.

ANDY: Ja, die Tür ist dort sehr hart, oder?

INTERVIEW: Das könnte man so sagen. Ihr zwei lebt momentan beide in London, richtig?

HONNE: Ja, richtig.

INTERVIEW: Was denkt ihr, ist der größte Unterschied zwischen London und Berlin als Wohnort?

ANDY: Die Mieten, schätze ich.

JAMES: Ich glaube, dass es in Berlin viel relaxter zugeht als in London oder anderen europäischen Städten, zumindest sieht es so aus (lacht). Ich würde die Leute hier als „gechillter “ bezeichnen.

ANDY: Ja, das kann schon sein. In London ist alles ein bisschen strenger, die Dinge sind immer geregelt und strikt vorgegeben. Und es ist voller.

INTERVIEW: Angenommen wir wären jetzt in London und nicht in Berlin, wohin würdet ihr mich dann mitnehmen?

ANDY: Wir leben beide in Edmund, in East London. In der Nähe von uns gibt es einen wunderbaren Ort namens Hackney Wick. Dort ist es vielleicht ein bisschen wie in Berlin, denke ich. Der Stadtteil hat ein wenig Industriecharme, es gibt noch alte Lagerhäuser, relativ viel Leerstand und so weiter. Es ist auf jeden Fall ein Ort, der sich gerade sehr stark entwickelt und der absolut angesagt ist im Moment. Man könnte auch sagen, dass dort zur Zeit die neuen Trends geboren werden. Es gibt gemütliche Cafes, viele Bars, einige neue Restaurants und coole Clubs. Es macht großen Spaß dort auszugehen.

INTERVIEW: Das hört sich gut an.

ANDY: Ja, es ist toll. Solltest du dir unbedingt anschauen, wenn du in London bist.

INTERVIEW: Bevor wir uns in London verlieren, lasst uns über eure Band Honne und euer Label Tatemae sprechen. Ich habe gelesen, dass diese Begriffe aus dem Japanischen stammen. Euer Albumcover stellt auch einen Bezug zu dem Land her. Was verbindet ihr mit Japan? Oder in welcher Beziehung steht ihr zu Japan?

ANDY: Naja, also wie du siehst, wir kommen nicht aus Japan (lacht). Aber ja, ich habe eine intensive Beziehung zu dem Land, weil ich dort vor kurzem einige Zeit verbracht habe. Meine Freundin hat in Japan gelebt und ich habe sie ein paar Mal dort besucht. Japan ist ein wundervolles Land, total interessant. Augenscheinlich läuft da immer alles total glatt, aber dann gibt es eben auch eine gänzlich andere Seite, die ganz schön rau sein kann. Ich finde diesen Kontrast spannend. Unseren Namen Honne haben wir quasi dort entdeckt. Er bedeutet übersetzt soviel wie „Wirkliche Gefühle“. Es geht um das, was du fühlst und nur mit engen Freunden teilst. Wir haben uns sofort in die Bedeutung dieses Wortes verliebt. Also haben wir uns dafür entschieden, unsere Band so zu nennen.

INTERVIEW: Wann habt ihr zwei euch zum ersten Mal getroffen?

JAMES: Das ist jetzt schon circa sieben Jahre her. Andy war die erste Person, die ich an der Universität getroffen habe. Und dann ging das eigentlich alles sehr schnell. Ich glaube wir haben schon zwei oder drei Tage später unseren ersten Song zusammen geschrieben.

INTERVIEW: So schnell geht das?

ANDY: Ja, das war wirklich sehr schnell.

JAMES: Andy ist auch ein schneller Fahrer (lacht).

ANDY: Aber so richtig professionell als Honne arbeiten wir jetzt seit ungefähr 18 Monaten zusammen. Wir haben unseren Sound in der Zwischenzeit gefunden und etwas Eigenes auf die Beine gestellt.

INTERVIEW: Worum genau geht’s in der neuen Single Coastal Love? Basiert die Story auf realen Erfahrungen und Erlebnissen?

ANDY: Der Single handelt von einer Fernbeziehung. Als ich an dem Song gearbeitet habe, befand ich mich gerade selbst in einer und verspürte so ein seltsames Küstengefühl. Das hat mich inspiriert – also habe ich darüber geschrieben. James hat die Musik beigesteuert, wofür er auch in der Regel verantwortlich ist. Angefangen haben wir dieses Mal aber mit dem Titel Coastal Love, der stand quasi vorher fest, weil wir ihn so passend fanden. Danach kam dann die Musik dazu. In dem Song geht es auch um Distanz, wenn man sich an zwei ganz unterschiedlichen Plätzen in der Welt befindet.

JAMES: Aber wir meinen damit eher ein positives Gefühl, der Song ist nicht traurig, er hat einen sehr positiven Spin. Es ist mehr so ein romantisches Ding.

ANDY: Ja, definitiv.

INTERVIEW: Was bedeutet denn genau Distanz für euch?

ANDY: Ich glaube Distanz ist immer eine gute Sache.

INTERVIEW: Wirklich immer?

ANDY: Naja okay, nicht immer. Nähe ist natürlich auch fantastisch (lacht). Aber manchmal, oder sagen wir meistens, kannst du durch eine gewisse Distanz einfach neue Perspektiven für eine Beziehung entwickeln. Ich glaube wenn man das realisiert, kann Distanz wirklich eine großartige Sache sein. Für mich ohnehin.

JAMES: Sehe ich genauso.

INTERVIEW: Wie ist das bei euch, glaubt ihr an die wahre Liebe?

ANDY & JAMES: Uhlala…das ist eine große Frage.

INTERVIEW: Oder anders gefragt. Wie sollte sich die große Liebe eurer Meinung nach anfühlen?

JAMES: Ich persönlich denke, dass man von Liebe sprechen kann, wenn man mit jemandem einfach super auskommt, gern Zeit miteinander verbringt, die Nähe zu einer Person besonders genießt. Das fühlt sich dann einfach richtig an. Ich glaube das gehört für mich zur „wahren Liebe“ unbedingt dazu, wenn es sie denn gibt.

ANDY: Ja, das unterschreib’ ich so. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich jeder von uns potenziell in 40.000 Menschen oder irgend so eine verrückte Zahl verlieben könnte. Da wären also theoretisch so viele Leute in der Welt, mit denen man zusammen passen könnte bzw. in die man sich verlieben könnte. Vielleicht gibt es die eine große Liebe dann gar nicht? Ich finde es interessant darüber nachzudenken.

 

“Ohne die Musik wären wir wahrscheinlich einsame, verbitterte alte Männer geworden”
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INTERVIEW: Habt ihr musikalische Vorbilder? Von wem seid ihr beeinflusst?

JAMES: Eigentlich gibt es nicht wirklich jemanden Spezielles. Wir idealisieren niemanden oder so.

ANDY: Nein, aber früher, als ich noch Teenager war, war ich schon manchmal ein richtiger Fan. Zum Teil vielleicht sogar ein bisschen besessen. Einige Musiker haben mich vor allem lyrisch, also beim Songschreiben, auf unterschiedliche Weise inspiriert, das würde ich schon sagen. Vielleicht waren Sie also in gewisser Weise eine Art Vorbild für mich.

JAMES: Als wir gerade anfingen gemeinsam Musik zu machen, noch bevor Honne gegründet wurde, haben wir mit verschiedenen Sachen experimentiert. Wir haben uns generell viel Musik von verschiedenen Bands angehört, zum Beispiel von Apparat und James Blake, aber auch von vielen anderen. Sicherlich sind wir hier und da beeinflusst, aber wir haben niemanden kopiert.

INTERVIEW: Ich stelle es mir schwierig vor sich als Musiker komplett frei von Einflüssen zu machen. Das ist ja wahrscheinlich auch irgendwie normal, oder?

JAMES: Absolut.

INTERVIEW: Erinnert ihr euch an ein bestimmtes Live Konzert besonders gern zurück? Gab es da ein spezielles Erlebnis?

JAMES: Ich erinnere mich an alle unsere Auftritte sehr gern. Eines der schönsten Erlebnisse hatten wir erst neulich in London – das war unglaublich! Wir haben dort in einem alten Parkhaus bzw. Autopark gespielt, in so einem industriellen Gebäude, das heißt heute Laundry. Die Location war schon einzigartig. Da musste ich mich am nächsten Morgen erst einmal kneifen und hab’ mich gefragt, ob das gestern wirklich passiert ist? Das war schon ein bisschen verrückt. Normalerweise sind zu unseren Konzerten bisher immer so um die 250 Leute gekommen und an diesem Abend waren es 750. Irre!

INTERVIEW: Wie war denn eure Tour mit Kwabs?

ANDY: Die war richtig gut. Er ist ein super Typ. Wir haben seine Musik schon gehört, bevor wir gefragt wurden, ob wir mit ihm spielen wollen. Es war einfach großartig, dass wir gebeten wurden ihn zu supporten. Wir haben einige Gigs in Deutschland und in der UK gespielt.

INTERVIEW: Gefällt euch das Tour-Leben?

ANDY: Ja, das macht großen Spaß.

INTERVIEW: Ich habe gelesen, dass ihr euch als Studenten beide als Musiklehrer etwas Geld dazu verdient habt. Welche Instrumente spielt ihr denn? Und welche habt ihr unterrichtet?

JAMES: Meistens spielen wir beide Gitarre. Aber wir spielen auch beide Klavier, Schlagzeug und Bass. Unterrichtet habe ich aber eigentlich immer nur Gitarre und ein kleines bisschen Klavier.

ANDY: Ich hab’ den Kids eher versucht beizubringen wie sie mit dem Computer Musik machen können, wie sie diesen benutzen, um zum Beispiel Remixe zu machen etc. Man könnte das auch als Musiktechnologie bezeichnen.

INTERVIEW: Hattet ihr auch mal andere Nebenjobs als Schüler oder Studenten?

ANDY: Ich habe mal für einige Monate vor Weihnachten in einem Kaufhaus gearbeitet, aber den Job habe ich auch ziemlich schnell wieder an den Nagel gehängt, weil es nichts für mich war. Das hört sich immer schlimmer an als es ist. Aber ich habe wirklich hart gearbeitet dort, manchmal bin ich echt regelrecht eingeschlafen bei der Arbeit, so langweilig war das.

INTERVIEW: Und du James?

JAMES: Ich hatte da eigentlich immer sehr viel Glück. Ich habe schon mit vierzehn mit meinen Freunden Musik in Pubs gemacht. Das ist echt verrückt, oder?

INTERVIEW: Was hättet ihr beruflich gemacht, wenn es mit der Musikkarriere nicht geklappt hätte?

JAMES: Dann wären wir wahrscheinlich einsame, verbitterte alte Männer geworden.

ANDY: Nein, mal im Ernst. Wenn ich nie Musik gemacht hätte, beziehungsweise, wenn sie nicht für mich existieren würde, dann hätte ich vielleicht versucht Architektur zu studieren. Oder ich wäre Zimmermann geworden. Ich finde es toll mit Holz zu arbeiten und bewundere Leute, die zum Beispiel Möbel selbst herstellen können.

JAMES: Das ist echt eine schwierige Frage für mich. Vielleicht wäre ich Sekretär oder so etwas in der Art geworden, ich weiß es nicht (lacht).

ANDY: Du hättest ja mein Assistent werden können James. (lacht)

INTERVIEW: Ihr spielt heute euer erstes Live-Konzert in Berlin. Was können wir da auf der Bühne erwarten?

JAMES: Ja, es wird ein bisschen anders sein als das, was wir auf unserer CD machen. Es wird nicht nur elektronisch sein. Wir haben einen Drumer dabei, einen Bassisten und eine Sängerin. Und ich spiele Keyboard.

ANDY: Wir wollen nicht auf die Bühne gehen und nur eine LapTop Party schmeißen, sondern auch eine richtige Show machen und performen.

JAMES: Wenn die Leute zu unseren Gigs kommen, sollen sie auch etwas erleben.

INTERVIEW: Seid ihr aufgeregt, bevor es auf die Bühne geht?

JAMES: Ja, defintiv.

INTERVIEW: Habt ihr da einen speziellen Trick, wie ihr euch beruhigt oder vorbereitet, wenn es los geht?

ANDY: Ach, eigentlich nichts Besonderes. Ich mache das immer wie vor Prüfungen. Ich atme fünf Mal langsam durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus. Das funktioniert perfekt.

INTERVIEW: Eure Single Coastal Love wurde jetzt schon über 1 Million Mal auf Soundcloud gespielt. Was sind eure weiteren Pläne für dieses Jahr?

ANDY: Wir werden weiter an unserem Album arbeiten, das dann hoffentlich im nächsten Jahr fertig wird. Das wäre fantastisch. Und wir wollen weiter auf Tournee gehen und in vielen Städten in Europa spielen.

JAMES: In der Zwischenzeit wird es auch eine weitere EP und neue Tracks geben.

ANDY: Wir sind auch auf einigen kleinen Festivals in der UK und Frankreich dabei. Vielleicht können wir auch einmal auf einem Festival in Deutschland spielen, das wäre großartig. Wir würden sehr gerne wieder kommen. Ich bin sehr gespannt was noch alles passieren wird.

 

Coastal Love von Honne ist bei Warner Music erschienen.

 

Von: Insa Grüning