Berlins junge Künstler:
Alexander Iskin

Glücklicherweise treibt es noch immer Künstler aus der ganzen Welt in die Hauptstadt und Kunsthochschulen sorgen mit ihren Absolventen für Nachwuchs. Einer dieser Hoffnungsträger ist Alexander Iskin, der zwar besagte Talentschmiede nie besucht hat, aber mit seiner selbst betitelten „interrealistischen Malerei“ eine wachsende Fangemeinde verzückt. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Alexander Iskin, es gibt die schöne Geschichte über Sie, dass Sie als 16-Jähriger nach einer Begegnung mit der Künstlerin Oda Jaune, der schönen Witwe Jörg Immendorffs, mit der Kunst begonnen hätten. Es heißt, Sie hätten ihr gesagt, dass Sie auch malten, was zu dem Zeitpunkt aber gar nicht stimmte.

So leid es mir tut, aber es war so: Durch Oda Jaune hat die Kunst für mich einen Körper bekommen.

In Ihren Bildern ist es mit den Körpern ein wenig schwieriger. Oft meint man, Figuren oder Szenen zu erkennen, die sich dann aber doch nicht entwirren lassen.

Mit meinen Bildern will ich eine Zwischenwelt kreieren, Perspektiven auflösen, Figuren aus Figuren lösen. Es geht mir darum, Figuren zu beleben und trotzdem mehrdeutig zu arbeiten. Diese Zwischenwelt ist beeinflusst von Social Media und vom Internet. Mit der Erfindung des Internets haben sich die Welt und die Menschen sehr schnell verändert. In der Virtualität gibt es keine Grenzen mehr, nur noch unendlich viele Informationen. Es ist ein Wirrwarr, der nur noch müde macht. Aus diesem Bewusstsein habe ich eine Haltung entwickelt.

Was ist das für eine Haltung?

Der Interrealismus.

Was bedeutet das?

Ich glaube, Malerei muss etwas zu tun haben mit diesen seltsamen Bewegungen, in denen wir leben. Interrealismus ist eine Form des Widerstands gegen die Digitalisierung. Ich will mich da komplett herausziehen und eine neue interreale Welt kreieren. Es geht darum aus der totalen sozialen Vernetzung zu entfliehen, um das Bewusstsein für die Welt zu schärfen.

Haben Sie deshalb Ihren Facebook- und Instagramaccount gelöscht?

Ich habe nicht nur meine Social-Media-Accounts gelöscht, sondern auch in einer Live-Performance meinen Computer und mein Smartphone zerschlagen, quasi zu Apfelmus. Ohne Backup. Das war ein Akt der Befreiung, und im Hinblick auf den Interrealismus und dem Apfel als Symbol der Verführung lässt das auch verschwörungstheoretische Assoziationen zu. Natürlich ist es absurd, sein iPhone mit archaischen Waffen zu zerschlagen.

Muss man als Künstler nicht heutzutage in den sozialen Medien präsent sein?

Ist ein guter Künstler einer mit vielen Followern? Mich haben schon ein paar hippe Galerien aus New York nach meinem Instagram-Account gefragt. Für mich ist das ein Zeichen der Gefahr. Kunst muss ein anderes Tempo haben. Wenn das die neue Art ist, Kunst zu präsentieren, möchte ich mit Kunst nichts zu tun haben.

von Beate Scheder | Fotos: Kira Bunse | Styling: Anna Schiffel

16.05.2017 | Kategorien Berlin, Interviews, Kunst | Tags , ,

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