Berlins junge Künstler:
Ketuta Alexi-Meskhishvili

Analog oder digital – das ist hier die Frage. Beides, sagt Ketuta Alexi-Meskhishvili und erklärt uns, was einen erfolgreichen Künstler heute ausmacht.

Ketuta Alexi-Meskhishvili, ich stelle es mir sehr schwierig vor, in diesen Zeiten als Künstlerin im Medium der Fotografie zu arbeiten. Wie kann angesichts des digitalen Bilderrausches, in dem wir leben, Fotografie heute noch interessant sein?

Das ist eine Frage, die ich mir jeden Tag stelle. Ich glaube, es ist interessant, weil immer mehr Menschen ein gutes Auge entwickelt haben und in einer visuellen Kultur geschult sind und weil die visuelle Sprache gleichzeitig globaler und komplexer geworden ist. Ich denke, es bedeutet, dass es noch mehr Tools zum Arbeiten gibt.

Wie kamen Sie überhaupt zur Fotografie?

Ich wusste, dass ich mit Kameras arbeiten wollte, seitdem ich meine erste mit neun Jahren hatte. Ich erinnere mich noch, wie berauscht ich mich gefühlt habe, angesichts dieses Ausmaßes an Kontrolle, die man über die Welt bekommt, wenn man sie durch eine Linse betrachtet. Noch immer fasziniert mich das Gleiche: dieses Verhandeln zwischen Kontrolle und Zufall, An- und Abwesenheit, das Fotografie ausmacht.

Geht das besser analog oder digital?

Ich bin sehr glücklich, in einer Zeit zu leben, in der ich beides gegeneinander ausspielen kann.

Viele Ihrer Fotografien schauen wie Schnappschüsse aus, die danach übereinander geschichtet wurden. Sind es tatsächlich welche?

Sie sind sogar sehr weit davon entfernt, weil ich eine Großbildfilmkamera benutze und es sehr lange dauert, alles einzustellen und das Bild zu schießen. Ich finde die Objekte, die ich abbilde, überall, vom Müll bis hin zu Antiquariaten. Die Personen sind normalerweise Menschen, denen ich mich auf gewisse Weise verbunden fühle.

Und nach all dem Aufwand zerkratzen sie Ihre Bilder oder hinterlassen Fingerabdrücke? Wieso machen Sie das?

Ein Foto ist wie eine Spur. Es geht mir darum, diese Eigenschaft auf die Spitze zu treiben. Es ist ein wenig so, wie wenn man ein Selfie macht, um sich zu vergewissern, dass man lebt. Seine Spuren auf einem Foto zu hinterlassen hat einen ähnlichen Effekt.

Was glauben Sie, macht heute einen erfolgreichen Künstler aus? 

Ich glaube, Kunst ist immer gut, wenn sie direkt ist, ehrlich, real. Was einen Künstler erfolgreich macht, ist vermutlich gute Kunst, meinen Sie nicht? Und viel, viel Glück.



von Beate Scheder | Fotos: Kira Bunse | Styling: Anna Schiffel

19.05.2017 | Kategorien Berlin, Fotografie, Interviews, Kunst | Tags , ,

Berlin / Weitere Artikel

26.08.2015

THE CLINIC
by Juergen Teller

Die Ausstellung The Clinic von Juergen Teller zeigt im Rahmen der Berlin Art Week vom 18.-26. September 2015 eine Auswahl an Tellers Fotografien.

17.07.2015

Perfekt für den Sommer:
Die Ice Cream Map Berlin

Unsere Freunde von Mit Vergnügen haben sich netterweise die Mühe gemacht, die besten Eisläden von ganz Berlin ausfindig zu machen. Und noch viel besser: Mit diesem ultimativen Eiscreme-Fahrplan …

09.09.2015

Die Zukunft New Yorks und der totale Rausch

Großstädte, Krisengebiete und Hitlers Crystal Meth: Beim Internationalen Literaturfestival in Berlin lesen Michael Cunnigham, Navid Kermani, Jenny Erpenbeck und Norman Ohler.

15.02.2017

Berlin
Syndrome

Wenn das so weiter geht, sollte man den Sozialbau am Kottbusser Tor unter Denkmalschutz stellen. Als Filmkulisse kann es der Soziale Brennpunkt mittlerweile mit Gedächtniskirche und Fernsehturm …

06.02.2015

EXKLUSIV:
Videopremiere "Lonesome" von ADNA

Die Singer-Songwriterin Adna ist gebürtige Schwedin und lebt in Berlin. Nach ihrer erster Single „Living“ veröffentlicht sie jetzt die zweite unter dem …

22.01.2016

BERLIN FASHION WEEK
Backstage bei
Vladimir Karaleev

Am Donnerstag präsentierte der 1981 in Sofia geborene Designer Vladimir Karaleev seine aktuelle Kollektion in Form einer inszenierten Installation im me Collectors Room. Für uns hat Trevor Good …