Berlins junge Künstler:
Carla Chan

Das reine Fotografieren war Carla Chan zu langweilig. Darum experimentiert sie jetzt unter anderem mit Kohlenstoffpulver. Was das alles mit Schnee zu tun hat, erklärt uns die junge Künstlerin im Interview.

Carla Chan, Sie arbeiten fast ausschließlich in Schwarz-Weiß, mögen Sie keine Farben?

Doch, ich mag Farben. Dass ich Schwarz und Weiß benutze, liegt daran, dass ich herausgefunden habe, wie die Reduktion von Farben, die Vorstellungskraft anregt. In meiner Arbeit entwerfe ich Landschaften. Ohne Farben wird alles weniger eindeutig und man kann mehr selbst nachdenken.

Was für Landschaften interessieren Sie?

Ich bin besessen von skandinavischen Landschaften. Das ist auch einer der Gründe, warum ich meist Schwarz und Weiß benutze. In Skandinavien habe ich vor vier Jahren meinen ersten Schnee gesehen.

Wie war das?

Sehr seltsam. Es hat sich angefühlt, als wäre ich in einer Weihnachtspostkarte. Sehr ruhig aber auch gemütlich, definitiv eindrucksvoll und wunderschön.

Wie übersetzen Sie Ihre Eindrücke in Ihren Arbeiten?

Ich mache eine Menge Fotos, aber die dienen mehr als Bezugspunkte. Ich bearbeite meine Fotos sehr stark und manchmal animiere ich sie mithilfe einer Software. Auf diese Weise zeige ich sowohl reale wie imaginative Landschaften.

Reichen die realen Landschaften nicht aus, für das, was Sie zeigen wollen?

Tatsächlich fehlt mir etwas. Ich glaube, das ist der Grund, warum ich mich vom reinen Filmen und Fotografieren entfernt habe. Es wurde mir zu langweilig. Ich finde es gut, Bilder zu kreieren, die in der Realität verwurzelt sind, aber die gleichzeitig etwas Surreales haben.

In Ihrer vergangenen Ausstellung haben Sie von Ihren Fotografien Drucke mithilfe chemischer Stoffe wie Kohlenstoffpulver hergestellt. Wieso?

Ich habe fünf Jahre lang mit Videos und digitalen Prozessen gearbeitet. Was ich wirklich vermisst habe, ist Spontaneität und die Nähe zu einem Material. Als Maler hat man nur Leinwand und Farbe, man kann sich betrinken und sich ausleben. Digital verläuft alles in geregelten Bahnen. Außerdem passten die chemischen Reaktionen gut zu meinem Thema, der Verschmutzung der Natur. Gerade das Kohlenstoffpulver spricht da natürlich für sich.

War es schwierig zu lernen, mit damit umzugehen?

Ich habe mir alles selbst über Youtube-Tutorials beigebracht. Was ich mache, sind sehr einfache Dinge. Dennoch kann es zwischendurch gefährlich werden.

Ist Ihnen schon einmal etwas passiert?

Nichts Schlimmes zum Glück, aber einmal hatte ich einen chemischen Schock. Es bleiben eben Experimente, bei denen man nicht alles kontrollieren kann. Ich finde das gut. Ich mag es, wenn Dinge ein wenig außer Kontrolle geraten.

von Beate Scheder | Fotos: Kira Bunse | Styling: Anna Schiffel

23.05.2017 | Kategorien Berlin, Interviews, Kunst | Tags , , ,