Berlins junge Künstler:
Lukas Glinkowski

Jeder hat ja so seine Leidenschaft. Bei Lukas Glinkowski ist diese gekachelt. Im Interview klärt uns der Künstler auf.

Lukas Glinkowski | Foto: Kira Bunse

Lukas Glinkowski, woher kommt Ihre Vorliebe für Fliesen als Mal- und Zeichenuntergrund?

Zurzeit bin ich tatsächlich auf der Fliesenschiene. Ich finde die Ideen und Motive für meine Arbeiten im Stadtraum Berlins und da gibt es einfach viele Fliesen, zum Beispiel in U-Bahnhöfen oder Waschräumen.

Apropos Waschräume: Den Kölner Projektraum „Bruch & Dallas“ haben Sie Anfang des Jahres gleich ganz in eine 90er-Jahre-Disco-Toilette verwandelt. Wie kam das?

Ich bin in Polen geboren und fahre regelmäßig meine Familie besuchen. Als ich Jugendlicher war, hat mein Cousin als DJ gearbeitet und er hat mich in die Dörfer mitgenommen. Da sieht es heute noch so aus wie in den 90ern. In der Ausstellung in Köln war die Idee, die Atmosphäre dieser Orte in den Kunstraum zu übertragen. Das Besondere dabei war, dass die Rezipienten gleichzeitig Akteure waren. Die Besucher konnten die Fliesen mit Eddings bemalen oder beschreiben.

Und? Haben sie?

Es war tatsächlich so, wie man es aus Toilettenräumen kennt: Aktion – Reaktion. Es gab viele Pfeile und Zeichnungen oder Texte, die sich aufeinander bezogen. Interessant war auch, dass viele die Fliesen als Raum wahrgenommen haben und innerhalb dieser Begrenzung geblieben sind.

Wieso beschäftigen Sie sich gerade mit Orten wie solchen Toiletten?

Was mich interessiert, ist, wie Menschen Dinge oder Orte verändern. Das können Graffitis sein oder eben auch Kritzeleien auf einer öffentlichen Toilette. Andere Orte fallen mir auf, weil sie einfach seltsam sind.

Zum Beispiel?

In einer Straße in Spandau habe ich einen Wintergarten entdeckt, dessen Scheiben von außen komplett mit einer Fototapete mit Strandmotiv beklebt wurde. In den Wintergarten kommt so kein Lichtstrahl mehr, aber auf der Tapete scheint die Sonne. So etwas kann der Ausgangspunkt für eine Arbeit sein.

Wie gehen Sie dann vor?

Ich sehe mich etwas wie ein Fotograf. Ein Fotograf, der etwas schießt und dann bearbeitet. Was ich mache, ist quasi so etwas wie ein Fotoalbum. Ich bearbeite das, was ich aufgenommen habe, füge ihm eine Fiktion zu, eine narrative Ebene. Das heißt, ich baue die Orte nach und bemale, bezeichne oder besprühe sie dann.

Woran arbeiten Sie aktuell?

Ich bereite gerade meinen Beitrag zu einer Gruppenausstellung vor, eine Serie von Zeichnungen auf Fliesen. Sie haben wieder reale Vorbilder aus dem öffentlichen Raum, aber ich ändere sie noch weiter ab. Das Kritzelkratzel auf der Straße habe ich nochmal in die Abstrahierwaschmaschine gesteckt.

von Beate Scheder | Fotos: Kira Bunse | Styling: Anna Schiffel

18.05.2017 | Kategorien Berlin, Interviews, Kunst | Tags , ,

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